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Halber Allrad

Published on April 20th, 2007 | by zuendung

Halber Allrad

Hartgesottene Drifter schwenken ihren Hintern bevorzugt in Nissan Skylines oder allenfalls in BMW M3 ums Eck. Vor 20 Jahren noch sparte auch Alfa Romeo nicht am Vortrieb, satter Saft an der Hinterachse, mit Diffsperre eignete sich für ebenso wüstes. Nach dem ersten Schock, dem Alfasud mit Frontantrieb, dann 1987 nach der Übernahme durch Fiat der zweite: Alfa 164, die grosse Limousine auf Saab/Lancia/Fiat-Basis mit Dreiliter-V6 und 174 PS an der Vorderachse. Den 164 haben Alfisti aber längst ins Herz geschlossen, er ist einer der besten Fronttriebler – und rettete als brauchbare und preislich attraktive Sportlimousine, wenn man so will, die Marke Alfa Romeo. Über den Frontantrieb schimpfen ist also politisch kaum korrekt. Alfa verkauft seit der Aufgabe des Heckantriebs wieder Autos und verdient Geld. Und fahrdynamisch trocknen 156 und Co. alles Frontgetriebene ab. Rundum ein Gewinn?

Klar, die Heckschwenkzeiten sind passé. Frühestens mit dem 169 auf Maserati-Basis – mal abgesehen vom in homöopathischen Dosen gebauten 8C – kehrt der Heckantrieb und damit die Vernunft nach Mailand zurück. Finden wir uns aber mit der Gegenwart ab. Am Lenkrad zerren und den kurveninneren Reifen rauchen – das sind die Stärken des 147 Q2 nämlich nicht. Durchaus ein Gewinn, da bei Fronttrieblern sonst üblich. Ein Allradantrieb lag zwar nicht drin, doch gegen Ende der 147er-Laufbahn kriegt der kompakte Sportler ein Torsen-Sperrdifferential in die Vorderachse spendiert. Q2 nennt Alfa das Rezept mit der selbstsperrenden Vorrichtung. Gleich vorweg, Q2 macht Appetit auf mehr: Die 150 Diesel-PS feuern nahezu ohne Verlust in Vortrieb. Mehr gibt es aber nicht, seit der 250 PS V6 nicht mehr gebaut wird.

Moderne Turbodiesel zählen zu den grössten Reifenfeinden: Turbokick und Monsterdrehmoment schleifen das Pneuprofil zu zackenartigen Gummihäufchen. Ein Allradantrieb löst dieses Problem nicht, er verteilt den Abrieb einfach auf alle vier Räder. Probleme lösen ist so oder so keine Stärke des Allrads. Der Verbrauch steigt, das Mehrgewicht von meistens über 100kg wird immer mitgeschleppt, die Kardanwelle erhöht den Fahrzeugboden, das Differentialgetriebe braucht Wartung usw. Da bleibt nur der Komfort, bei Schneefall besser vom Fleck zu kommen. Und allenfalls, viel Power vorausgesetzt, der verlustfreie Beschleunigungsvorgang.

150 PS sind in dieser Klasse üblich. 305 Nm auch. Im normalen Autobahnleben lässt sich damit gut haushalten und sogar vorne mitfahren. Für den Ampelsprint fehlt im unteren Drehzahlbereich turbodieseltypisch Kraft. Gaspedal voll durchgetreten, nix passiert. Und plötzlich knallt der Turbo in Aktion, ab 1750 U/min reisst die volle Drehmomentladung an der Vorderachse. Dank Q2 Torsen-Diff geht es auch mit eingeschlagenen Vorderrädern vorwärts. Sogar ziemlich rasant, denn Torsen verteilt das Drehmoment zwischen den Vorderrädern so, dass keines der Räder durchdreht. Banale Idee, sensationelle Wirkung. Auf Ingenieurs-Deutsch im Alfa O-Ton heisst das System: „Q2 basiert auf einem Differential mit Schlupfbegrenzung vom Typ eines mechanischen Torsen-Differentials. Es hat die Aufgabe, das Antriebsmoment in Abhängigkeit von den Fahrbedingungen und dem Fahruntergrund dynamisch und kontinuierlich auf die vorderen Antriebsräder zu verteilen. In Kombination mit der exklusiven Doppelquerlenker-Vorderachse gestattet das System eine besonders effektive Fahrwerksauslegung.“

Im alltäglichen Fahrbetrieb sorgt Q2 für ein entspanntes Leben mit dem Frontantrieb. Q2 ist nicht Q4, wirkt ums Eck aber beinahe so – ohne unvernünftiges Zusatzgewicht rumzuschleppen. Ein guter Kompromiss, Q2 könnte schweizerisch sein. Am 147 ist nichts auszusetzen, ein Kompaktwagen mit Stil, etwas in die Jahre gekommen zwar. Zeigen tut er es aber nicht. Wir finden, wenn 147, dann 1.9 JTDM, dann Q2 – und freuen uns trotzdem auf Dampf an den Hinterrädern.

Herzlichen Dank der Schlossgarage Winterthur für den Ausritt im 147 Q2.


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