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Published on April 26th, 2019 | by Heiny Volkart

Der Löwe ist wieder hellwach

Peugeot 508 GT 1.6 / 225

Der Löwe ist wieder hellwach

Mit der Zweitauflage des 508 scheint Peugeot ein grosser Wurf gelungen zu sein. Die anerkennenden Blicke und Kommentare, die unser Testwagen erhielt, sprechen dafür.

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Der grösste private Peugeot-Kunde der Schweiz hat während 35 Jahren tausende Peugeots eingekauft und auch eine ganze Anzahl selber besessen: Vom 504 TI Spécial Suisse (das waren die schönen hellgrünen), zum ersten 205 GTi, über das rote 504 Cabriolet (das fast letzte), den 604, den 505, das 406 Coupé mit dem 3-Liter-6-Zylinder bis zum 407 mit dem 2.7 lt.-Diesel. Da ist man schon interessiert daran, was Peugeot so macht und was Peugeot Neues auf den Markt bringt.

Nach dem 407 kam dann zwar ein 408. Aber den gab’s nicht in Europa, nur in China. Die Pummelchen 3008 und der biedere 5008 waren nicht jedermanns Sache. Den 505 gab’s nur bis etwas 1992. Als Nachfolger kam direkt der 508 auf den Markt, 2011. Der war zwar ein würdiger Nachfolger und füllte die Lücke zwischen 407 und 505. Aber irgendwie hatte man immer das Gefühl, für Peugeot sei Europa – wozu ja auch die Schweiz gehört – nur noch zweite Wahl und alles Interesse liege auf China, wo man aber einen doch recht andern Autogeschmack hat.

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Einfache Assistenzsysteme, die bei andern Automarken längst Einzug gehalten hatten, gab es bei Peugeot lange nicht und auf die Frage nach dem Warum und Wann antwortete ein Peugeot-Generaldirektor einmal, wenn auch mit charmantem französischen Accent: «Unser Kunden wünschen das nicht». Der 508 I wurde aber in unzähligen Varianten angeboten, auch als Dieselhybrid, der grosse Renner wurde er aber nicht. Denn seit Peugeot nicht mehr mit Pininfarina arbeitete, war auch das Design der Peugeot-Fahrzeuge irgendwie beliebig geworden. Kein Wunder also, dass sich viele Kunden von Peugeot abwendeten und ihren neuen Wagen bei einem Mitbewerber kauften.

Und dann kam der 508 II, die zweite Version. Ein Paukenschlag! Kombi (SW) und Plug-In-Hybrid wurden am Pariser Salon 2018 vorgestellt, seit Januar 2019 ist die Limousine im Verkauf.

Wir fahren den Peugeot 508 GT 225 in Rouge Ultimate, einem auffälligen, aber doch seriös wirkenden Metallic-Rot. Es ist tatsächlich schon lange her (seit dem 406 Coupé), dass uns Leute ihren eigenen Autoschlüssel hinstrecken und fragen «Wollen wir tauschen?». Man erhält Komplimente noch und noch. Der neue 508 sieht tatsächlich hinreissend aus, nicht nur wegen der Farbe.

Mit 4.75m Länge ist er ein ausgewachsenes Auto, die nur 1.40m Höhe und die Dachlinie verhelfen dem 508 trotz vier Türen zu einem coupéhaften Aussehen. Dank 1.86m Breite, 2.08m über die Spiegel, sieht der 508 stämmig und bullig aus. Der Kofferraum öffnet sich elektrisch und automatisch nach einem kurzen Fusskick unter das Heck. Er ist nicht gerade sehr hoch, dafür relativ tief und fasst darum doch 487 Liter. Maximal sind 1‘537 Liter möglich. Das ist schon fast Kombimass. Aber Achtung: Die Zuladung beträgt nur gerade 438 Kg. – Der Kofferdeckel senkt sich natürlich ebenfalls elektrisch, auf Knopfdruck.

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Zum Öffnen aller vier Türen braucht man den Schlüssel nicht. Wer den Schlüssel in der Tasche trägt, greift einfach an den Türgriff und die Türe entriegelt sich. Praktisch. Das Interieur, wow! Die AGR-Sitze (AGR = Aktion Gesunder Rücken) sind komfortabel und bieten guten Halt. Sie sind elektrisch verstellbar in vielen Richtungen und sehen mit den farbigen Steppnähten edel und sportlich aus. Das Lenkrad sieht aus wie aus einem Raumschiff; oben und unten abgeflacht, mit vielen Knöpfen und Rädchen, mit viel Gold, Alu, Leder, Einlagen. Das tönt jetzt recht übertrieben und überladen, aber das verstellbare und relativ kleine Lenkrad liegt ausserordentlich gut in der Hand und macht das Handling zum Vergnügen.

