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ford ranger raptor feature

Published on Mai 20th, 2020 | by Amadé Fries

Der grosse Bluff

Ich gebe zu, ich war ein Fan. Als ich den Ford F-150 Lightning zum ersten Mal auf Bildern sah, schlug mein Herz schneller. Seit jenem Tag achte ich auf die früher als reine Nutztiere betrachteten PickUps. Ford hat dann irgendwann in Form des F-150 Raptor nachgelegt. Auch er war eine imposante Erscheinung, deren Anblick direkte Rückschlüsse auf die Kraft des V8 zuliess. Nun ist die F-Reihe in Europa nicht erhältlich. Wer einen schnellen Ford-PickUp fahren will, muss ihn selbst aus Übersee holen. Oder musste. Den nun gibt es auch den etwas kleineren Ranger in einer Raptor-Version.

ford ranger raptor in the city

Klingt nach Dinosaurier, klingt nach schnell und klingt nach laut. Und: Schaut tatsächlich auch so aus. Wer aufs Datenblatt blickt wird mit Schrecken lesen: 2.0. Diesel. 213 PS. Immerhin stehen da auch 500 Newtonmeter und 10-Gang-Automatik. Aber der Schreck sitzt tief.

ford ranger raptor interior

Als ich mich so langsam erholt habe, steige ich dann doch noch hinauf in den Raptor. Gross und hoch ist er ja, seine Erscheinung fast so imposant wie jene des grossen Vorbilds. Ford Performance steht auf den Einstiegsleisten. Damit ist bei mir nach dem Studium des Datenblatts nun noch maximal ein müdes Lächeln zu holen. Da hilft auch der coole rote Strich als Geradeaus-Markierung am Lenkrad nicht. Der Ranger Raptor muss im Test beweisen, ob er mehr als ein grossspuriger Pantoffelheld sein kann.

ford ranger raptor opera

Der erste Test kann gleich starten: Wie macht sich dieses Ungetüm in Zürichs Innenstadt? Dazu zuerst die Kennzahlen: Länge 5,36m, Breite 2,03m, Höhe 1,87m. Somit kommt der Spurhaltung im städtischen Umfeld noch mehr Aufmerksamkeit zuteil. Die Höhe schränkt einen in einigen Parkhäusern ein. Raptor-Fahrern sei das Opera empfohlen. In Parklücken fügt sich der schwarze Riese nur mit Mühe. An der Höschgasse finde ich ein Feld, das passend scheint und sich als ideale Möglichkeit für eine Gegenüberstellung mit dem „normalen“ Verkehr eignet.

ford ranger raptor rear

Die Grösse ist imposant und das Design lässt ihn sogar noch wuchtiger erscheinen. Der mattschwarze Grill mit riesigem Ford-Schriftzug, der grimmige Blick, der wichtig aussehende Unterfahrschutz und die schulterhohe Haube komplettieren einen Look, der von sensiblen Naturen als martialisch wahrgenommen werden könnte. Wenn die wüssten, was ich weiss, wüssten sie, dass hier einer wirklich nur spielen will. Mit „spielen“ ist allerdings nicht manövrieren gemeint. Das Fehlen der vorderen Parkpiepser hilft dabei auch nicht gerade. Unter lauten Quetschgeräuschen schäle ich den Raptor aus den Quartierstrassen des Zürcher Seefelds.

Es geht auf die Autobahn, wo nun der zweite Test wartet: Wie geht der Raptor vorwärts? Kurze und etwas schmerzhafte Antwort: Bescheiden. Es gibt keinen fühlbaren Kickdownpunkt und auch keinen Tritt in die Wirbelsäule. Die 500 Newtonmeter verlieren sich gefühlt irgendwo in den 10 Gängen des hektisch nach Power suchenden Automatikgetriebes. Ok, 10,6 Sekunden auf 100 sind für einen 2,5-Tonnen PickUp nicht schlecht. Trotzdem ist jeder noch so sparsam motorisierte Vertreterkombi schneller.

ford ranger raptor vs f150

Und was ist mit Kurven? Yep, der dritte Test soll tatsächlich klären, wie die Fuhre um die Ecken geht. Hier kommt die erste positive Überraschung: Erstaunlich gut. Wenn man es mit der Einfahrgeschwindigkeit übertreibt, rutscht man über alle vier Räder Richtung Kurvenaussenrand. Wer es aber gefühlvoll angeht und die Reifen nicht überstrapaziert, kommt in den Genuss eines durchaus kurvenwilligen Fahrwerks. Die Komponenten der Spezialisten von Fox Racing zeigen ihre Wirkung. Mit etwas Gewöhnung könnte das richtig Spass machen.

ford ranger raptor front 34

Wenn wir schon beim Fahrwerk sind: Wie geht der Raptor im Gelände? Der vierte Testpunkt soll das zeigen. Eine dicht mit Gras bewachsene Böschung soll gemeistert werden. Normalerweise fährt er als heckgetrieben, jetzt wird der Allrad aktiviert. Zusätzlich lege ich die Untersetzung ein. Und siehe da: Absolut mühelos kriecht er hinauf. Hier kann er brillieren. Man spürt förmlich, wie er den Baja-Trucks nicht unähnlich über Hügel springen möchte. Nur bleibt die Frage, wo man das in der Schweiz im Alltag gebrauchen kann…

Gegen Ende des Tests konnte der Ford Ranger Raptor einen Teil der gleich zu Beginn verspielten Punkte zurückgewinnen. Im Gelände kann er was, Kurven machen Spass und natürlich ist auch seine gedeckte Ladefläche immer mal wieder praktisch. Die hinteren Sitze sind konzeptbedingt mit steiler Rücklehne ausgestattet, was sie nicht sonderlich bequem macht. Mit 9,6 Liter Diesel zeigte er sich von der eher sparsameren Seite. Wer ihn sich in die (sicher übergrosse) Garage stellen möchte, darf nicht übermässig sparsam sein: Ab 58’650 Franken ist er erhältlich. Er wird seine Fans finden, auch wenn ich keiner mehr werde.


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