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Published on Januar 3rd, 2018 | by Amadé Fries

Der 124 Spider ist zurück

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig erschrocken. Nicht ob der kompakten Erscheinung des roten Italieners oder des kaum vorhandenen Platzes für Gepäck. Nein, der Blick auf den Mitteltunnel hat mich erschreckt. Automatik? In einem kleinen Roadster? Wirklich? Ob die Testzeit so zur erwarteten Freudezeit werden kann? Wir werden sehen.

Dass der 124 Spider optisch seinen Ahnen imitiert, unter dem Blech aber sehr Vieles mit dem Mazda MX5 gemeinsam hat, ist inzwischen bekannt. Doch wie fährt das neue Fiat-Cabrio, das zum ersten Mal seit der doch recht klapprigen Barchetta wieder Frischluftspass im Kleinformat bieten soll?

Fiat 124 Spider

Was man sofort feststellt: Trotz des nicht axial verstellbaren Lenkrades, findet sich eine optimale Sitzposition. Eine Eigenschaft, die unitalienischer nicht sein könnte. Aber eine, die ich sehr schätze. Man sitzt tief, wie es sich für einen sportlichen Roadster gehört. Trotzdem ist die Sicht nach vorne bestens und auch nach hinten bleibt der 124 übersichtlich. Für alle Fälle ist eine Rückfahrkamera eingebaut, die durch ihre etwas seltsame Weitwinkelsicht aber eher verwirrt als zu helfen.

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Dann wollen wir mal. Der 1,4-Liter MultiAir ist kein Dampfhammer. 140 PS sind selbst für ein relatives Leichtgewicht (1100 kg) nicht wahnsinnig viel. Doch der Turboschub bringt das nötige Drehmoment, um sich in den meisten Situationen bestens motorisiert zu fühlen. Schliesslich lebt diese Fahrzeuggattung auch nicht davon, auf jeder Gerade zum Überholen anzusetzen, sondern von den Kurven dazwischen. Und da fühlt sich der 124 Spider so richtig zuhause. Herrlich, wie präzise er sich dirigieren lässt. Klar, von einem MX5 hätte ich nichts anderes erwartet, aber hey, das hier ist immer noch die Fiat-Variante. Aber offenbar haben die italienischen Techniker nichts angetastet, was nicht verbessert werden musste.

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So kann es wenig überraschen, dass das funktionale Interieur weitgehend vom Japaner übernommen wurde. Mit funktional sind primär die Funktionen gemeint, die man zum Fahren braucht. Wenn man steht, würde man sich vielleicht mehr Ablageflächen wünschen. Oder Türfächer. Oder ein Handschuhfach. Oder wenigstens ein kleines Fach, das ein Sonnenbrillenetui aufnehmen würde. Doch diese Wünsche bleiben Wünsche. Es gibt tatsächlich ein kleines Fach hinter den Sitzen, an das man aber nur mit Verrenkungen kommt und ein noch viel kleineres auf dem Mitteltunnel, das selbst Handschuhe nur in gefalteter Form aufnehmen würde. Egal: Der neue Fiat 124 Spider ist zum Fahren gemacht. Genau genommen zum Offenfahren.

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Und das ist eine weitere Eigenheit, die man der japanischen Legende seit jeher nachsagt: Kein anderes Cabrio ist so schnell offen. Das Verdeck wird mittels eines Griffs geöffnet und dann von Hand nach hinten gelegt, wo es einen kurzen Klaps benötigt, um einzurasten. Könner erledigen das bestimmt in unter 5 Sekunden. Ampelphasen dauern viel länger.

Und es dauerte auch lange, bis ich mich nun doch noch zum Getriebe äussern muss. Wie gerne hätte ich geschrieben, die Automatik sei die richtige Entscheidung. Natürlich war ich im Stau froh, den linken Fuss völlig entspannt in den Fussraum baumeln zu lassen. Abgesehen davon sehe ich leider keinen Vorteil, die Gänge nicht manuell zu sortieren. Immer wieder hält die Wandlerautomatik Gänge zu lang und nervt dann mit dröhnendem Motorklang. Oder sie schaltet trotz manuellem Eingriff am Hebel nicht sofort rauf oder runter und sorgt so für Verwirrung. Verbrauchsmässig scheint sie auch nicht wirklich Positives zu bewirken, wobei mir hier noch der direkte Vergleich zum Handschalter fehlt. Am Ende bleibt aber die klare Empfehlung: Wer zwei Füsse hat, sollte unbedingt zum manuellen Getriebe greifen. Oder dann gleich zu einem drögen Mercedes SLK.

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Aber wenden wir uns wieder fröhlicheren Themen zu. Zum Beispiel jenem Moment, als ich in Würenlos an der Shell-Tankstelle den Pneudruck überprüfen musste. Denn gerade als ich wieder zurück ins Auto stieg, sah ich wie zwei Mitarbeiter den 124 verliebt ansahen. Der eine eilte zu mir herüber und meinte, dass der in Rot ja viel schöner aussehe als in Weiss. Stimmt. Die beiden hatten übrigens einen ebenfalls roten Ferrari 488 links liegen lassen, um einen Blick auf die neue Perle aus dem Hause Fiat zu werfen. Die Designer haben also alles richtig gemacht. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie eigenständig und wiedererkennbar der Spider wirkt. Allerdings sollte man ihm eine echte Farbe, am besten eben Rot gönnen.

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Man kann den Fiat 124 Spider also seiner Form wegens kaufen. Das ist absolut verständlich. Seien wir ehrlich, wie viele wirklich hübsche Autos gibt es heute noch? Praktisch mögen sie sein, ja oder vielleicht speziell, aber so richtig hübsch oder gar schön sind die wenigsten. Doch das beste Argument für den Fiat aus Japan ist das Fahrgefühl, das er auf Landstrassen in rauen Mengen über seine Passagiere schüttet. Die wunderbare Balance, der Wind in den Haaren, die perfekte Sitzposition, die messerscharfe Lenkung und ein angenehmes Mass an Komfort machen einfach glücklich. Selbst die 140 Turbo-PS reichen locker aus, auch wenn sie am Stammtisch nicht zu grossen Augen oder gar offenen Mäulern führen. Der Spider ist eben kein Angeberauto, sondern ein Fahrerauto. Und ein Fahrerauto sollte man mit manuellem Getriebe ordern.


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