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Published on Mai 30th, 2021 | by Heiny Volkart

C’est chic!

DS9

C’est chic!

Grundsätzlich spräche ja nichts dagegen, dass auch eine französische Automarke sich im Premium-Segment etablieren könnte. Die Versuche der letzten 20 Jahre von Peugeot, Renault und Citroën waren allerdings nur mässig erfolgreich. Nun nimmt Citroën mit seiner Nobelmarke DS einen neuen Anlauf: Der neue Hoffnungsträger heisst DS9.

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Im letzten Oktober, mitten in der Pandemie, nahmen wir an der statischen Präsentation der grossen Limousine DS9 teil. www.zuendung.ch/fahrbericht/ds9-spirit-of-avant-garde/  Nun konnten die Schweizer Motorjournalisten den DS9, der demnächst auch im Fuhrpark des französischen Staatspräsidenten enthalten ist, erstmals fahren.

Nach den drei aktuellen Baureihen DS3, DS4 und DS7 fehlte nun noch ein Fahrzeug in der Oberklasse. Diese sollte durch eine grosse, international ausgerichtete Limousine der neusten Generation repräsentiert sein, eben dem DS9.

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Noch immer nehmen die Superlative kein Ende bei der Vorstellung: Stilvoll, Expertise, Design, Raffinesse, Spitzentechnik mit internationalen Ambitionen, Exzellenz, modernste Technologie, innovativ …

Herausgekommen ist ein grosses Auto (Länge 4,93m, Breite 1.85m), mit grossen Rädern (69cm Durchmesser) und grossem Radstand. Das Design ist harmonisch und darf wohl auch objektiv als gelungen bezeichnet werden (siehe auch unseren Bericht vom Oktober 2020). Es gibt Stilelemente, die an andere DS-Modelle erinnern, selbst an die ersten DS von 1955 erinnert ein Detail: Positionslichter in Trichterform  an der hinteren Dachkante.

Die fliessende Linienführung zieht sich harmonisch vom Kühlergrill über die Motorhaube, die Frontscheibe und das Dach bis ins Heck. Die glatten Flanken erstrecken sich von den vorderen Scheinwerfern bis zu den Rückleuchten. Die bündig mit der Karosserie abschliessenden Türgriffe in Karosseriefarbe harmonieren perfekt mit dem schwarzen Dach. Am Heck bildet jedes Element eine schlüssige Einheit. Die ziselierten Rückleuchten mit Schuppenmuster sind perfekt in die Karosserie integriert. Sie sind aber fast etwas «too much».

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Im Interieur haben sich die Designer ebenfalls sehr viel Mühe gegeben, «die französische Art des luxuriösen Reisens» mit Liebe zum Detail einzubauen. Der Fokus liegt auf edlen und eleganten Materialien. Das Armaturenbrett ist z.B. mit Nappa-Leder überzogen. Dekorelemente in Kristallglas, Dachhimmel und Sonnenblenden in Alcantara, Haltegriffe aus Leder, setzen das hochwertige Interieur perfekt in Szene. Dank 2.90m Radstand gibt’s viel Platz im DS9, auch auf den Rücksitzen. Die Sitze sind klimatisiert und verfügen über eine Massage-Funktion. Jeder Passagier kann seinen individuellen, optimalen Sitzkomfort einstellen. Es gibt vieles zu entdecken! Der B.R.M.-Chronograph auf dem Armaturenbrett ist hingegen Geschmackssache. Auch die Platzierung diverser Schalter mag schön sein und allen gefallen, die auf Bling-Bling stehen, wie praktisch sie auch sind, weist sich dann im alltäglichen Gebrauch – und beim Staub saugen.

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Selbstverständlich ist im DS9 ein hochwertiges Audiosystem eingebaut. «Focal Electra» und 14 Lautsprecher versprechen detailgetreue, räumliche Wiedergabe und eine hochwertige Klangwelt.

Dass im DS9 die aktuellsten elektronischen Assistenten eingebaut sind, versteht sich von selbst. DS Safety, ParkPilot, Night Vision, Active LED Vision, Smart Access, sind einige Stichworte dazu. Die «DS Active Scan Suspension» verdient vielleicht eine spezielle Erwähnung: Die aktive Federung ist in der Lage, durch kontinuierliche Dämpfersteuerung Strassenunebenheiten zu erkennen und ihnen vorzugreifen. Mit Neigungssensoren und Beschleunigungsmessern analysiert eine Kamera die Strassenbeschaffenheit. Die Daten gehen in Echtzeit an einen Rechner, der jedes Rad einzeln ansteuert. Und so gibt’s auch noch weitere Spitzentechnologien.

Genug von Raffinesse und Eleganz. Wie sieht’s unten rum aus? Der DS9 steht auf 19“- oder wahlweise 20“-Felgen. Selbstverständlich entspricht auch das Fahrwerk dem aktuellen Stand der Technik.

