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Published on Dezember 30th, 2020 | by Amadé Fries

Noch besser geworden

Als Schweizer mag man die Österreicher im Winter ja nicht sooo. Abgesehen von letzter Saison stehen sie unseren Skistars meistens vor der Sonne, den Ski-Tourismus haben sie auch besser im Griff und sind dabei noch günstiger. Doch das soll meinen Test dieses österreichischen Fabrikats nicht weiter beeinflussen. Zumal es kein einziger Betrachter mit Österreich in Verbindung bringen würde. Auch nicht mit Indien, obwohl der Konzern dort beheimatet ist. Ja, es geht um den neuesten Jaguar I-Pace MY2021, also Modelljahr 2021.

Anders als bei manchen Facelifts geht’s hier eben genau nicht um Botox und Hyaluron bzw. Alu und Kunststoff im Gesicht, sondern es geht tatsächlich einmal um die inneren Werte. Der I-Pace hat uns ja bereits überzeugt. Nur gab es ein grosses Manko: Das einphasige Laden. Und genau dieser Umstand wurde nun angepasst. Somit reicht nun eine Nacht an der Wallbox zuhause, um einen praktisch leeren Akku ganz zu füllen. Vorher war das mit 7 kW Ladeleistung bei einer Kapazität von 90 kWh etwas für Langschläfer. Natürlich gab es schon vorher die Möglichkeit, den CCS-Stecker einer Schnellladestation einzustöpseln. Aber erstens liegen die selten neben der eigenen Wohnung und zweites sollte man der Akkugesundheit wegen diese Option nicht zu häufig zücken.

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Also rein in die warme Stube und los. Wobei „warm“ bei winterlichen Temperaturen durch die Vortemperierfunktion nicht nur sprichwörtlich zu verstehen ist. Allerdings kostet das cosy Gefühl beim Einsteigen natürlich auch wieder Reichweite. Also lasse ich dieses Komfortfeature unbenutzt und mache mich auf die Suche nach der Sitzheizung. Ich muss etwas vorgreifen: Auch nach 1300 Kilometern habe ich sie im Test-I-Pace nicht gefunden. Immerhin wärmt einen die Lenkradheizung die klammen Finger und die Drähte in der Frontscheibe würden mir helfen, wäre ich ein Laternenparker. Doch der schicke Jaguar verschwindet bei mir in der Tiefgarage, wo er den vorgesehenen Platz imposant ausfüllt: 4,68 x 1,89 misst der Vollzeitelektriker. Neben einem Range Rover oder dem neuen Defender wirkt er dann aber doch eher zierlich. Alles relativ halt.

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Nicht relativ ist der Punch. Der ist absolut Hammer. Auch nach der Überarbeitung stürmt der I-Pace auf Geheiss ansatzlos davon. Wer nicht bereit ist und über einen empfindlichen Nacken veerfügt, kann beim Physio des Vertrauens schon mal einen Termin buchen. Noch eindrücklicher als der stehende Start ist das Einfädeln auf die Autobahn. Als würde man mit der Kamera zoomen zieht sich der Crossoveer vorwärts. Staunende Gesichter in den Verbrennerfraktion inklusive.

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Das Interieur ist noch immer ein schöner Ort, um zu fahren oder auch nur zu sein. Das fixe Panoramadach bringt zusätzlich Licht in den ohnehin schon geräumigen Innenraum. Das aufgefrischte Multimediasystem schaut nicht nur deutlich hübscher aus, es lässt sich auch besser bedienen. Die Icons sind frisch gestaltet und die jeweilige Touchfläche ist gross genug. Das Navigationssystem lotst zuverlässig bis zum Ziel und die Soundanlage verwöhnt mit prächtigem Sound.

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Soundmässig nicht so überzeugend ist das „dynamische“ Geräusch, dass man aktivieren kann. Solche Spielereien sind aber eigentlich gar nicht notwendig, die elektrische Fortbewegung im I-Pace ist so schon eindrücklich genug. Doch wie weit kommt man bei kalter Witterung und nicht gerade zögerlicher Fahrweise? Tatsächlich verbrauchte der 400 PS starke Stromer im Test bei permanent tiefen Aussentemperaturen 25,75 kWh auf 100 Kilometer. Das ist nicht wirklich sparsam, aber aufgrund der äusseren Bedingungen nachvollziehbar. Ein Blick auf den ersten I-Pace, den wir für zündung.ch testen durften zeigt aber: Schon damals verbrauchten wir 25 kWh. Somit bleiben im Alltag also wohl generell eher etwas mehr als 300 km statt die eigentlich versprochenen 400 Kilometer Reichweite.

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Reicht das? Diese Frage muss individuell beantwortet werden. Tatsächlich findet sich inzwischen auf praktisch jedem Rastplatz an Schweizer Autobahnen eine Schnellladestation, um den Akku kurz wieder ein bisschen aufzuladen. Somit ist die Alltagstauglichkeit sicher gegeben, zumal das dreiphasige Laden nun möglich ist. Wer das One-Pedal-Driving beherrscht, also das Fahren ohne das Bremspedal zu betätigen, kann bestimmt noch ein paar zusätzliche Kilometer rauswürgen. Der sanfte Übergang ins Rekuperieren will aber geübt sein.

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Und was kostet der „Österreicher“? Der getestete SE steht für einen Grundpreis von 95’000 CHF in der Preisliste. Typischerweise sind die Presseautos gut ausgestattet, so auch hier: Metalliclackierung, elektrisch verstellbare Sitze mit Memory, Luftfederung und adaptives Fahrwerk sind an Bord. Dazu kommen kleinere Posten wie die zwei Cupholder vorne (80 Franken) oder die Luftionisiierung (120 Franken). Am Ende steht unten rechts die Zahl 112’200. Sehr viel Geld für ein sehr gutes Elektroauto. Vor allem ein Elektroauto, das nicht nur spart, sondern dabei noch gut ausschaut, bequem ist, genügend Platz bietet und last but not least augesprochen viel Fahrspass bietet.

Das Gesamtpaket macht den überarbeiteten Jagar I-Pace weiterhin zum begehrenswertesten Elektroauto. Sogar so begehrenswert, dass manch ein Verbrennerfan sich einen Wechsel überlegen sollte.


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