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Published on Juli 23rd, 2020 | by Heiny Volkart

Der elektrische Corsa.

Opel Corsa-e

Der elektrische Corsa.

Wir waren erfreut und auch voller Vorfreude, als wir im Juni vor einem Jahr in Rüsselsheim / Frankfurt dabei waren, als der neue vollelektrische Corsa-e der Weltpresse vorgestellt wurde. Bestellungen konnte man damals schon platzieren, geliefert würde im ersten Quartal 2020. Siehe http://zuendung.ch/fahrbericht/zeichen-der-zeit/. Jetzt ist er da.

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Vorher kamen aber noch die Verbrenner-Corsa, über die Zündung.ch auch berichtete: http://zuendung.ch/fahrbericht/the-sixth-generation-2/. Man sieht die neuen Corsa schon da und dort im Strassenverkehr und sie gefallen. Dass nun noch die elektrische Variante des Corsa, der Corsa-e, dazugekommen ist, fällt im Verkehr kaum auf, denn äusserlich unterscheiden sich die verschiedenen Antriebsvarianten kaum. Nur durch die an PacMan erinnernden kleinen e auf den B-Säulen und auf der Heckklappe erkennt man den Elektriker.

Etwa 20 cm kürzer als ein VW Golf und in etwa gleich breit und hoch, schaut der Corsa-e doch recht erwachsen aus (L 4.06, B 1.77 / 1.96, H 1.44). Zu den Verbrennern wollen wir uns hier jetzt nicht mehr äussern, nur so viel: Den günstigsten Corsa (75 PS) kann man schon für 17‘100 Franken kaufen, die Topmodelle für 27‘600.

Beim Corsa-e, den es in zwei Ausstattungsvarianten gibt, fangen die Preise bei 35‘540 Franken an, unser Testwagen bei 37‘540 Franken. Die 10‘000 Franken Preisdifferenz mögen hoch erscheinen, doch möge man bedenken:

- Der vollelektrische Corsa-e ist JETZT im Handel und ist längst nicht mehr im Ankündigungsstatus wie E-Autos anderer Marken.

- Der Corsa kostet selbst mit aller Zusatzausrüstung, die in unserem Testwagen verbaut ist, 43‘180 Franken und damit noch einmal 10‘000 Franken weniger als die schon viel länger angekündigte, aber eben immer noch nur angekündigte deutsche Konkurrenz mit dem komischen Namen.

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Der Kofferraum ist nicht üppig (267 lt.). Die Rücksitze können aber niedergelegt werden, dann hat man 1’042 lt.

Fahrbericht

Beginnen wir gleich mit etwas weniger Begeisterndem: Die Türen können nicht durch Berühren oder Erfassen der Türgriffe aufgeschlossen werden; man muss bei jedem Öffnen und Verschliessen der Türen das recht grosse (7 x 4 cm) und schwere Kästchen aus den Tiefen der Taschen hervorkramen. Mühsam.

Die Sitze erweisen sich als recht bequem und können – wenn auch von Hand – vielfach verstellt werden. Auf die Bremse und den Startknopf drücken, die Lichter gehen an und das Kraftwerk erwacht. Das Display zeigt jetzt auch die Reichweite an: Wenn vorher «anständig» gefahren worden war, steht da 330 Km. (WLTP 337 Km). Wir haben aber, «dank» Stossverkehr, sehr heissem Wetter etc. auch mal nur 260 oder 280 Km gelesen, was dann – das können wir jetzt schon verraten – letztlich aber keinen Einfluss auf die effektive Reichweite hatte. Denn diese angezeigte Reichweite kann durchaus sehr schnell abnehmen, aber auch plötzlich wieder zunehmen.

2019 Opel Corsa-e

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Der Motorraum ist gut ausgefüllt und sieht auf den ersten Blick nicht viel anders aus als bei “normalen” Autos.

Serienmässig ist der Corsa-e mit 195er 16-Zöllern ausgestattet. Unser Testwagen verfügte über die 400 Franken Aufpreis kostenden 205er 17-Zöller. Ob diese das harte und etwas stuckerige Abrollverhalten verursachen, oder ob der Corsa-e grundsätzlich recht hart ist, wissen wir nicht. Aber man weiss nun um jedes einzelne Schachtdeckelchen auf der doch üblicherweise unauffälligen Fahrbahn. Man gewöhnt sich daran. Wenn dann allerdings wirklich holperige Strassenverhältnisse herrschen (Jura-Bergsträsschen) und dort auch mal etwas sportlicher um die Ecken gewetzt wird – die 260 Nm und 136 PS wollen doch auch mal geprüft werden (0 bis 50 in 2.8 sec, 0 bis 100 in 8.1 sec) – dann ist man froh um das satte Auf-der-Strasse-Liegen. Der Corsa-e wiegt zwar leer mit Fahrer 1‘559 Kg, doch lässt er das träge Nach-aussen-Drängen vieler Elektrofahrzeuge glücklicherweise vermissen. Dass diese Plattform (Peugeot und Opel) eben auch für E-Autos entwickelt wurde, spürt man positiv.

2019 Opel Corsa-e

Durch nach hinten Ziehen des Schalthebels kann von D (Drive) in B (Bremsen) geschaltet werden. Immer wenn man «vom Gas» geht oder auch beim Bergabfahren, rekuperiert der Corsa-e dann, lädt also die Batterie. Wenn man vor Ampeln oder Staus vorausschauend fährt, kommt man fast ohne Fussbremse aus.

