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Mein Name ist 008, 3008

Published on August 2nd, 2009 | by zuendung

Mein Name ist 008, 3008

Peugeot 3008 1.6 16V T Platinum

Mein Name ist 008; 3008

Die Nähe zur Schweiz des nun 120 Jahre alten Automobilkonstrukteurs Peugeot mag mitverantwortlich sein dafür, dass Peugeot selten bis nie der erste Hersteller ist, der einen neuen Trend besetzt. So kommt auch der 3008 reichlich spät.

Nachdem die grossen SUV (Sports Utility Vehicles) bereits als Stadtpanzer und Benzin¬säufer in Verruf geraten waren, kam dann Peugeot mit dem 4007 auch noch auf den Markt. Der Trend ging aber schon während einiger Zeit hin zu kleinen SUV, die sich – neben «normalen» Kombis – als praktisch und sparsam erwiesen. Alle wichtigen Marken haben in diesem Segment bereits, teilweise seit Jahren, erfolgreich ein oder sogar mehrere Modelle im Angebot, nur Peugeot nicht.
Aber ehrlich gesagt ist ein Peugeot 308 SW ein mindestens so praktisches Auto wie manch einer dieser Klein-SUV, die man aus taktischen Gründen nun «Crossover» nennt.
Um aber auch all denjenigen, für die ein Kombi noch immer ein Handwerkerauto ist, dienen zu können, hat Peugeot jetzt auf der 308-Plattform auch so einen Pummel kreiert und ihn 3008 genannt. Klar wollten wir wissen, ob es sich gelohnt hat, auf den «Crossover 3008» zu warten.
Geplant war ein Doppeltest mit den zwei zurzeit erhältlichen Topmotorisierungen, dem 150 PS leistenden Turbo-Benziner und dem gleich starken 2-Liter-Diesel. Es blieb beim Benziner; den Diesel konnten wir wegen eines nicht innert nützlicher Frist reparierbaren Defektes nicht fahren.


Je nach Blickwinkel macht der 3008 einen etwas pummeligen Eindruck – oder kann auch recht elegant aussehen.

Gemäss Prospekt soll der 3008 ein «intelligentes, innovatives, praktisches und äusserst bequemes Fahrzeug» sein. Von Schönheit steht da nichts. Sein Design hat denn auch keinen Betrachter zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Je nach Blickwinkel macht der 3008 einen etwas pummeligen Eindruck, zwangsläufig, möchte man sagen, bei nur 436,5 cm Länge, aber 164 cm Höhe und einer Breite (über die Spiegel) von über 211 cm. Aber eben, aus keinem Blickwinkel sieht der 3008 schlecht aus, ist eigenständig und kann – je nach Farbe – sogar elegant aussehen.
An vielen Details kann man auch viel Peugeot-Typisches erkennen; die langgezogenen Scheinwerfer zum Beispiel oder auch den grossen Kühlergrill. Die vorn und hinten unter den Stossstangen alufarben hervor blitzenden sogenannten Diffusoren mögen Sportlichkeit vortäuschen, einen praktischen Nutzen werden die Bleche kaum haben.
Den Tankdeckel muss man auch beim teuersten Topmodell mit dem Zündschlüssel öffnen, das ist 50 Jahre nach der Erfindung der Zentralverriegelung nicht «clever und praktisch» (3008-Prospekt), sondern nur ärgerlich.

Vier Türen sind Standard und sie ermöglichen guten Zugang zu allen Plätzen. Die Heck¬klappe ist zweigeteilt, der untere Teil lässt sich mühelos herunterklappen, damit schwere oder sperrige Güter nicht so hoch gehoben werden müssen. Zweihundert Kilo mag die untere Klappe tragen. Das mögen die Vorteile sein. Dass man die Güter dann auch über die Klappe hinweg in den eigentlichen Kofferraum heben oder schieben muss und sich dann eben auch tief in den Kofferraum beugen muss, um sie wieder ausladen zu können, ist die Kehrseite, die der Prospekt verschweigt. Vor allem kleinere Menschen so um die 1.70 dürfte die zweigeteilte Heckklappe deshalb nicht begeistern. Das Schliessen der Klappe bedingt dann natürlich auch immer zwei Handgriffe. Eine elektrische Schliesse gibt es auch beim Topmodell nicht.
Aber dass der Kofferraum auf simplen Knopfdruck hin vergrössert werden kann, soll nicht verschwiegen werden. Die Rücksitze fallen einfach um.


