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Leidenschaft am Fahren im Toyota?

Published on August 1st, 2012 | by zuendung

Leidenschaft am Fahren im Toyota?

"Der neue Toyota GT86 wurde durch ein Team passionierter Automobil-Enthusiasten geschaffen mit einem einzigen Ziel vor Augen: die reinste Fahrfreude zu vermitteln." Wir von zündung.ch zeichnen uns ja wirklich nicht dadurch aus, Presseberichte einfach abzutippen, geschweige denn sie 1:1 zu zitieren. Aber dieser Satz aus dem Prospekt des neuen GT86 ist doch ein starkes Stück. Immerhin ist Toyota in jüngerer Vergangenheit nicht eben dadurch aufgefallen, möglichst viel Leidenschaft am Fahren zu vermitteln. Auch was die Optik angeht, kennt man von den Japanern bestenfalls gefällige Formen, begeistern lässt man sich aber eher von europäischem oder vielleicht US-amerikanischem Design. Schauen wir uns beispielsweise den Auris an, Toyotas Konkurrenz zum Golf. Die stärkste Motorisierung für den Kompakten ist ein 177 PS Dieselmotor. Klingt jetzt auch nicht gerade nach der ultimativen Passion, oder? Und auch sonst fällt mir auf die Schnelle kein Toyota ein, dessen Design oder Fahrerlebnis mein Blut so richtig in Wallung brächten. Aber geben wir dem gemeinsam mit Subaru entwickelten Neuling eine Chance.

Ein erstes Mal darf ich ihn auf der Rennstrecke von Anneau du Rhin erfahren. Doch bevor es auf die Strecke geht, will das gute Stück zunächst einmal begutachtet werden. Auf Bildern liess er mich trotz vielversprechenden Spezifikationen eher kalt. Doch jetzt wo der taufrische Sportler so vor mir steht: Einfach sehr beeindruckend, was für Proportionen Toyota da hingekriegt hat. Die geschwungenen Kotflügel, die angriffigen Scheinwerfer, das knackige Heck, es passt einfach alles. Und dabei hat man es geschafft, mit 4,24 Meter ein für heutige Massstäbe schon fast sensationell kurzes Auto zu bauen.

Auf der Rennstrecke merke ich schnell, dass Toyota in Sachen Sportwagen tatsächlich ernst macht. Das ist kein flott aussehendes Cruiser-Coupé, das mit überschwänglicher Formgebung fahrdynamische Defizite zu überdecken versucht. Der GT86 giert förmlich nach Drehzahlen – Und ist man dem roten Bereich nahe, warnt eine Schaltlampe ganz rennsportlike zum Einlegen der nächsten Fahrstufe. Der kurvige Kurs von Anneau du Rhin mit seinen vielen blinden Biegungen stellt ein gutes Terrain für den Neuankömmling dar. In der Bremszone vor der Schikane wird das Heck leicht, wobei man sich nie unsicher fühlt. Im Notfall wäre das auf "Sport" gestellte ESP nämlich jederzeit einsatzbereit. Ganz ausgeschaltet verlangt der Hecktriebler dann eine kundige Hand und vor allem zwei kundige Füsse, um schnelle Runden zu drehen. Spass macht er auf der Rennstrecke so oder so. Da wir Schweizer aber nicht einfach schnell auf ein abgesperrtes Stück Strasse zugreifen können (oder auch: dürfen), sind auch andere Talente gefragt.

Mein zweites Treffen mit dem Toyota GT86 findet dann auch in der zivilisierten Welt statt. Schliesslich muss so ein Sportwagen auch im Alltag funktionieren. Die Form kann natürlich auch abseits der Rennstrecke punkten. Doch wie sieht es mit dem Fahrwerk, dem Motor und dem Getriebe aus? Können heute übliche Goodies wie Soundanlage und Navi überzeugen? Und wie schaut es eigentlich mit dem Verbrauch des turbolosen Boxermotors aus? Doch die wichtigste Frage bleibt auch im täglichen Betrieb die gleich: Macht das Sportcoupé Spass?

Mein unmittelbarer Vorgänger versuchte es auch mit dem Spass haben auf öffentlicher Strasse. Der Driftversuch landete in der Leitplanke und der GT86 beim Autospengler. Als Ersatzfahrzeug durfte ich einen in Belgien zugelassenen Wagen testen, dessen Innenausstattung leicht von der Schweizer Version abweicht. Trotzdem kann ich dem Interieur gelungenen Stil attestieren, zumindest wenn es mit der Leder-Option aufgebrezelt wurde. Erstaunlich, wie gelungen das Ganze trotz einem ziemlichen Material-Wirrwarr noch zu wirken vermag. Selbst die fake Carbonblenden stören mich nicht. Zu bequem sind die Sitze, zu gut ist die Sicht nach vorne, zu gut fühlen sich Lenkrad und Schaltknüppel an. Ein Auto zum Fahren.

