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Published on September 21st, 2021 | by Amadé Fries

Ford, die mach-e-n was!

Ein Mustang ist kein Wildpferd. Nein, ich wusste das auch nicht, Wikipedia aber schon. Manche Petrolheads mögen jetzt einwerfen: „Und er ist auch kein Elektroauto!“ Tja, was soll man sagen, da hat Ford Fakten geschaffen. Das erste Angebot für den immer weiter wachsenden Elektromarkt von Ford ist ein mittelgrosser SUV, der den Namen Mustang Mach-E trägt.

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Bevor wir aber richtg in Volt und Watt eintauchen noch ein paar Worte zur Historie. Natürlich löst bei uns der Begriff „Ford Mustang“ sofort Assoziationen mit dem 1967er Fastback auch, gerne auch als Shelby. Und natürlich denken wir an Gone in 60 Seconds und die legendäre Eleanor. Aber was kam eigentlich, bis dann 2005 versucht wurde, mit einem Retrostyling eben jenen 67er wieder aufleben zu lassen? Wer einen stabilen Magen hat, kann zum Beispiel mal nach einem 1975er Mustang googeln. Oder man traut sich sogar an einen mit Jahrgang 1979. Nein, das ist kein Datsun Cherry, so hat tatsächlich mal ein Ford Mustang ausgesehen.

Und jetzt, im Jahr 2021, ist der Mustang halt nicht nur ein Powercoupé, sondern auch ein knackiger SUV mit reinem Eletroantrieb. Und die US-Amerikaner meinen es ernst mit ihm, verpassen sie der kompletten Neuentwicklung gleich einen richtig grossen Akku. 98,7 kWh sind eine ordentliche Ansage, die das noch immer grosse Thema Reichweite eher etwas in den Hintergrund rücken. Leistung steht mit 346 PS ebenfalls genug bereit. Die Akkugrösse spiegelt sich dann auch im Gewicht wieder, fast 2,3 Tonnen wiegt der Mach-E. Wer ihn leichter möchte, wählt die „kleine“ Batterie mit 76 kWh und den reinen Heckantrieb. Für die Schweiz dürfte die Light-Variante allerdings eine untergeordnete Rolle spielen.

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Die Hauptrolle im Interieur spielt der übergrosse Screen, bei dessen Format (15,5 Zoll) so mancher Tablethersteller ins Staunen kommt. Was Tesla vor bald 10 Jahren als Erster gezeigt hat, begeistert auch heute noch. Jedenfalls solange man steht. Ein weitere Eigenheit, die man vor allem bei E-Autos gerne antrifft sind die speziellen Türgriffe. Da wird motorisch ausgefahren, muss geschickt gedrückt werden oder man lässt die Türgriffe ganz weg. Wie ganz weg? Sieht man den Mach-E von der Seite, sind keine Türgriffe erkennbar. Tatsächlich haben nur die Vordertüre kleine U-Profile, die als Griff dienen. Geöffnet wird via Druck auf den Gummiknopf oberhalb, dann stösst ein elektrisch ausfahrender Stempel die Türe so weit auf, dass man am erwähnten Halter ziehen kann. Hinten gibt es keinen solchen Minigriff, was die Sache noch etwas unangenehmer macht.

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Aber kommen wir zu den angenehmen Dingen des Lebens. Wer einmal kräftig aufs Gas tritt, erhält einen anständigen Schlag in den Nacken. Ja, der Mustang Mach-E geht ansatzlos und kraftvoll vorwärts. Für den unanständigen Bereich ist die kommende GT-Variante zuständig. Doch auch der AWD ist mehr als ausreichend motorisiert. Dazu kommt ein gut gewürztes Ford-Fahrwerk. Natürlich hilft das Gewicht nicht unbedingt, doch bereits bei leicht feuchter Strasse und ziemlich schwerem „Gas“fuss lassen sich beim Abbiegen freche Drifts hinlegen. Aber Contenance, wir fahren hier ein Familienmobil. Schliesslich gibt es auch hinten Platz für lange Beine, die Aussicht dagegen ist etwas eingeschränkt. Dafür hat man eine komfortable Abstimmung gefunden, die trotz 21-Zöllern keine übermässige Härte in die Wirbelsäulen weitergibt.

Entsprechend dem rennenden Pferd im Logo ist der Ford Mustang Mach-E also tatsächlich einer der dynamischen Sorte. Sofort keimen Zweifel an der Reichweite auf. Tatsächlich scheinen die 540 Kilometer aus der Werksangabe in weite Ferne zu rücken. Denn dann müsste man ja mit 18,3 kWh auf 100 Kilometer durchkommen, was kein aktuelles Elektroauto schafft. Jedenfalls nicht dann, wenn man es nicht extrem vorsichtig behandelt. Der elektrifizierte Mustang lädt ein, auch mal etwas schneller durch Kurvenkombinationen zu huschen. Und wie schaut es mit dem Verbrauch und der entsprechenden Reichweite nun wirklich aus? Im Test genehmigte er sich 20,6 kWh auf 100 Kilometer, was eine immer noch erstaunlich grosse Reichweite von 470 Kilometer ergibt.

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Wer dann wirklich mal so weit fahren möchte, ist auf das Schnellladenetz angewiesen. An Schweizer Autobahnen kein Problem, im Ausland schaut es aber teilweise noch düster aus. Also: Gut planen. Doch selbst in der Schweiz kann es schwierig werden. Ich versuchte mein Glück bei Ionity in Kempthal bei Winterthur. Nachdem von 8 Säulen keine einzige wirklich funktionieren wollte, nahm ich Kontakt mit dem Support auf. Ein anderer Mach-E-Fahrer war nicht so geduldig, er fuhr weiter. Nach einem Säulenneustart und einigen Minuten Wartezeit war’s dann so weit: Strom und zwar von der schnellen Sorte. Rasant geht es innert einer halben Stunde von 25 auf 80% Ladestand. Für die weiteren zwanzig Prozentpunkte braucht es dann aber fast noch einmal zwei Stunden. Trotzdem, wenn die Säulen funktionieren, ist das Elektropferd ready für die grosse Reise.

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Stellt sich noch die Frage, sind wir bereit für das Ross? Um für den Testwagen bereit zu sein, hilft es schon mal, wenn der Gesamtpreis von 73’400 Franken nicht allzu sehr schmerzt. Ansonsten gibt es wenig, was einen von einem Kauf abschrecken könnte oder gar sollte. Auf der Plus-Seite steht für mich die Optik, vor allem auch in der Infinite Blue genannten Lackierung. Je nach Lichteinfall wirkt sie eher grau oder dann eben bläulich. Die Mustang-Insignien wurden für meinen Geschmack gut auf den Crossover übertragen und sorgen für einen unverwechselbaren Look. Trotz geduckt scheinender Form gibt es hinten einen anständigen Kofferraum und auch jener vorne bietet genug Platz, der allerdings meistens von den Ladekabeln belegt sein dürft.

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Also alles golden, so wie damals die Streifen auf dem Hertz-Mustang? Ein paar Kleinigkeiten können durchaus nerven: Der Spurassistent ist ab und zu übernervös, fährt zuweilen selbsttätig Slalom. Die Türgriffe oder eben deren Abwesenheit mögen futuristisch aussehen, in der Praxis sind sie eher nervig. Was Ford dagegen stören könnte: Für den gleichen Preis gibt es neu nun auch den Tesla Y. Gegenüber dem Silicon-Valley-Superstar hat der Mach-E aber einen unüberwindbaren Vorteil: Er ist ein Mustang.


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