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Der Zuckerguss kommt oben drauf

Published on Januar 28th, 2010 | by zuendung

Der Zuckerguss kommt oben drauf

In voller Länge ausgesprochen bescheren die beiden Buchstaben Q und V den Alfisti Gänsehaut. Unter dem Blech wartet der nagelneue Turbobenziner nur darauf, seine Kraft übers ausgefeilte Elektronikfahrwerk in Fahrerfreuden umzusetzen. Äusserlich ist der stärkste MiTo zwar kaum von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden. Ausser dem Quadrifoglio Verde, dem vierblättrigen Kleeblatt eben, das Alfa in seiner 100-jährigen Geschichte ruhmreich beschrieben hat. Mit dem Glückssymbol am vorderen Kotflügel schossen einige Rennalfas als erste über die Ziellinie. In jüngerer Zeit zierte das grüne Blatt unscheinbar den Kofferraumdeckel der jeweils stärksten Ausgabe eines Modells. Beherzte Fahrer klassischer Alfas verschönern ihre Liebsten längst mit dem Kleeblatt aus dem Zubehörprogramm. Und so prangt das Kleeblatt ab Werk wieder auf weissem Dreieckgrund seitlich an den MiTo-Kotflügeln. Nicht einfach als Aufkleber, sondern als leckeres Accessoir – als ob es der Konditor aus Marzipan geschaffen hätte.


Muskulös: Mit 170 PS erreicht der MiTo die voraussichtliche Leistungs- und Fahrspassspitze.

Genauso wie die Mandelmasse ist das stolze Symbol jedoch nicht jedermanns Sache. Es wirke aufschneiderisch oder wie ein billiges Zubehör aus dem Baumarkt, finden einige Mitmenschen. Jedenfalls schürt die mit der ruhmreichen Bezeichnung geschmückte Topversion hohe Erwartungen. Vom bisherigen Platzhirsch trennen den QV lediglich 15 PS. Das begeistert den sportlich geneigten Fahrer zuerst wenig – und lässt die sportlich geneigte Fahrerin erst recht kalt, schliesslich zielt der MiTo als erster Alfa bewusst auch auf Damen. Bald nach dem ersten Schlüsseldreh beweist der kleinste Alfa, wie erwachsen und kräftig heute ein kleinvolumiger Vierzylinder zu Werke gehen kann. 170 PS aus 1,4 Litern Hubraum: Einst war diese Leistungsstufe Rennmotoren vorbehalten, die erst bei hohen Drehzahlen die volle Kraft entfalten konnten. Der MiTo-Motor befreit jedoch bereits knapp unter 2'000 Touren das volle Drehmoment. Das macht ihn äusserst gut fahrbar und angenehm elastisch. Nachteilig wirkt sich die volle Kraftladung bei schneenasser Strasse aus, dann drehen die Vorderräder bald durch. Faszinierend ist, wie das Motörchen gierig aus dem Drehzahlkeller loszieht und bis zum Begrenzer nicht müde wird.


Tortenverzierung: Marzipan oder Zuckerguss, wir finden die Quadrifoglio-Verzierung auf den Kotflügeln äusserst lecker.

Das gelungene Rezept aus kleinem Hubraum und hoher Leistung heisst „Downsizing“. Kleine, hochaufgeladene Motoren verbrauchen weniger Treibstoff und sind leichter als ihre grossvolumigen Pendants. Mit „MultiAir“ gelingt es den italienischen Motorenmannen erstmals in der Autogeschichte, die Einlassventile ohne Nockenwelle zu steuern. Ventilhub und Öffnungszeiten regelt der Motor elektrohydraulisch. Nichtwissende vermuten nach der ersten Fahrt eine grossvolumige Maschine unter der MiTo-Haube. 250 Nm Drehmoment drängen vehement vorwärts, als ob es das Turboloch nie gegeben hätte. Nur selten verrät der klein-Alfa seinen Vorderradantrieb, etwa beim pressanten Rausbeschleunigen aus engen Kurven. Im QV lässt sich rasant ums Eck jagen: Kurzer Radstand, die intelligente Radaufhängung und eine sehr direkt ausgelegte Lenkung versetzen einen in Fahrfreude. Schnelles Einlenken bereichert das MiTo-Fahrwerk mit frechem, aber kontrollierbaren Heckschwenks.


Hinterheber: Rasantes Einlenken ermuntert den QV zum amüsanten, jedoch kontrollierten Übersteuern.

Alfa hat den QV um ein magnetisch verstellbares Fahrwerk erweitert. Die schärfste Stufe „dynamic“ erweist sich jedoch als eine Spur zu hart: Beifahrer werden selbst auf gut ausgebauten Strassen zu Kopfnickern. In der Normalposition ist den Fahrwerksingenieuren ein amüsanter Kompromiss aus sportlicher Direktheit und rückenschonendem Fahrkomfort gelungen.
Lorbeeren verdienen auch die Soundingenieure. Unter Vollast röhrt der Turbobenziner fast so rau und verführerisch wie einst die Vergasermotoren aus den 1960er- und 70er-Jahren. Die Leistungswerte klingen ähnlich melodiös: Von 0-100 km/h verstreichen 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit gibt Alfa mit 219 km/h an. Dabei sollen laut Alfa nur 6 Liter Benzin pro 100 Kilometer fällig sein. Auf unserer Testfahrt meldet der Bordrechner einen Durchschnittsverbrauch von knapp 8 Litern – jedoch haben wir die Leistungsentfaltung häufig ausgekostet. CO2 stösst der kräftigste MiTo sozialverträgliche 139 Gramm pro 100 Kilometer aus, was ihn in die Energieeffizienzkategorie B befördert.


Kommando: Der neue Motor und das ausgeklügelte Fahrwerk verlängern die Fahrersinne.

Für die traditionell wichtigsten Alfa-Tugenden wie Motor, Fahrwerk und Blechkleid erhält der MiTo QV Bestnoten. Ob die eigenwillige Carrosserie nun gefällt oder nicht, die Verarbeitung und die Steifigkeit des Passagierraums überzeugen.
Die sportliche Note stört im Alltag nicht. Schaltfaule verharren selbst innerorts im sechsten Gang. Ist 50 aufgehoben, genügt es, etwas Gas zu geben. Der MiTo beschleunigt mühelos und rassig auf Überlandtempo. Was Dieselfahrer längst schätzen, hat der Benzinmotor nun auch gelernt: Viel Drehmoment untenrum lässt einen entspannt am Verkehr teilnehmen. Eine Schaltanzeige lehrt auch Fahrer der alten Schule, bald hochzuschalten und dank der Kraft aus dem Keller Benzin zu sparen. Kriegt der MultiAir-Motor jedoch die Sporen, dreht er spontan hoch und lässt den Diesel weit hinter sich. Ganz zur Freude des Fahrers – pardon – und zur Freude der Fahrerin.

Ein sportliches Dankeschön an die Schlossgarage in Winterthur für den Ausritt. Der QV steht dort zur Probefahrt bereit.


Girlpower: Der MiTo ist ein ernsthaftes Sportgerät. Trotzdem – oder gerade deswegen – kommt er bei Damen gut an.


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