Und genau das tue ich jetzt auch. Die Kupplung macht es mir etwas schwer, einen sauberen Start hinzulegen. Das nächste Hindernis sind Eco-Drive-Gedanken im Hinterkopf. Denn wegen des verhältnismässig knappen maximalen Drehmoments von 205 Newtonmeter bei 6400 Umdrehungen, ist an schaltfaule Fahrweise kaum zu denken. Ich bewege den Sportler permanent mit 2000 Touren und mehr. Bei Leerlaufdrehzahl klingt der Boxer seltsam unruhig, später mischen sich typische Boxernoten hinein, um schliesslich bei gegen 7000 Umdrehungen in ein echtes Schreien überzugehen. Alleine schon die Klangkulisse ist für heutige Begriffe so ungewohnt, dass man danach süchtig werden könnte. Dabei hab ich vom Schalten und Kurvenfahren noch gar nichts erzählt. Fangen wir mit dem Getriebe an: Heutzutage sind Gänge einfach schaltbar, gehen ohne Nachdruck rein, Verschalten ist quasi unmöglich geworden. Nicht so im GT86: Der spürbare Widerstand fühlt sich angenehm an, der Hebel will präzise geführt werden, verlangt dafür nur winzige Bewegungen der Fahrerhand. Faszinierend. Dann das Kurvenfahren: Subaru und Toyota haben das Auto so entwickelt, dass der Schwerpunkt möglichst tief liegt. Das ist im Endeffekt wichtiger, als eine Bohrung von 86 x 86 mm oder der gleich grosse Durchmesser der Endrohre. Denn nur dem tiefen Massenzentrum ist es zu verdanken, dass der GT86 so um die Ecken geht, ohne dabei zum unkomfortablen Sporthobel zu werden. Wunderbar.

Sozusagen als Bonus obendrauf gibt es den Heckantrieb. Hätte das Testexemplar anstelle spezieller Sportreifen alte verschlissene Gummis aufgezogen gehabt, man hätte damit quasi unendlich um die Kreisel driften können. Doch die Ken-Block-Fantasien lässt man im Sinne eines sauberen Verkehrsleumundes besser stecken. Kleine Schlenker am Kurvenausgang liegen auch dann noch drin. Dass sie gut zu kontrollieren sind, steigert das Vertrauen zu diesem Fahrerauto weiter. Darum sind 200 PS auch genau richtig für diesen Sportwagen. Es müssen keine 300 sein, und auch ein Turbo ist nicht vonnöten. Die verfügbare Power reicht locker aus, um auf kurvigen Strassen Spass zu haben. Die Charakteristik des Saugmotors führt dazu, dass man sehr gut fühlt, wann wie viel Kraft kommt. Kein Turboloch und kein Turboboost, welche die Drehmomentkurve zu ruckartigen Ausschlägen bewegen könnten. So passen auch die Abstufungen des Getriebes perfekt. Nur der sechste Gang schlägt ein wenig aus der Reihe, will irgendwie ein Spargang sein. Dafür ist er dann aber doch zu kurz übersetzt. Was soll's; meistens wird der GT86 in den mittleren drei Gängen bewegt werden, und die passen wunderbar.

Meistens, wenn ich von einem Auto derart begeistert bin, muss ich schlussendlich konstatieren, dass die Sache auch dementsprechend viel kostet. Dieses Mal liegt der Fall anders. Der getestete Toyota GT86 hatte gegenüber dem Basismodell (41'900.-) gerade einmal zwei Optionen mehr an Bord: Das Navi für 900.- und die Leder-Ausstattung für 2400.-. Beide empfehlenswert. Die Parksensoren hinten waren nicht verbaut, könnten von mir aber durchaus gewählt werden, da die Sicht nach hinten unten naturgemäss nicht eben gut ist. Bei Sportwagen normalerweise ebenfalls schlecht: Kofferraum und Trinksitten. Das Gepäckvolumen fällt mit 250 Liter nicht eben riesig aus. Aber weil die hinteren Site in der Praxis wohl nie genutzt werden, hat man sicher Platz genug. Der Verbrauch hat sich bei mir trotz reichlich zackiger Fahrweise bei humanen 8,4 Liter 98er Benzin eingependelt.

Schön, dass sich Toyota und Subaru den GT86 (respektive den BRZ) getraut haben. Er bringt nicht nur optisch etwas Pfeffer in die jeweilige Modellpalette. Nein, er ist ein echter Sportwagen, dessen Abstimmung von Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung absolutes Suchtpotential hat. Er macht unglaublichen Spass und ist dabei sogar einigermassen sparsam und günstig. Die "passionierten Automobil-Enthusiasten" haben ihr Ziel erreicht.


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