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Published on Juli 12th, 2018 | by Heiny Volkart

«Grace – Space – Pace»

Jaguar I-Pace EV400 AWD

 «Grace – Space – Pace»

Dieser inspirierende Jaguar-Slogan, schon zu Zeiten des legendären Mk 2 aktuell, also seit bald 60 Jahren, ist auch heute noch topaktuell. Wenn man ihn auf den brandneuen elektrischen Jaguar I-Pace anwendet. Ein Auto, das Grace, Space und Pace verinnerlicht hat.

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Unser Testwagen

Kleine batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, die eine vernünftige Reichweite aufweisen, sind bereits auf dem Markt. In der Oberklasse ist zurzeit Tesla Platzhirsch – und seit Jahren allein auf weiter Flur. Die grossen Premiummarken hingegen reden nur davon, sie präsentieren EV-Studien, gründen Firmen, versprechen dies und jenes und tun, als ob ihre elektrisch betriebenen Autos in wenigen Wochen auf dem Markt wären. Das tun sie eigentlich seit Jahren, liefern aber nie.

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Die Testwagenflotte steht bereit.

Jaguar, seit über 80 Jahren in der Automobilwelt bekannt für elegantes Design und leistungsstarke Motoren, ist jetzt eingetreten in den Markt der Oberklasse-Lifestyle-Elektroautos, mit dem I-Pace. Zu den Limousinen XJ, XF und XE, dem Sportwagen F-Type und den SUV F-Pace und E-Pace kommt nun der rein elektrisch betriebene I-Pace. Jetzt und nun heisst in diesem Fall heute und nicht in ein, zwei oder drei Jahren wie bei den Mitbewerbern. Ein Haken ist allerdings dabei, nämlich die Lieferfrist, denn die Nachfrage ist gross. Aber die Lieferfrist (in Deutschland wohl um ein Jahr) ist mit dem Jaguar-Händler auszuhandeln.

An der kürzlichen Pressekonferenz im Jaguar-LandRover – Testcentre am Nürburgring zeigten sich die Direktoren, Manager und Techniker begeistert von ihrem jüngsten Kind. Man konnte aus dem Vollen schöpfen und auf einem weissen Blatt Papier beginnen, denn keine bestehenden Motorengrössen, Plattformen und so fort schränkten die Phantasie ein.

So entstand, durch den Designer Ian Callum, der I-Pace. Der Name ist für Deutschsprachige etwas verwirrlich, werden doch hierzulande Elektroautos (EV) mit einem e oder E im Namen bedacht. Und dann spricht man es auch noch anders aus: Das (englische) E als i, das I als ei. Der E-Space ist aber ein kompakter SUV mit Verbrennungsmotor, der I-Pace kein Telefon, sondern eben der neue Elektro-SUV von Jaguar.

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Mit 4.68 m Länge hat er ein vernünftiges Mass, sein grosser Radstand von knapp 3 Metern (2.99m genau) verspricht aber einen grossen Innenraum und Fahrstabilität. Ums vorweg zu nehmen: Es stimmt, was man so sagt: Länge läuft.

Das Design ist eigenwillig geworden. Der vordere Teil sieht aus wie man einen Jaguar-SUV erwartet, die hohe Heckpartie ist eigenwillig geworden, gefällt aber sehr vielen Leuten. Vielleicht, weil sie eigenständig ist. Diese Heckpartie hat auch den Vorteil, dass ein Kofferraum von 638 Litern zur Verfügung steht, durch Umlegen der Rücksitze sogar 1‘453 Liter.

Trotz abfallender Dachlinie haben die Rücksitz-Passagiere fast einen Meter Kopffreiheit, von den 890 mm Beinfreiheit nicht zu reden. Wir haben’s ausprobiert: Wenn vorne ein normalgrosser Fahrer oder Passagier sitzt, hat man hinten sehr gut Platz.

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Der Technical Design – Director, Dr. Wolfgang Ziebart, schilderte die Entwicklung des I-Pace. Der I-Pace basiert auf einer Aluminium-Struktur. Vier Jahre habe die Entwicklung gedauert. Die Kabine vorheizen oder –kühlen könne man übrigens auch vom Smartphone aus.