Simples aber effizientes Head-Up-Display,neigbarer Monitor, zu viele Knöpfe zur Einstellung des Distance Alert; wie Peugeot selber sagt: fast ein Flugzeug-Cockpit.

Ein anderes Kapitel ist dann natürlich die Laderaumgrösse. Zwar verspricht die Zuladung von 486 Kg einen Lademeister, wer aber vom 308 SW ausgeht und viel Platz erwartet, ist möglicherweise etwas enttäuscht: 434 Liter sind an der unteren Grenze und die maximal 1‘243 Liter mögen im Alltag genügen, Businesskunden sind mit dem Kombi besser bedient.

Ganze Palette
Vom 3008 gibt’s nicht nur ein einziges Modell, sondern gleich eine ganze Familie: Zwei 1598 ccm-Benziner mit 120 und 150 PS sind erhältlich, dazu auch zwei Diesel, ein 1560 ccm-Diesel mit 110 PS, sowie ein 1997 ccm-Diesel, der 150 PS leistet.
Der 120 PS-Benziner und der 2-Liter-Diesel entsprechen der Euro 5-Abgasnorm.
Neben den vier Motorisierungen sind vier Ausstattungslinien zu kaufen: Trendy, Sport, Sport Pack und Platinum. Nicht alles ist mit allem kombinierbar, aber 10 Varianten sind es trotz¬dem, alle mit manueller Schaltung (ausser Basismodell alle mit 6-Gang-Getriebe). Dazu kann man immer noch diverse Extras kaufen, wobei sich diese Optionen aber dank guter Basisausstattung in Grenzen halten.
Ein eigentliches automatisches Getriebe ist nicht erhältlich. Ab Herbst wird es aber ein auto-matisiertes 6-Gang-Schaltgetriebe geben, gemäss Prospekt unverständlicherweise nur mit dem schwächsten Motor (110 PS).

Alle Sicherheitsfeatures sind bereits beim günstigsten Modell (Fr. 28‘950) serienmässig dabei. Kommt dann mehr Komfort hinzu, landet man bei den 150PS-Modellen in Platinum-Ausführung bei 39‘750 und 42‘150 Franken. Plus Zubehör.

Unser Testwagen
Der Peugeot 3008 mit dem 150 Turbo-PS leistenden 1600er Motor hat sein bestes Dreh-moment von 240 Nm bereits bei tiefen 1400 Touren. Er wiegt in der Platinum-Ausführung leer 1‘534 Kg und kostet 39‘750 Franken. Das Pack Leder intégral (1‘500 Franken), die metallisierte Farbe (650), das JBL Hi-Fi-System (700) und die «WIP Com 3D» genannte grosse Navi- und Musikausrüstung, die z.B. auch ein eigenes Telefon enthält, Sprach-erkennung oder eine 30 GB-Festplatte, für 3‘250 Franken, ergeben den Totalpreis von Fr. 45‘850. Eigentlich relativ viel Geld für ein relativ kleines Auto, das allerdings recht gut ausgestattet ist.


Dank der zweigeteilten Heckklappe muss Ladegut nicht so hoch gehoben werden. Dafür braucht man längere Arme, um es in den Kofferraum zu schieben oder zu heben.
Der flache vergrösserte Laderaum bildet sich auf simplen Knopfdruck, misst aber nur max. 1243 Liter.

Praxis
Wer öfters immer wieder andere Autos fährt, entwickelt möglicherweise ein anderes Sensorium und beurteilt eben anders als Leute, die immer im gleichen Auto sitzen. Was beim Test aufgefallen ist, muss nicht zwangsläufig für alle 3008-Fahrer gelten.

Das erste, was auffällt beim Einsteigen, ist die hohe Sitzposition. Fast wie bei einem «richtigen» SUV ergibt das eine gute Übersicht. Eine korrekte und bequeme Sitzposition kann einfach gefunden werden. Leider gibt es kein schlüsselloses Türöffnen und schon gar kein schlüsselloses Starten des Motors. Dies erfolgt «nach alter Väter Sitte» durch Einstecken und Drehen des einklappbaren Zündschlüssels. Auf die Frage nach dem heute doch bei immer mehr Marken und in immer mehr Modellen anzutreffenden und praktischen Keyless antwortete Peugeot-Suisse-Generaldirektor Jérôme Gautier: «Unsere Kunden wünschen das nicht». Na dann, wünschen wir das halt nicht. Praktisch wär’s aber schon, wie die Erfahrung bei vielen andern Autos gezeigt hat.