Die Türen schliessen mit sattem Klang. Der 1600er Reihen-Vierer, der natürlich Euro 6d-Temp erfüllt, startet auf Knopfdruck. Dank 300 Nm Drehmoment bei 1‘900 U/min spurtet der leer 1‘563 Kg wiegende 508 erfreulich. Gemäss Prospekt werden die 100 Km/h in 7.3 Sekunden erreicht. Leider schaltet die serienmässige 8-Gang-Automatik erst spät hoch, was zu unerwünschter Lärmentwicklung führt. Da sind – für einmal – die fix montierten Schaltpaddel am Lenkrad nützlich; man kann auf Fingerdruck hochschalten und vermeidet so böse Blicke von Fussgängern (Muss der so viel Gas geben mit seinem roten Rennwagen?).

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Der 508 fährt, wenn einmal in Fahrt, ruhig und sicher, ist aber um die Hochachse etwas nervös, was aktive Fahrer doch sehr schätzen. Peugeot hat schon immer gute Fahrgestelle gebaut. Ohne in die Details zu gehen, auch im Fall des 508 II hat sich das bestätigt. Mit dem gut in der Hand liegenden Lenkrad und den guten Sitzen, resp. der Rückmeldung im «verlängerten Rücken», auch Popometer genannt, ist das Fahrverhalten gut einzuschätzen und beherrschbar. Das Fahren mit dem doch 4.75m langen 508 auf unserer Jurahöhen-Teststrecke machte Spass.

Was uns gefehlt hat, am kalten Vorfrühlingsmorgen, ist die Lenkradheizung und auch gefehlt hat ein Tages-Km-Zähler. Wer weiss schon nach Tagen, wann er zuletzt getankt hat?

Apropos Tanken: Die Technischen Daten nennen einen kombinierten Verbrauch von 5.7 Litern. Wir haben auf 636 Km bei doch zu 95% sehr anständiger Fahrt 3 Liter mehr gebraucht (8.73 lt.). Die 19‘‘-Winterreifen haben vielleicht etwas dazu beigetragen, dann aber sicher auch das spät schaltende Getriebe.

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Peugeot 508 kann man ab 36‘900 Franken kaufen (130 PS-Diesel, manuelle Schaltung). Bei unserem Testwagen mit dem 225 PS-1600er beträgt der Grundpreis CHF 52‘500. Dann kommen noch jede Menge Optionen dazu, was alles noch drin und dran war, wissen wir leider nicht. Man muss dem 508 GT aber zugutehalten, dass er auch serienmässig bereits ausgezeichnet ausgestattet ist und dass mittlerweile alle gängigen Assistenzsysteme auch in einem Peugeot eingebaut oder mindestens erhältlich sind.

Eines, die Night Vision, möchten wir kurz erwähnen: Tiere (oder Menschen), die sich noch weit voraus und ausserhalb des Lichtkegels befinden, werden vom Autoradar bereits erfasst und ins Armaturenbrett projiziert (Aufpreis 1‘200 Franken).

Ausser unserer 225 PS-Version sind auch Diesel mit 130, 160 und 180 PS erhältlich, zudem ein 180 PS-Benziner. Ausser bei der Basismotorisierung (130 PS) ist das EAT8, wie der 8-Gang-Automat bei Peugeot heisst, immer in den Preisen inbegriffen.

Den 508 gibt es auch als Kombi, SW genannt. Aufpreise gegenüber der Limousine: 2‘000 Franken.

Und ab Herbst 2019 wird der 508 auch als Plug-in-Hybrid erhältlich sein mit 250 und 300 PS.

Peugeot gibt 3 Jahre Garantie auf Teile und Arbeit, allerdings nur bis 80‘000 Km.

Für Flottenbesitzer: Peugeot bietet unter dem Namen «508 SW Active Business» spezielle Flottenausführungen an, mit 130 und 160 PS-Dieseln und 180 PS-Benziner, zu Preisen von 44‘000 bis 46‘000 Franken. Das sind in der Regel nicht die schlechtesten Angebote.

Heiny Volkart, VOLKARTpress

April 2019

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