Zum Auto jetzt aber etwas Technik: Um höchstmögliche Leistung auf kleinstmöglicher Fläche bereitzustellen, sind die beiden von Jaguar selbst entwickelten Permanentmagnet-Synchronmotoren in die Vorder- und Hinterachse integriert, wobei die Antriebswellen durch die Motoren hindurchlaufen. Die E-Motoren sind tief im Fahrzeug installiert und treiben über ein integriertes Eingang-Getriebe und Differential je eine der beiden Achsen an. Mit Hilfe von Sensoren, welche die Eingaben des Fahrers und die verfügbare Bodenhaftung kontinuierlich messen, wird eine optimale Drehmomentverteilung auf alle vier Räder gewährleistet.

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638 Liter, mit abgelegten Sitzen 1’453 Liter

Der von Haus aus als Hochleistungs-Elektrofahrzeug konzipierte I-PACE überzeugt durch hohe Fahrdynamik und Alltagstauglichkeit sowie eine einzigartige Balance aus Abrollkomfort, Laufkultur und Sicherheit. Jaguar hat die Batterie so tief wie möglich zwischen den Achsen verstaut. Folge: eine ausgeglichene 50:50-Gewichtsverteilung und ein gegenüber dem F-PACE um 130 Millimeter niedrigerer Schwerpunkt, der beispielsweise dazu beiträgt, die Seitenneigung in Kurven auf ein Minimum zu reduzieren.

Die in den Jaguar Modellen XE, XF und F-PACE bewährte Doppelquerlenker-Aufhängung vorn und die hintere Integral-Link-Achse bürgen für einen ausgewogenen Komfort, eine ausreichende Quersteifigkeit für dynamische Kurvenfahrten und eine spontane, zielgenaue Lenkung. Die Achsen sind kompakt und sind dank eines hohen Aluminiumanteils auch leicht – wovon das Handling und das Platzangebot im Interieur profieren.

Die optionale Luftfederung und das konfigurierbare Dämpfersystem Adaptive Dynamics sorgen zusätzlich dafür, dass ein elektrisch angetriebener Jaguar dem passionierten Fahrer eine Menge Fahrspass bietet. Die automatische Höhenverstellung hält auch im vollbeladenen Zustand immer die optimale Bodenfreiheit und Aufhängungsgeometrie bei. Als Konsequenz geniessen die Insassen zu jeder Zeit den maximalen Komfort, während das Fahrwerk auf gelassene und natürliche Weise Bodenunebenheiten ausbügelt und so die Bewegungen des Aufbaus kontrolliert.

Also kurz: Der I-Pace hat 2 Motoren, einen vorne und einen hinten und damit Allradantrieb. Die Motoren korrespondieren elektronisch. Dazwischen ist die Batterie, 605 Kg schwer, untergebracht. Sie besteht aus 432 Li-Ionen-Zellen, die in 36 Modulen zu je 12 Zellen zusammengefasst sind. So stehen 90 kW zur Verfügung, was bei einem Verbrauch nach WLTP um die 21 kWh/100 Km einer Reichweite von 480 Km entspricht. Nach WLTP wohlverstanden.

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Eigenständige Hecks gefallen den meisten Leuten

 

Die Reichweitenangabe am Armaturenbrett basiert übrigens immer auf der Fahrweise der letzten 500 Km. Sie variiert ja bekanntlich je nach Fahrweise, Geschwindigkeit, Aussentemperatur und Strasse, …

Der I-Pace ist zwar in Grossbritannien entwickelt worden, produziert wird er aber bei Magna Steyr in Graz.

Wir fahren

Über die Entwicklung und das Aussehen zu reden ist das Eine. Aber so ein Auto muss man fahren, erfahren. Die 400 PS und 696 m Drehmoment (ab Stillstand), verlocken sehr.

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Das Auto hat dermassen viele Möglichkeiten eingebaut, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann (und soll). Wir setzen uns rein und fahren los. In der Eifel, beim Nürburgring, gibt es sehr viel Landschaft, es geht bergauf und bergab, es geht um weite und enge Kurven, über Landstrassen ohne viel Verkehr, von Dörfern abgesehen meistens auf 70 oder 100 Km/h limitiert. Man sitzt sehr bequem auf den Jag-Sitzen, hat guten Halt in den Kurven und das Fahrwerk ist auch auf holprigen Strassen recht komfortabel, vermittelt aber immer Rückmeldung und Sicherheit. Das muss man den Jaguar-Leuten lassen: Das können sie!