Bei den zwei besten Ausstattungsvarianten ist ein Head-Up-Display mit Distance Alert genanntem Abstandsradar eingebaut. Beim Starten des Motors erhebt sich vor der Front-scheibe ein Plexiglasscheibchen, auf dem in Digitalanzeige die gefahrene Geschwindigkeit angegeben wird. Ebenso wird angezeigt, ob der Tempomat (Cruise nennen das die Franzosen) eingeschaltet ist und auf welche Geschwindigkeit er programmiert ist. Ausser¬dem gibt ein separates Zeichen bei gefahrenen Geschwindigkeiten über ca. 70 Km/h den Sekundenabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug an und fängt bei Unterschreiten der gewählten Geschwindigkeit an zu blinken. Keine schlechte Sache, simpel und damit günstig gemacht. Nur dass es für das Einschalten und Wählen der Zeit mehrere sogenannte «Toggle Switches Wipptasten» (gemäss 3008-Prospekt) braucht, ist nervig, denn im Normalfall stellt man das einmal ein und dann ist’s gut.

Die Handbremse ist elektrisch. Sie zieht sich beim Parken selbständig an und wird beim Wegfahren wieder gelöst. Wie man sie zum Anziehen/Feststellen bringt, wenn man nur bei laufendem Motor anhalten und dabei nicht dauernd auf der Fussbremse stehen will, haben wir nicht herausgefunden. Der Hillholder zum Anfahren am Berg ist aber praktisch.
Und die nicht nur akustische, sondern auch genaue visuelle Anzeige der Einparkhilfe ist vom Besseren.

Im Ruhezustand ist der 7-Zoll-Farbmonitor eingeklappt, er erhebt sich beim Starten des Motors. Seine Neigung kann verändert werden. Trotzdem spiegelt das Bild oft in der Front-scheibe. Heutige Navigationsgeräte können meistens intuitiv, ohne Studium der Bedienungsanleitung, programmiert werden. Nur für gewisse Spezialfälle empfiehlt sich das Nachschlagen im Handbuch. Das wollten wir auch tun, um die Karte so auszurichten, dass statt Norden immer die Fahrtrichtung oben ist. Ist beim Fahren irgendwie logischer und verständlicher. Keiner der diversen möglichen Knöpfe half uns weiter – und das Handbuch leider auch nicht. Was liegt näher, als bei einem zufälligen Besuch in einer der grössten Peugeot-Garagen schnell um Hilfe zu fragen.
Der Empfangs- und Kundendienstchef sah sich dabei allerdings ausserstande, er verstehe nur etwas von Carrosserie. Aber der Herr X dort draussen, Chef …, der könne jemanden von seinen Leuten aus der Werkstatt rufen. Gesagt, getan. Der Herr war zwar sehr freundlich, hatte aber selber keine Ahnung und leider auch in der Werkstatt niemanden … «Können Sie vielleicht am Nachmittag noch einmal kommen?» Da auf der Durchfahrt, verzichteten wir – und ärgerten uns, da Peugeot bei uns sonst nicht auf diese Weise bekannt ist.

Der technische Schnickschnack mag da und dort etwas ablenken. Trotzdem ist uns aufgefallen, dass das Handschuhfach seinen Namen zu Recht trägt; mehr als Handschuhe haben da nicht Platz drin. Wer daheim eine Garage mit Kipptor hat, wird bemerken, dass da hinten auf dem 3008-Dach wie früher eine Stabantenne montiert ist. Die streift beim Einfahren in die Garage und muss zum Wieder-aus-der-Garage-Fahren entfernt werden. Auch das nervt, schon beim ersten Mal, geschweige, wenn man das täglich machen müsste. Jemand müsste Peugeot mal mitteilen, dass es heutzutage Scheibenantennen gibt, die funktionieren.


Das Intérieur ist hell und freundlich, der Einstieg auf alle Sitze gut.

Wie fährt er sich?
Ein klassisches Beispiel für das heute so moderne Downsizing. Bis vor wenigen Jahren hätte man von einem 1600er Turbo kein so souveränes Laufverhalten erwarten können. 150 PS, 240 Nm bei nur 1‘400 Touren, 8,9 Sekunden von Null auf Hundert und eine Spitze von 201 Km/h sind zufriedenstellende Eckwerte. Energieeffizienz C, 176 Gramm CO2/km und Euro4 sind ja nicht schlecht, bedeuten aber immerhin, dass noch etwas Entwicklungspotential vorhanden ist.

