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Bella macchina

Published on Juli 11th, 2007 | by zuendung

Bella macchina

Alfa Romeo 159 Sportwagon 2.4 JTDM 20v Q-Tronic Distinctive

Frontantrieb, Diesel, Kombi

Auf diese Stichwörter hin hätte noch vor wenigen Jahren niemand Alfa Romeo gesagt. Fügt man heute noch Elegant, Sportlich und Schnell hinzu, dann fehlt nur noch die Zahlenfolge 159, um den meisten Leuten ein bewunderndes "bella macchina" oder "cuore sportivo" zu entlocken.

Gerade die Volumenmarke im Flottengeschäft war Alfa Romeo bisher ja nicht. Aber warum soll ein schönes Auto nicht auch ein praktisches und zuverlässiges Auto sein? Nach den süditalienischen Enttäuschungen der Vergangenheit (Alfasud z.B.) hat sich Alfa qualitativ laufend verbessert und misst sich heute auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.
Ob der Alfa 159 Sportwagon genannte Kombi mithält und wozu man ihn brauchen kann, wollte der zündung.ch Tester wissen.

Der von Giorgio Giugiaro gezeichnete Kombi wirkt wie aus einem Guss. Da kommen Ausdrücke wie Dynamik, Leidenschaft, Schönheit, Rasse, Eleganz ins Spiel und all die im heute üblichen "Industriedesign" gehaltenen Mitbewerber verblassen daneben.
Zu haben ist diese bella macchina ab rund Fr. 40'000, für einen 1900er Diesel mit 120 PS (39'400) oder einen 1900er Benziner mit 160 PS (40'400).
Auswählen kann man beim 159 Sportwagon unter vier Ausstattungslinien (Impression, Progression, Distinctive und TI) und sieben Motoren (drei Diesel von 1,9 und 2,4 Lt., resp. 120 bis 210 PS, sowie vier Benzinern mit 1,9 Lt, 2,2 und 3,2 Lt. Hubraum, mit 160 bis 260 PS) und allen möglichen Getriebearten, auch mit Q4 genanntem Allradantrieb.
Ausser dem Einsteigerdiesel verfügen alle andern Dieselversionen über einen serienmässigen Russpartikelfilter.

Unser Testwagen verfügte über den 2,4 Lt.-Diesel mit Q-Tronic genannter Automatik und entstammt der zweithöchsten Ausstattungslinie (Distinctive). Basispreis Fr. 53'600. Eine Vielzahl weiterer Ausstattungen trieben den Preis auf Fr. 67'659.

Hinter etlichen dieser Ausstattungen verbirgt sich Hochmodernes, auf das im Einzelnen einzugehen hier zu weit führte. Stichworte wären z.B. hochmoderne Spracherkennung, selbstnachführendes Telefonbuch, USB-Anschluss im Handschuhfach, aber auch ABS mit verschiedenen Bremsassistenten, dazu ASR oder auch ein Hill-holder, mit dem Anfahren an Steigungen zum Kinderspiel werde. Technologie im Dienste der Sicherheit.
"Einen Alfa 159 Sportwagon zu fahren ist nicht zuletzt deshalb ein einzigartiges Erlebnis", behauptet Alfa Romeo. Wir prüften das nach.

Beim Studium der Konstruktion kommt man unweigerlich zum Schluss, dass es sich beim 159 um ein sicheres, solides, hochmodernes und technologisch auf höchstem Stand befindliches Auto handelt. Fünf Sterne beim EuroNCAP Crashtest sind das Ergebnis davon.
Das schlägt sich zum Beispiel auch nieder im nicht geringen Leergewicht von 1'775 Kg.


Das "cuore sportive" = in diesem Fall ein 5-Zylinder-Diesel mit 2,4 Liter Hubraum, neu 210 PS und 400 Nm Drehmoment ab 1500 Touren.

