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Published on Mai 3rd, 2020 | by Heiny Volkart

Teilzeit – Stromer

Opel Grandland X Hybrid 4

Teilzeit – Stromer

Bis 2024 will Opel alle seine Modelle auch in einer elektrifizierten Variante anbieten. Der Grandland X ist eine davon. Ihn gibt es als Plug-in-Hybrid (PHEV).

Den Opel Grandland X haben wir seit seinem Erscheinen 2017 schon mehrmals als Thema gehabt. Zum Beispiel hier: http://zuendung.ch/fahrbericht/x-mal-3/ (2017) und hier: http://zuendung.ch/fahrbericht/der-ultimative/ (2018) und dann vor einem Jahr auch noch hier: http://zuendung.ch/fahrbericht/aller-guten-dinge/ (2019). Seit Februar 2020 steht nun auch die stärkste Grandland-Variante im Verkauf, der Hybrid mit 300 PS. Und der ist so speziell, dass man darüber auch noch ein paar Worte verlieren muss. Zum Grandland selber haben wir genug gesagt; jetzt geht’s um die Hybrid-Technik und wie sich der «Hybrid4» genannte neue Typ im Verkehr, im Alltag, so macht.

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Zuerst ein ganz kurzer Überblick über die verschiedenen Arten der aktuell existierenden Hybride. Die sogenannten Mild Hybrids lassen wir weg. Mit ihren sehr kleinen Zusatzbatterien helfen sie – vielleicht – den Treibstoffverbrauch um einen Dezi zu senken und die Beschleunigung um einen Zehntel zu verbessern. Viel Sinn ergibt das nicht.

Dann gibt’s die Vollhybriden. Auch sie haben eine relativ kleine Zusatzbatterie (~2 kWh), mit der aber immerhin kurze Abschnitte elektrisch gefahren werden können. Die Batterie lädt sich beim Fahren auf, durch Rekuperation oder durch den Benzinmotor. Sie müssen nie an eine Steckdose. Eigene Erfahrungen während fünf Jahren mit so einem Auto haben erkleckliche Benzineinsparungen erbracht und dank der Zusatzpower auch für Fahrspass gesorgt. Je nach Fahrstrecke und Fahrweise konnten 25 und mehr Prozent elektrisch gefahren werden.

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Dann gibt’s natürlich das rein elektrisch angetriebene Auto, E-Auto genannt, im Jargon BEV, für Battery Electric Vehicle. Die waren bis vor kurzem noch sehr teuer und hatten oft eine geringe Reichweite. Kommt dazu, dass je grösser die Batterie, desto schwerer ist sie. Kommt auch noch dazu, dass die Ladeinfrastruktur noch nicht sehr ausgebaut ist und deshalb immer etwas die Sorge mitfährt, ob man wieder nach Hause kommen werde.

Ein Plug-in-Hybrid, wie auch der neue Grandland X Hybrid4 einer ist, nimmt einem da viele Sorgen ab. PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle), haben eine Batterie in einer Grösse, die für 40 bis 50 Km elektrisches Fahren reicht. Je nach Marke und Modell sind das in der Regel so 11 bis 16 kWh. Es ist ein Auto mit Verbrennungsmotor und elektrischer Unterstützung. Die Batterie kann an der heimischen Steckdose aufgeladen werden oder unterwegs an einer Wallbox. Soviel zur allgemeinen Übersicht.

Opel Grandland X Hybrid4

Die Steckdose für das Stromtanken ist auf der linken Seite, der Benzineinfüllstutzen ist rechts.

Opel Grandland X Hybrid 4

Der Grandland X Hybrid4 verfügt über einen 1598 ccm kleinen direkt eingespritzten Turbobenziner, der 200 PS leistet (Euro 6d). Dazu kommt ein 110 PS (81 kW) leistender Elektromotor vorne, der seine Kraft über eine 8-Stufen-Automatik an die Vorderräder abgibt. Damit nicht genug: Auch hinten gibt’s einen Elektromotor, der 113 PS (83 kW) leistet und die Hinterräder antreibt. Voilà, mit etwas Elektronik haben wir damit einen Allradler. Es ist nun nicht so, dass man die drei PS-Zahlen des Benzin- und der zwei Elektromotoren einfach zusammenzählen kann; die sogenannte Systemleistung ist nicht 423 PS, aber doch immer noch beachtliche 300 PS. Die zwei Elektromotoren beziehen ihren Saft aus einer 13.2 kWh Lithium-Ionen-Batterie, die 370 Kg wiegt. Wahnsinn.