Die Rekuperation ist recht stark, man braucht kaum zu bremsen. Beim Mittagessen hat uns Dr. Ziebart erklärt, er habe mal den Artega (Ziebart war dort Geschäftsführer) auf EV umgebaut und die Schaltpaddel, die man nicht mehr gebraucht habe, zur Einstellung der Rekuperationsstärke verwenden können. Die Leute hätten aber alle immer die stärkste Rekuperation gewählt und nie mehr verstellt. So habe man jetzt beim I-Space auch eine relativ starke Einstellung gewählt.

Wir hatten ausserordentlich viel Spass mit dem I-Pace. Auch wenn man schon Erfahrung hat mit andern EVs, der Anzug durch die knapp 700 Nm ist brachial, auch an steilen Steigungen. Da kamen durchaus Erinnerungen hoch an die früheren sonntagmorgendlichen «Renn-»Fahrten auf die Bielerhöhe mit Lambos und Ferrari. Das Gewicht von immerhin über 2‘200 Kg ist aber spürbar im Handling; man bewegt einen rechten Trumm, der dank des langen Radstandes seine Fahrtrichtung gar nicht so gerne ändert.

Man fühlt sich gar nicht eingeengt im I-Pace. Das Panoramadach macht das Interieur luftig. Es soll scheint’s so beschichtet sein, dass die Sonne das Interieur nicht aufheizen kann. Um das zu testen, war’s aber draussen zu kühl und wolkig.

Der I-Pace ist mit einer Vielzahl von nützlichen und auch nice-to-have-Ausrüstungen versehen und, wie bei Premiumautos üblich, noch weiter aufrüstbar mit –zig Optionen.

Natürlich kostet ein 400 PS / 696 Nm – Auto, das in 4.8 Sekunden von Null auf 100 beschleunigt, eine Stange Geld. Zurzeit ist die First Edition erhältlich. Die kostet in Photon Red genau 100‘000 Franken, exkl. MwSt, also 107‘700 Franken für Private.

Als S, SE und HSE kostet er ab CHF 82‘800, 91‘000 und 97‘200, jeweils mit MwSt., technisch immer identisch, einfach mit anderer Ausstattung. Und wer jetzt sagt, «das kauft doch keiner», der kann sich täuschen, denn Google hat für/mit seiner Tochter Waymo 20‘000 I-Space bestellt, die dann selbstfahrend unterwegs sein sollen, zwanzigtausend!

Da der I-Pace ein Fahrerauto ist, wird man mit einem selbstfahrenden I-Space natürlich auf viel Spass verzichten müssen. Für uns «normale» Kunden bedeutet das aber auch, dass die Lieferfristen in den nächsten zwei Jahren sicher nicht kürzer werden.

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Dank 400 PS und 696 Nm Drehmoment sehen andere Leute oft nur das Heck. :)

Die Garantien sind einigermassen normal: 3 Jahre oder 100‘000 Km, für die Batterie 8 Jahre oder 160‘000 Km. Es sind aber spezielle Unterhaltspakete erhältlich. Die Batterien werden am Ende ihres Autoeinsatzes nicht entsorgt, sondern erhalten ein zweites Leben als stationäre Stromspeicher.

Ach ja, was wir auf unserer ganztägigen Testfahrt verbraucht haben? Haha, sagen wir nicht. Bei Abfahrt standen 377 Km auf der Anzeige (unsere Vorfahrer sind ja auch nicht gerade sparsam unterwegs gewesen), bei Rückkehr war die Batterie noch lange nicht leer, trotz auch einmal 200 Km/h auf der Autobahn (er ist bei 200 Km/h abgeriegelt) und teilweise rasanter Fahrweise (alles innerhalb des Erlaubten, m.o.w.).

Heiny Volkart, VOLKARTpress / zündung.ch, fuhr den I-Space auf Einladung von Jaguar Schweiz am 9./10. Juli 2018 in Deutschland.


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