Der Test-Corsa-e ist tatsächlich mit vielen Assistenten ausgestattet (umso mehr verwundert, dass man ihn mit dem Schlüssel auf- und zuschliessen muss). Abstandsradar, Spurhalter, Frontkollisionswarner mit Gefahrenbremsung für Fussgänger und Radfahrer, Park and Go, IntelliLux LED Matrixlicht (in einem Kleinwagen!!), Navi, Sitzheizung, Lenkradheizung, Wärmeschutzverglasung, und noch vieles mehr sind dabei oder erhältlich.

Dabei ist auch ein Ladekabel für die Haushaltsteckdose. Damit dauert das Laden der leeren 50 kWh-Batterie allerdings, je nach Absicherung, zwischen 27 und 38 Stunden. Wer schneller laden will, muss ein Ladekabel dazukaufen für 250 Franken. Ein Satz Kabel mit Adaptern (max. 22 kW) kostet dann schon 1‘050 Franken zusätzlich.

Wir hatten ein «richtiges» Ladekabel zur Verfügung. Die Ladung mit 3.4 kW dauerte dann auch recht lange, wir konnten aber an der Wallbox den effektiven Verbrauch ablesen. Wir kommen darauf zurück.

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Der Corsa-e ist bei 150 Km/h abgeriegelt. Das ist vernünftig, denn hohe Geschwindigkeiten lassen den Stromverbrauch massiv ansteigen. Wir sind denn auf der Autobahn kaum je auch nur 120 gefahren. Alle Fahrer*innen, die den Corsa-e bewegten, bemängelten die Lage des Blinkerhebels (zu hoch und etwas weit vom Lenkrad). Bei mehreren Personen im Auto (hinten ist der Beinraum nicht gerade üppig) würde man eine heute übliche Mehrzonen-Klimaanlage begrüssen. Der Corsa-e hat 1 Zone, nämlich einfach den ganzen Innenraum. Das heisst, der/die eine hat zu warm, der/die Andere zu kühl.

Sonst haben wir nichts zusätzlich zu bemängeln.

Verbrauch

Der WLTP-Energieverbrauch wird mit 15.93 bis 17.58 kWh angegeben, also 16 bis 17.6 kWh, was nach WLTP für 337 Km reichen sollte – es aber nicht tut.

Bei der ersten Fahrt erschraken wir, weil die angezeigte Reichweite sehr rasch sank, trotz anständiger Fahrweise. Ja, wir verloren doppelt so viel Reichweite wie effektiv Km gefahren wurden. Später merkten wir dann, dass auf diese angezeigte Reichweite kein Verlass ist; sie reagiert sehr rasch auf sich verändernde Fahrbedingungen. Wenn die Reichweite also rasch sinkt, heisst das auch, den Gasfuss etwas leichter zu halten. Und siehe da, die Reichweite steigt wieder, obwohl man immer noch fährt.

Das Fahren im B-Modus, dass das Auto also rekuperiert beim vom Gas gehen oder Bergabfahren, lohnt sich. Sehr rasch gewinnt man wieder Reichweiten-Kilometer dazu. Man muss dafür in Kauf nehmen, dass beim Beschleunigen dem Fuss etwas Widerstand entgegengebracht wird.

Was haben wir denn nun effektiv verbraucht? Der Bordcomputer zeigte anfangs 17.6 kWh per 100 Km, effektiv waren es dann 19.2 kWh (keine Ahnung warum so viel). Die Anzeige des Bordcompis sank im Laufe der Testzeit kontinuierlich und erreichte, trotz längeren Autobahnfahrten, 14.7 kWh. Die Wallbox zeigte dann einen effektiven Verbrauch von 16.5 kWh an.

Der Durchschnitt aller Stromtankungen ergab einen Effektivwert von 17.03 kWh. Das ist innerhalb der offiziellen WLTP-Angabe und ist auch aus einem weiteren Grund als positiv zu bezeichnen: Sehr warmes Wetter, viele Autobahnfahrten, oft mit 2 bis 4 Personen an Bord. Die gut 17 kWh können also mit Sicherheit leicht unterboten werden. Diese 17 kWh/100 Km würden übrigens für weniger als 300 Km reichen (~280 Km). Immerhin mehr als die 160 bis 252 Km, die die französische Zeitschrift L’Automobile gemessen hat (21.07.2020).

Zum Schluss noch ein paar statistische Zahlen:

Der Kofferraum misst 267 bis 1‘042 Liter. Mit nicht umgelegten Rücksitzen ist der Platz also nicht üppig, aber wer einen Transporter sucht, wird bei Opel auch elektrisch fündig.

Die Werksgarantie beträgt auch für den Corsa-e lediglich zwei Jahre. Die Batterie geniesst jedoch acht Jahre (oder 160‘000 Km) Garantie.

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Zusammenfassung

Der neue Corsa-e sieht gut aus, ist kompakt, bietet aber – mindestens vorn – viel Platz. Der Kofferraum ist durchschnittlich gross. Der Corsa-e rollt auf normalen Strassen hart ab, bietet aber auf schlechten Strassen und in engen Kurven gute Strassenhaltung und ein sicheres Fahrgefühl.

Gut ausgestattet oder ausstattbar zu nicht allzu hohen Preisen. Dass man das Auto immer mit dem Schlüsselkästchen auf- und zuschliessen muss, ist hingegen beim sonst sehr hohen Ausstattungsniveau nervig.

Mit einem Leergewicht inkl. Fahrer von 1‘559kg ist das Auto trotz schwerer 50 kWh-Batterie nicht schwerer als in die Jahre gekommene Verbrenner. Der Testverbrauch von 17 kWh kann sicher unterboten werden.

Heiny Volkart, VOLKARTpress

22. Juli 2020

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