Dies reicht, um – gemäss techn. Unterlagen – 52 bis 59 Km weit fahren zu können (WLTP). Nach Vollladung wurden aber im Auto jeweils 48 Km bis höchstens 54 Km Reichweite angegeben.

Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Tagesleistung der Schweizer Autofahrer 35 bis 40 Km beträgt, kann man eigentlich mit dem Opel Hybriden den ganzen Tag elektrisch fahren, über Nacht laden und am nächsten Tag wieder elektrisch fahren …  Aber es gibt ja Tage, an denen man etwas weiter fahren will oder muss und da kommt dann der Turbobenziner im Grandland zum Einsatz. Da man an jeder Tankstelle Benzin tanken kann, ist damit die Reichweite auf unendlich gewachsen.

Opel Grandland X Hybrid4

Mit der Wipptaste “Drive Mode” kann von Electric auf Hybrid, Allrad oder Sport geschaltet werden.

Wir gehen zum Auto

Äusserlich ist der Hybrid erkennbar an der schwarzen Motorhaube. Dach, Haube und Spiegel schwarz kosten 190 Franken Aufpreis. Die 19“-Reifen (205/55) sind Serie. Unser Testwagen in der Topversion Ultimate verfügt über jede Menge serienmässiger Ausstattung, was Sicherheit als auch Komfort betrifft. Links hinten ist eine Tankklappe für den Stromstecker, rechts hinten eine fürs Benzin. Das Auto ist recht hoch (161 cm) und knapp 448 cm lang. Dank des Radstandes von 267.5 cm wirkt der GL trotzdem einigermassen gestreckt.

Dank der Höhe des Autos steigt man bequem ein und sitzt etwas erhöht auf schwarzen Ledersesseln, die dank beige abgesteppter Nähte sehr elegant wirken. Die «Premium-Ergonomiesitze» der Aktion Gesunder Rücken (AGR) sind zwar bequem und komfortabel und vielfältig ver- und einstellbar, kosten aber auch happige 1‘600 Franken Aufpreis. Da wir in den letzten Jahren nur Opel mit diesen AGR-Sitzen gefahren sind, wissen wir gar nicht, wie schlecht man allenfalls auf Sitzen ohne Aufpreis sitzen könnte. Der Testwagen war mit einer Vielzahl an Sonderausstattungen versehen, die teilweise nur wenig kosten (50, 80, 125, 150 Franken), aber Teppiche, seitliche Sonnenschutzrollos, Aschenbecher, CD-Player, Wireless Charging usf. machen das Fahren halt doch oft angenehmer. Alles in allem waren in unserem Testwagen für knapp 6‘000 Franken Extras eingebaut. Nur die in der kühlen Jahreszeit so geschätzte Lenkradheizung fehlt leider. An den Kosten oder am Stromverbrauch kann’s nicht liegen?

Die 54‘900 Franken, die der Ultimate kostet, wurden so zu CHF 60‘765. Das scheint zwar eher teuer zu sein, ein Preisvergleich mit der direkten Konkurrenz ergibt aber, dass Opel gut im Rennen liegt. Als Excellence kann man den Grandland X Hybrid4 schon ab CHF 49‘900 kaufen. Das direkte Schwestermodell von Peugeot (3008 Hybrid) kostet sogar um die 10‘000 Franken mehr.

Was bietet denn der Opel Hybrid? Bequemen Platz für fünf Personen (na gut, bequem für vier, Platz für fünf). Der Kofferraum hat scheinbar nur Platz für 390 Liter (scheint grösser), kann aber mit umgelegten Rücksitzen 1‘528 Liter aufnehmen. Die Zuladung beträgt 413 Kg. Der leer 1937 Kg wiegende GL kommt dann auf ein Gesamtgewicht von 2350 Kg. Dank des guten Drehmomentes des Elektroantriebes spürt man dieses Gewicht kaum – ausser in schnell gefahrenen Kurven, da drängen die 2.3 Tonnen mächtig nach aussen.