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Ein Petrolhead würde jetzt einen seidenfein laufenden 6-Zylinder erwarten – und akzeptieren. Aber die Zeiten sind leider vorbei. Von den Ausstattungsvarianten mal abgesehen, sind drei Antriebsversionen erhältlich. In allen dreien ist ein 1598 ccm-4-Zylindermotor eingebaut. Im Ernst, das ist heute so.

Im reinen Benziner, Pure Tech 225 genannt, leistet der 1600er 225 PS (165 kW) und verfügt über 300 Nm Drehmoment (bei 1900 U/min). Damit erreicht der 1‘540 Kg wiegende Benziner in 8.1 sec. Tempo 100 und rennt weiter bis 236 Km/h. Inklusive 8-Gang-Automatik sind dafür CHF 62‘200 auszulegen (oder 66‘900 in der Rivoli+- Ausstattung).

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Dann gibt’s 2 Plug-in – Hybride, E-Tense genannt (Wieso können die nicht PHEV sagen, wie alle andern auch?). Für CHF 65‘900 (Rivoli 69‘400) gibt’s den E-Tense 225. Er hat ebenfalls den 1600er Benziner an Bord, der hier aber nur 180 PS leistet. Dazu kommt ein Elektromotor mit 110 PS, was eine Systemleistung von 225 PS und ein Systemdrehmoment von 360 Nm ergibt. Das Leergewicht ohne Fahrer beträgt 1‘839 Kg, also rund 300 Kg mehr, weshalb der Sprint auf 100 sogar 8.3 Sekunden dauert. Die Batterie hat ein Volumen von 11.9 kWh. Das soll für 40 – 50 Km reichen (WLTP). Als Verbrauch werden 15.7 kWh/100 Km angegeben. Laden kann man nur mit Wechselstrom; das dauert an der 7.4 kW-Wallbox daheim 1.5 Stunden.

Das Topmodell E-Tense 4×4 360 verfügt ebenfalls über den bekannten 1600er Benziner. Dazu kommen vorne und hinten je ein Elektromotor mit 110 und 113 PS, was eine Systemleistung von 360 PS ergibt (Drehmoment 520 Nm). Leergewicht 1’909 Kg. Die Fahrleistungen sind hier noch nicht bekannt. Die im Prinzip identische Technik ist hingegen bereits bekannt, z.B. aus dem Peugeot 508 Sport Engineered.

Ab CHF 77‘400 kostet die 360 PS-Version, als Rivoli+ sind es CHF 80‘900. Aber: Er soll erst im April 2022 verfügbar sein L.

In den Preisen aller Versionen ist für 5 Jahre oder 100‘000 Km die Wartung inbegriffen.

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All die feinen vorerwähnten Ausstattungen, ob sie Richtung Komfort und Luxus oder auch Spitzentechnik gehen, sind nur zum Teil serienmässig dabei. Das hat DS Automobiles von den bisherigen Premium-Anbietern schnell gelernt: Kostet alles extra! Vielleicht nicht ganz so unverschämt viel wie bei andern und vor allem bleibt auch dann der Endpreis noch 5-stellig, wo andere schon knapp 6-stellig sind beim Grundpreis.

Gefahren sind wir den E-Tense 225, also den Plug-In-Hybriden. Kurz: Man sitzt tatsächlich sehr komfortabel, die Sicht ist sehr gut, die Bedienung bietet keine grossen Rätsel, der Antrieb ist sehr diskret, es war, ausser bei voller Beschleunigung, kaum auszumachen, ob der Benziner überhaupt läuft oder ob wir rein elektrisch unterwegs waren. Abfahren tut man immer im Elektromodus. Der Hybridmodus wählt dann selbständig die sinnvollste Antriebsart. Der DS9 ist kein Rennwagen, aber untermotorisiert sind wir uns nicht vorgekommen. Auch schlechte Bergsträsschen meisterten Fahrwerk und Antrieb souverän.

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Die Zuladung ist mit knapp 500 Kg normal, der Kofferraum ist gemäss Prospekt knapp 500 Lt. gross, ist sehr tief (über 1 Meter), die Ladeluke ist aber relativ klein, was bei grösseren Koffern und dergleichen Probleme geben könnte. Wir haben’s aber nicht getestet.

Es gibt nur gerade eine Farbe, die keinen Aufpreis kostet (Kristallgrau). Alle andern vier Farben kosten 1‘000 bis 1‘200 Franken Aufpreis. Der am Testtag anwesende 360 PS-DS9 war aber in einem wunderschönen Dunkelviolett lackiert, das nicht auf der (Schweizer) Preisliste figuriert.

Zwar sind fast 5 Meter lange Limousinen nicht gerade im Trend der Zeit, aber Liebhaber für solche Autos gibt es und wenn die sich überwinden können statt eines deutschen Premium-Mobils einen DS9 anzuschaffen, dann wird man wohl doch den einen oder andern DS9 auf Schweizer Strassen sehen können. Es wäre uns und dem feinen Auto zu gönnen.

Heiny Volkart, VOLKARTpress / Zündung.ch

26. Mai 2021

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