Markante Leistungswerte
Natürlich interessiert bei einem Alfa Romeo nicht nur die Ausstattung, sondern – besonders bei zündung.ch – vor allem auch das cuore sportivo, also der Motor.
2387 ccm, 5-Zylinder in Reihe, 200 PS Leistung; 400 Nm Drehmoment, sind Eckwerte, die sich sehen lassen können.
Neu sollen es sogar 210 PS sein und die 400 NM liegen dann bereits bei 1'500 Touren an.
Die aktuelle Leistung verhilft dem 159er Sportwagon, in 8,6 Sekunden von Null auf Hundert zu spurten. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 222 Km/h liegen.

Nun ist das ja alles schön und recht und Papier ist geduldig. Wir wollten aber schon selber erfahren, ob der äussere Eindruck und die Prospektversprechen der Realität entsprechen.

Auf Testfahrt
Der Kofferraum lässt sich nur per Fernbedienung oder dann via Knopf vom Cockpit aus öffnen. Die 445 Liter (mit umgelegten Rücksitzen max. 1'235 Liter) entsprechen etwa dem, was andere Lifestyle-Kombis auch bieten, sind aber nur über eine hohe Schwelle zugänglich. Nichts für Leute, die da im täglichen Berufseinsatz Waren oder Geräte ein- und ausladen müssen. Es sind sowohl Verzurrösen vorhanden, als auch eine 12V-Steckdose, sowie Gepäck- und Trennnetze. Die 445 Kg Gesamtzuladung sind dem Charakter des Fahrzeuges angemessen.

Die Sitze sind sportlich eng geschnitten, und bieten guten Seitenhalt. Zu eng, befanden Beifahrer mit etwas ausladenden Hüften. Die Sitzverstellung funktioniert über Hebel und Räder manuell. Elektrische Sitzverstellung wäre für unbescheidene Fr. 1'750.- erhältlich.
Die Mittelkonsole ist leicht zum Fahrer hin gedreht und gibt dem Fahrer das Gefühl, alles jederzeit im Griff und unter Kontrolle zu haben. Auch wenn die Sitzverstellung bei häufigerem Fahrerwechsel etwas mühsam ist, lässt sich aber – auch dank verstellbarem Lenkrad – bald die ideale Sitzposition finden.


Das Cockpit ist rechts leicht zum Fahrer hingeneigt. Dieser fühlt sich damit so richtig wohl in seiner Kommandozentrale.

Nach Einstecken des "Zündkästchens" (kein Schlüssel) und Drücken des Anlasserknopfs erwacht der 5-Zylinder zum Leben und lässt einen nicht im Unklaren, dass da ein Diesel am Nageln ist. Im geschlossen Auto und auch in warmem Zustand ist der Motor aber ruhig und angenehm. Das Drehmoment von 400 Nm verspricht vehemente Beschleunigung, doch auf den ersten Metern passiert gar nichts, denn unterhalb von 2'000 Touren offenbart der 159er eine Anfahrschwäche. Dann aber prescht er los und macht dem Werbeslogan cuore sportivo alle Ehre. Bei Alfa hat man sich offenbar auch an der lästigen Anfahrschwäche gestört. Nach Abschluss des sffv-Tests erreichte uns die Pressemitteilung, dass dieser Motor künftig statt 200 neu 210 PS haben werde und sein bestes Drehmoment von 400 Nm nun statt erst bei 2'000 schon bei 1'500 Touren abgeben würde.

Wie bei einem Abkömmling einer im Bau von Renn- und Sportwagen so erfahrenen Firma nicht anders zu erwarten, bietet der 159 Sportwagon wesentlich mehr Fahrwerksqualität, als man im normalen Verkehr, auch abseits der grossen Heerstrassen, braucht oder brauchen darf. Kurz: Man hat nicht nur ein sicheres Gefühl, er macht auch Spass, der 159er Kombi.
Die montierten 45er 18-Zöller-Reifen beeinträchtigen den Fahrkomfort nicht oder kaum.

Mit der Q-Tronic genannten Schaltautomatik kann wie mit einem normalen Automaten gefahren werden. In einer zweiten Ebene können die Gänge auch einzeln sortiert werden, falls man einmal eine verkehrsfreie Bergstrecke vor sich hat.


