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Endlich: Munter von morgens bis abends

Published on Mai 14th, 2009 | by zuendung

Endlich: Munter von morgens bis abends

Bei den Motoren ist es wie bei den Menschen: Bei den „Benzinern“ ist früh morgens nicht viel zu holen. Sie erschrecken erst mal ab ihrem Spiegelbild. Erst nach einer ausgiebigen Warmwasserdusche fängt der Lebenssaft an, etwas Druck im Körper bzw. in den Zylindern aufzubauen. Nur um einem das Gefühl zu verleihen, das Leben sei doch nicht ganz vergebens. Gegen Mittag dann steigt der „Ladedruck“, die Augen öffnen ganz, das Hirn arbeitet im Hochleistungsbereich. Abends dann der Höhepunkt: Eigentlich ist es immer zu früh, sich ins Bett zu legen, viel Benzin will noch verbrannt sein.
Ganz anders die Dieseler unter uns. Vor den ersten Sonnenstrahlen pfeifen sie fröhlich vor sich hin und beschleunigen wie vom Gummiband gezogen in den Tag hinein. Mit sattem Drehmoment vorbei an den noch trägen Morgenmuffeln – nur um abends nach der Tagesschau bereits den ersten Schlaf beisammen zu haben.


Frühlingserwachen: Der neue Turbomotor macht Lust auf den benzingetriebenen Alfa 159.

Benzinmotoren fehlt es untenrum, den Diesemotoren obenrum. So steht es im Buche. Einer aber bricht mit der Tradition: Der 159 Turbo Benzina ist so etwas wie eine äusserst passend gestrickte Ehe, in der sich zwei zur Stärke Dreier ergänzen. Auf den Turbo Benzina haben wir gewartet. Er vereint dieselähnlichen Durchzug bei tiefen Drehzahlen mit der typischen Drehfreudigkeit eines Benziners. Weder Opel noch Holden verhalfen dem ausgewogenen 159er Fahrwerk zum passenden Sportlerherz. Träge, lahm und schwächlich beschönigten die Beschleunigungswerte beinahe. Einzige Ausnahmen: Die Vier- und Fünfzylinder-Dieselmotoren von Mutter Fiat pfeffern den Schönling anständig über Berg und Tal. Nicht mal Fiats Buchhaltungsabteilung hätte vor zehn Jahren den Heizöl-Siegeszug bei Alfa für möglich gehalten. Erfüllt der Diesel also alle Erwartungen des sportlichen Piloten? In diesen schlechten Autozeiten läuft ja selbst bei Porsche ein Diesel vom Band. Obwohl es Stuttgart einst entfuhr, Fahrspass entstehe nicht diesseits von 4000 Umdrehungen. Gerade in einem Alfa Romeo will der eingestimmte Benutzer den Motor hochdrehen und hören. Nicht gerade die Stärken des Selbstzünders.


Grosse Röhren: Trotz markanter Auspuffblenden macht der Turbobenzina kein sportliches Motorengeräusch.

Höchste Zeit also für ein neues Muskelpaket unter der Haube, dem auch gegen Abend die Puste nicht ausgeht. Mama Fiat lässt den nagelneu entwickelten Turbobenzina-Motor im Alfa 159 erstmals von zu Hause los. Und wie der wohlklingende Name schon vorsingt, der Neue ist ein Benziner. Mit Direkteinspritzung und Turbolader. 200 PS, und gleich viel Drehmoment wie beim aus Australien geholten V6-Benziner. Knapp unter 1500 Umdrehungen ist es den vier Zylindern ernst: Sie wuchten den Kombiwagen dieselartig nach vorne. Die Laufruhe dabei ist vorbildlich. Ohne Russwolke, ohne Jasskarten-in-den-Velospeichen-Genagel – schlicht beeindruckend, wie der Schub von morgens bis spät nicht zu enden scheint. Beinahe bis 6000 Umdrehungen zieht die Fiat-Maschine gleichmässig und kräftig durch. Egal welcher der sechs Gänge eingeräumt ist, die italienischen Ingenieure zaubern aus 1,8 Litern Hubraum je nach Drehzahl einen Frühaufsteher oder einen Partygänger.


Wie gehabt: Innen geht es schön und sportlich zu und her. Passt perfekt zur Aussenlinie.

Das neuartige 159-Fahrerlebnis geht nicht allein auf die Kappe des vorbildlichen Triebwerkes. Zwischen Frontgrill und Auspuffblende fehlen dem Mittelklasse Sportler fast 300kg Gewicht im Vergleich zu den Vorgängermodellen. Geradezu flink bringt einen der Turbo Benzina über kurvenreiche Strassen und zaubert ein begeistertes Lächeln ins Testfahrergesicht.


Scharf beäugt: 200 PS, 320 Nm aus 1,8 Litern Hubraum. Entwickelt in Italien bei Fiat Powertrain Technology.

Uns gefällt der 159 mit neuem Herz, dem Fahrer gibt er das souveräne Gefühl, jederzeit überlegen Geschwindigkeit zulegen zu können. Wir kosten vor allem den Schub aus dem Drehzahlkeller immer wieder aus. In engen Biegungen verrät der Alfa seinen Frontantrieb. Manchmal überfordert die Motorkraft das kurveninnere Rad und lässt es ansatzweise durchdrehen. Ob hier zwei weitere Antriebsräder bald Abhilfe schaffen werden? Oder stört das Zusatzgewicht für den Allradantrieb die Motor-/Fahrwerksharmonie?
Einzig für den Hörsinn entfällt das Fahrerlebnis unbefriedigend. Der Vierzylinder gibt ein Geräusch an den Innenraum ab, das Saabfahrern das Herz wärmen würde. Von einem lebensfrohen Sportlerherz aber erwarten wir eine stärkere Stimme, wie bei anderen Motoren der Mailänder Marke.


Der echte Sportkombi: Auf der Testfahrt fuhren echte Sportlerinnen mit – inklusive frisch verdientem Pokal.

Der Turbo Benzina bläst zwar nicht mit 400 PS wie andere Wagen dieser Klasse zum Gefecht. Aber immerhin 200 stramme Pferde, die sich beim Druck aufs Pedal keinesfalls davonstehlen – Sie beissen kräftig zu und fügen sich nahtlos ein ins gut geschnürte Paket aus Schönheit, Fahrvergnügen und der geschmacksvollen Gesamterscheinung. Die Fahrzeugqualität fühlt sich bei allen Begegnungen mit dem Wagen – am Steuer sowie zum Beispiel beim Beladen des Kofferraums – hochwertig an.
Die Aufpreisliste ist angenehm kurz, der Preis ist mit 51'190 Franken nicht höher als bei wesentlich unsportlicheren Wagen selber Grösse (und liegt voll ausgestattet einige Tausender unter dem Deutscher Anbieter). Da versteht der Automensch keinen mehr, der langweilige Kilometer in Mausgrau fährt.
1750 – eine Zahl aus Alfas Mottenkiste. Angesichts des äusserst harmonischen Gesamtpaketes jedoch eine späte Ehre für den einstigen 1750 Jahrhundertmotor aus den 1960er und 70er Jahren.

Der weisse Turbo Benzina Sportwagon steht in Winterthur Wülflingen bei der Schlossgarage zur Probefahrt bereit.


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