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ORANGE BLOWER - Range Rover Sport

Published on Juni 29th, 2005 | by zuendung

ORANGE BLOWER – Range Rover Sport

Blau oder Orangemetallic. Eine dieser beiden Farben müsste es sein. Auf keinen Fall Dunkelgrün. Und schon gar nicht silberfarben. Orange steht dem neuen Range Sport besonders gut. Nur im Innenraum will die orange Farbe nicht recht gefallen: Verkaufsberater Issaka Sidi tankt 15 Liter Superbenzin, wonach die Tankanzeige noch immer orange in Reservestellung leuchtet. Vor dem Ausritt beschwört Issaka die Zündungspiloten, den 390 Pferden nicht gleich vor dem nächsten Blitzlicht die Sporen zu geben. Jaja, natürlich.

Gemächlich fliessen wir im Stadtverkehr. Schnell ist die gewohnte Range-Sitzpostition gefunden (stark erhöht, steifärschig gerader Rücken, den linken Ellbogen auf dem Fenstersims aufgestützt und den Arm senkrecht in die Höhe gestreckt, linke Hand leicht geneigt). Gemütliche Erinnerungen an die alten Range-Gondeln kommen auf. So weit, so unsportlich.
Nur bleibt dem Range Sport endlich die schwammige Fish and Chips-Umlauflenkung der Vorgängermodelle erspart, sie hat einer modernen Zahnstangenlenkung Platz gemacht. Entspannt und ohne Spiel dreht es sich nun am Lenkrad, sodass man sich als verwöhnter Bürger im kleinen Range sofort daheim fühlt. Das Innendesign ist gelungen, ja die Oberflächen fühlen sich angenehm an – Fertigungs- und Materialqualität überzeugen innen und aussen. Selbst Details wie die Radiobedienung sind übergross gestaltet und präzise zu bedienen.

Nun aber auf zum Sportplatz: Fällt die 50er Begrenzung, fällt der Fuss aufs Gas – parat um allenfalls gleich wieder auf die Bremse zu drücken, falls die 550 Newtonmeter den orangen Range zum glühen bringen. Weit gefehlt, der Fuss bleibt länger unten als erhofft. Der kompressorgeladene Jaguar-V8 brummt untenrum muskulös und heult unter Last gierig wie ein gradverzahntes Renngetriebe. Trotz angenehmer Motormusik bleibt der Freudenschrei jedoch aus, die acht Töpfe knallen einen nicht an die Rückenlehne. Und dennoch ist der Schub für einen Wagen dieser Grösse beachtlich, die Sechstufenautomatik von ZF sortiert blitzschnell die passende Fahrstufe, um die überschwere Orange optimal in Schwung zu bringen. Mit 6,75 Kilogramm pro PS spielt die Range Sport-Kapelle beinahe im selben Takt wie die Basis-Version des Lotus Elise. Allerdings käme eine Waage erst in der Balancestellung zu liegen, wenn der Range Rover Sport mit dreieinhalb (!) Elise aufgewogen würde. Somit entspricht das Beschleunigungsverhalten etwa dem eines Audi RS4 (falls Letzterer mit Pflastersteinen beladen ist und einen Pferdeanhänger mit sich zieht).

Skandalöse 2,7 Tonnen stemmen sich also dem schönen Viernockenwellen-V8 entgegen. Well, you know, das ist doch Wurst, Leichtbau soll diejenigen plagen, die gern weich geklopft und mit Knackgeräuschen berieselt werden. Der Sport dagegen rollt dank seiner Masse majestätisch dahin, die Einzelradaufhängung filtert Fahrbahnunebenheiten, die dicken Türen befreien einen von Roll- und anderen Nebengeräuschen. Wenn es aber drauf ankommt, wedelt der Range Rover sportlich neutral durch die Spurgassen, ohne gross zur Seite zu neigen – und stabilisiert sich im Falle eines Ausbrechers elektronisch. Ein Tritt aufs Bremspedal lässt einen das hohe Gewicht wieder spüren: Die Vierkolben-Brembosättel packen zwar energisch zu, kämpfen aber spürbar gegen die rein physikalisch nicht wegdiskutierbare Masse eines beladenen Kleinlasters an.

Trotz Sport-PS und Nürburgring-Fahrwerksabstimmung bleibt der kleine Range Rover seiner Familie treu. Das ist nicht negativ gemeint, er ist ein echter Range Rover, der den Fahrer mit Stil, Qualität und Prestige wie keiner seiner Vorfahren verwöhnt. Einzig an der Tankstelle könnte der eine oder andere Rangepilot den supercharged V8 wohl verwünschen: einem Testbericht zufolge soll sich der Kleine bis zu 28 Liter Super auf 100 Kilometer gegönnt haben…
Umso mehr freuen wir uns auf den Ende 2005 erscheinenden Range Rover Sport mit sparsamem Diesel-V8.
Die 2,7 Tonnen wiegende Orange ist eine ehrfürchtige Erscheinung, nicht nur aufgrund ihrer Leuchtfarbe – oder gerade in Kombination mit ihr: Wenn sie auf der linken Seite vorbei schiesst, kriegen sich Fahrer von schnellen Kombis kaum mehr ein.

Ein dickes Dankeschön für den grosszügigen Ausritt geht an die Emil Frey Garage Zürich Nord und an Issaka Sidi für die freundliche und unkomplizierte Art. Danke auch der Dübendorfer AG in Bassersdorf für die Fotografiererlaubnis.


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