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Im Kofferraum liegt die 1’050 Franken teure Juice-Box, die das Ladekabel und div. Anschlusskupplungen enthält. Clever, aber teuer.

Wie fährt er sich?

Nach dem Druck auf den Startknopf passiert gar nichts, wie üblich in einem Elektroauto. Die Instrumente pegeln sich ein, es melden sich diverse Systeme «ready». Wegfahren tut der Grandland immer in der Stellung «Electric». An einem Wippschalter stehen zur Verfügung AWD (Allrad), Sport (alle drei Motoren zusammen) und Hybrid. Letztere ist die wohl vernünftigste Einstellung. Sie lässt das Auto selber entscheiden, wann welcher Antrieb der richtige ist. Nach Abfahrt muss man IMMER zuerst an dieser Wipptaste herumdrücken, um auf Hybrid zu schalten. Man sollte den gewünschten Fahrmodus voreinstellen können, um nicht bei jeder Abfahrt neu herumdrücken zu müssen.

Es gibt ausser AWD, Sport, Electric und Hybrid sogar noch eine fünfte Einstellung: eSave. Da die elektrische Reichweite ja nicht besonders gross ist und das Auto auf längeren Strecken auch immer wieder Strom bezieht, ist dann bald einmal keine elektrische Reichweite mehr vorhanden. Man wäre aber am Ziel gerne elektrisch in die Stadt gefahren, muss das vielleicht an gewissen Orten sogar. Nach Drücken der eSave-Taste kann schon bei der Abfahrt eingestellt werden, ob man für 10 Km oder für 20 Km Strom oder sogar die ganze elektrische Reichweite behalten möchte und die dann freisetzen will, wenn der Bedarf da ist. Clevere Sache. Allerdings muss man das nach jedem Motorstart wieder neu aktivieren. Mühsam.

Normalerweise laden Hybriden beim vom Gas gehen und beim Bremsen die Batterie (rekuperieren). Der Grandland rekuperiert im Normalfall fast nicht; er rollt wie ein normales Auto. Wenn man auf ein Rotlicht oder eine Stopstrasse zufährt, zieht man am Schalthebel und der Grandland bremst etwas – und lädt die Batterie. One-pedal-Driving (also Fahren ohne Bremspedal) ist jedoch nicht möglich. Auch muss es, um da einen oder zwei Zusatzkilometer zu laden, schon recht lange bergab gehen. Aber immerhin.

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Trotz “nur” 4.48m Länge und 1.61m Höhe sieht der Grandland X nicht pummelig aus.

Das Laden

Die kleine 13,2 kW-Batterie bewirkt, dass man öfters, täglich oder gar mehrmals täglich, laden muss. Wer nur die Durchschnittsstrecke von 35 bis 45 Km pro Tag fährt und also den ganzen Tag elektrisch fährt, kann den Wagen am Abend in der heimischen Garage an der Haushaltsteckdose anschliessen (max. 1.8 kWh). Nach acht bis zehn Stunden, also am nächsten Morgen, ist die Batterie wieder voll und es stehen wieder um die 50 Km zur Verfügung.

Da es jede Menge verschiedene Stromsysteme gibt, verkauft Opel mit dem Auto einen Koffer, Juice-Box genannt. Darin ist das Ladekabel und diverse Anschlussstücke, sodass man an fast jeder Steckdose Strom tanken kann. Die Juice-Box kostet allerdings beachtliche 1‘050 Franken. Das finden wir etwas teuer.

Wer mehr und öfter fährt, muss öfter laden und hätte das gerne schneller. Am Teststandort stand eine eigene 11 kW-Wallbox zur Verfügung. Der Grandland lädt aber nur mit 3.7 kW. Es dauert also eine Ewigkeit, bis die Batterie wieder voll ist. Unser Testwagen lud 12 Km pro Stunde. Das ist mühsam, vor allem für den dieselbe Wallbox verwendenden E-Auto-Fahrer, der warten muss, bis der Opel eeeendlich geladen ist. In solchen Fällen würde es sich lohnen, für 690 Franken Aufpreis die Möglichkeit dazuzukaufen, mit 7.4 kW laden zu können. Damit wäre die Batterie nach rund 2 Stunden geladen. Im Normalfall dauert es aber effektiv rund 4 Stunden (Die Angaben am Armaturenbrett sind meist ungenau).