Der scharfe Raubvogelblick gibt dem Alfa 159 ein aggressives Aussehen, das manchen Betrachter zu einem "Wow" hinreisst.

Dass ein so leistungsstarkes und relativ schweres Auto, auch wenn es noch so elegant aussieht, kein Kostverächter sein würde, war zu erwarten. Die "amtlichen" Angaben nennen schon hohe 8,1 Liter Gesamtverbrauch. Über üblicherweise spritsparende Langdistanzen (> 2'000 Km) betrug der Testverbrauch aber 9,0 Liter Diesel und bei normalem Gemischteinsatz (Innerorts, Kurzstrecken, Überland und Autobahn über 600 Km) sogar 10,7 Liter Diesel.
Auch in Anbetracht der Fahrleistungen ist das ganz eindeutig viel zu viel.
Bei der Energieeffizienz hat der 2,4-Liter Alfa nur ein D erhalten. Der CO2-Ausstoss ist mit 215 g/Km auch relativ hoch.

Die Verarbeitungsqualität machte uns, wie schon die Fahrzeugkonstruktion, einen sehr guten Eindruck. Dass die Klimaanlage versagte, weil ein Stecker heraus gefallen war, mag Zufall sein. Weitere Pannen waren denn auch keine zu verzeichnen.

Dass das Licht beim Ausschalten des Motors grad vollständig ausgeht, ist von jeher eine Eigenheit der Fahrzeuge des Fiat-Konzerns. Mitten in der Nacht so völlig unbeleuchtet vor einem geschlossenen Bahnübergang zu stehen, ist allerdings nicht jedermanns Sache.

Garantien
Alfa Romeo garantiert sorgenfreies Fahrvergnügen während drei Jahren oder 100'000 Km. Da gilt einerseits die 2-jährige Totalgarantie auf Bestandteile und Arbeit. Diese kann für ein drittes Betriebsjahr (bis max. 100'000 Km) verlängert werden.
Während dreier Jahre (oder max. 100'000 Km) gilt Gratis-Service für alle vorgesehenen Service-Arbeiten und die Abgaswartung (also ohne Verschleissteile).
Ebenfalls während drei Jahren gilt die übliche "Top Mobilité" bei Panne oder Unfall in Europa.


Obwohl man mit dem 159er Sportwagon durchaus anständig fahren kann, reizt es einen schon öfters, den andern Verkehrsteilnehmern diesen Teil des Autos zu zeigen.

Zusammenfassung
Der in zwölf Aussenfarben und neun Lederintérieurs erhältliche Alfa Romeo 159 Sportwagon ist ein aussergewöhnlich sportlich-eleganter und rassiger Lifestyle-Kombi, der lieber Golfsäcke als Reparaturmaterial für Fotokopierer oder Waschmaschinen transportiert.
Er ist in allen möglichen Motorisierungen und Getrieben erhältlich, auch mit Allradantrieb. In einer etwas gedeckten Farbe (siehe Fotos) statt dem knalligen Rosso Alfa macht er auf Understatement.
Er ist zwar nicht unbescheiden im Treibstoffverbrauch, bietet aber viel sicheren Fahrspass.
Er sieht nicht nur sportlich und rassig aus, er ist auch komfortabel und einfach zu fahren.

Technisch und qualitativ ist er auf der Höhe und da ein grosser Konzern dahintersteht, geht man auch kein Risiko ein. Angesichts der ausserordentlich vielfältigen Ausstattung ist der Preis zwar kein Schnäppchen, aber immer noch als verhältnismässig zu bezeichnen.
Wir würden sagen: Geeignet für das mittlere und obere Kader, das eine Abwechslung sucht von sonst in diesen Kreisen üblichen Fahrzeugen deutscher und schwedischer Herkunft.

Für Zündung.ch: Heiny Volkart, Pressechef des Schweizerischen Fahrzeugflottenbesitzer-Verbandes (sffv)

Heiny Volkart betreibt Fleet-Consulting und ein Pressebüro in Aarburg (h.volkart@bluewin.ch)


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