Technisch ist der 3008 auf der Höhe und weist einzelne Komponenten auf, die man eher in grösseren, teureren, schnelleren Autos erwartet. Für das Fahrverhalten bleibt uns nur zu sagen: Souverän. Man sitzt gut, der 3008 fährt gut, sicher, macht qualitativ einen sehr guten Eindruck. Ein Wermutstropfen ist das riesige Panoramadach: Es kann nämlich nicht geöffnet werden. Vergisst man die Abdeckung, brennt die Sonne ungehindert ins Wageninnere. Möchte man vor dem Wegfahren den heissen Innenraum schnell lüften, nützt einem ein Dach, das man nicht öffnen kann, natürlich nichts. Es gibt zwar haufenweise Leute, die das Panoramadach toll finden, auf Nachfrage aber nicht präzisieren können, was daran toll sein soll. Es ist serienmässig ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe. Separat kaufen (oder weglassen) kann man es nicht.

Durstig?
Die Werksangaben lauten 10,6 Liter städtisch, 5,6 Liter ausserstädtisch und 7,4 Liter Gesamtverbrauch. Nach mehreren längeren Autobahnfahrten zeigte der Bordcomputer kumuliert von 7,1 bis 7.4 Liter steigend an. Mit zunehmenden Kurz- und Kürzeststrecken stieg der Verbrauch auf 7.6 Liter. Das sind gute Werte.
Bei Übernahme des Testwagens wurde extra nachgefragt, ob der Tank auch wirklich voll sei, was bejaht wurde. Gemäss unserer Tankung verbrauchte der 3008 aber nicht 7.6, sondern 8,9 Liter. Jemand lügt; der Bordcomputer oder der, der behauptet hat, der Tank sei voll.
Eine der kurzen Distanz wegen nicht ganz repräsentative Messung ergab 5,59 Liter für 96 Km, was einen Durchschnitt von 5.8 Liter gibt (überwiegend Überland und Autobahn). Der Bordcomputer zeigte 7.0 statt der echten 5.8 Liter.
So oder so, der 3008 geht haushälterisch um mit dem teuren Most. Gemäss Prospekt würde der gleich starke Diesel übrigens nur 5,6 Liter, also 1.8 Liter weniger als der Benziner verbrauchen, bei etwas schlechteren Fahrleistungen, aber Energieeffizienz A und nur 146 g CO2/km.

Garantien
Während beim 308 Gratisservice und –reparaturen dabei sind, muss man das beim 3008 für Fr. 1‘750 extra bezahlen und das erst noch beschränkt auf die Zeit bis Ende September 09. Man erhält also nur gerade die minimalen 2 Jahre Garantie. Die 2 Jahre Peugeot Assistance sind auch eher auf der mageren Seite, während drei Jahre Lackgarantie und 12 Jahre Korro-sionsschutzgarantie eher gut tönen als dass sie einem effektiv etwas nützen.


Der 3008 ist sofort als Peugeot erkennbar: Die langgezogenen Scheinwerfer, der grosse Kühlergrill …

Fazit
Weil der Trend zu kleinen Crossovers ungebrochen ist, kommt der 3008 wohl spät, aber nicht zu spät. Von der Sicherheit her ist der 3008 top. Beim NCAP-Test erhielt der 3008 übrigens die Maximalnote mit 5 Sternen. 86% beim Erwachsenenschutz, 81% beim Kinder¬schutz und 31% Fussgängerschutz sind exzellente Werte. Die 97% für die Sicherheits¬systeme (Geschwindigkeitsbegrenzer, ESP und Gurtwarner) seien sogar die Bestnote.

Die etwas erhöhte Sitzposition und der gute Sitzkomfort, sowie das ausgereifte Fahrwerk, machen den 3008 zum komfortablen und sicheren Reisewagen. Die Ausstattung ist recht vollständig, könnte aber durch z.B. Keyless-Funktionen weiter verbessert werden.
Die Laderaumgrösse mag für viele stimmen, für Flottenbesitzer ist sie an der unteren Grenze. Sicher verbesserungswürdig sind – neben der Garantie – das zu kleine Handschuh¬fach, die in die Scheibe zu integrierende Radioantenne und die Einstellungen des Navi¬gationssystems. Einige Kleinigkeiten fallen den einen negativ auf, andere stört’s nicht.
Alles in allem sicher ein starkes, komfortables und eher sparsames Fahrzeug mit viel Komfort und Sicherheit, das aber auch seinen Preis hat.

Heiny Volkart , VOLKARTpress


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