Das Fahren: Das Fahren mit dem Grandland-Hybriden ist unspektakulär. Dem Auto sieht man seine Qualitäten nicht an. Braucht man aber einmal das maximale Spurtvermögen (6.1 Sekunden von 0 auf 100) kann man dann schon eher jemanden verblüffen.

Der Verbrauch.

Der unrealistische NEFZ-Verbrauch ist glücklicherweise Geschichte. Die realistischere WLTP-Norm ist aber auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss: Der in den Tech. Daten genannte Benzinverbrauch von 1.2 bis 1.7 Liter ist völlig unrealistisch, hilft aber, das momentan noch praktisch unerreichbare CO2-Ziel von 95 g/km zu erreichen. Darum immer selber messen und so Erfahrungswerte sammeln! Beim Grandland X Hybrid 4 braucht man nun zwei Werte, den Benzinverbrauch in Litern und den Stromverbrauch in kWh.

Wer das Auto auch mal auf längeren Strecken einsetzt, der braucht von beidem, vom Benzin und vom Strom. Wir haben Fahrten in der Umgebung immer rein elektrisch absolviert und nur für längere Strecken auf Hybrid geschaltet. So haben wir rund die Hälfte der gesamten Testfahrten elektrisch absolvieren können.

In der zweiwöchigen Testzeit haben wir den Grandland sieben Mal geladen. Dank der eigenen Wallbox konnte die jeweils geladene Strommenge exakt bestimmt werden. Auf 100 Km umgerechnet waren es 22.70 kWh. Das ist ausserordentlich viel, denn das Auto wurde im völlig normalen Alltagsbetrieb eingesetzt. Da Hybrid wurde natürlich auch Benzin verbraucht. Die dabei verbrauchten 4.08 Lt. pro 100 Km sind für ein fast 2 Tonnen schweres Auto sehr gut (aber weit weg von den 1.7 lt. gemäss Prospekt). Bei einer reinen Benzinfahrt haben wir 7.1 Lt. verbraucht. In Anbetracht dessen, dass da auch die schwere Batterie und zwei Elektromotoren umhergeschleppt werden mussten, sind die 7.1 L

Der Hybridverbrauch bei rund 50% Benzin- und 50% Stromeinsatz betrug auf 100 Km umgerechnet 4.08 Lt. Benzin und 22.7 kWh Strom. Die Kosten wären dann um die 7.80 Franken pro 100 Km (4.08 lt. Benzin + 11.35 kWh). Ein Diesel hätte für 100 Km auch für 7 bis 8 Franken Treibstoff verbraucht.

Würde man mit dem GLX H4 mit Nachladen rein elektrisch fahren, würden die 22.7 kWh CHF 4.54 kosten (20 Rp. Pro kWh).

Fazit: Man zahlt mehr fürs Auto, braucht weniger Benzin, der Treibstoff (Strom und Benzin) wird immer günstiger, je mehr man elektrisch fährt. Mit 50% Benzinbetrieb und 50% Stromanteil ist der Hybrid bei den Treibstoffkosten etwa gleich teuer wie ein Diesel.

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Resumé

Für wen ist nun der Grandland Hybrid das geeignete Auto? Langstreckenfahrer, Aussendienstler, sind sicher mit dem Diesel besser bedient (viel tieferer Preis, tiefer Verbrauch). Bei Tageskilometerleistungen von 300 Km und mehr reicht der Strom ja nur für jeweils 50 Km. In den andern 250 und mehr Km schleppt man schwere Elektromotoren und eine leere Batterie mit sich herum, was Energie verbraucht.

Wer aber oft kürzere Strecken fährt und auf ein repräsentatives und sehr gut ausgestattetes Auto Wert legt, dem kann zum Grandland X Hybrid 4 geraten werden. Er fährt dann sehr oft umweltfreundlich mit Strom und spart trotz hohem Stromverbrauch dabei noch Geld.

Heiny Volkart, VOLKARTpress, Mai 2020


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