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Published on Juni 22nd, 2018 | by Amadé Fries

Doppelt hält besser

Auf den ersten Blick erscheint der Plugin einfach ein weiterer Prius zu sein. Doch auf den zweiten eröffnet er dem Betrachter doch einige Unterschiede zum Klassiker, den Toyota mittlerweile in vierter Generation fertigt. Auffällig sind die LED-Scheinwerfer, die einen fast schon unanständig aggressiven Blick erzeugen. Die etwas längere Heckklappe ist geschwungen, erinnert schon fast an die legendären Double-Bubble-Dächer von Zagato. Insgesamt bleibt ein überzeugender optischer Eindruck hängen. Ein Auto, das irgendwie nach Zukunft ausschaut.

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Natürlich gibt es auch beidseitige Klappen, die einen darauf hinweisen könnten, dass hier die Kraft der zwei Herzen arbeitet. Also fülle ich die beiden Energiespeicher auf, um zu testen, wie weit ich rein elektrisch tatsächlich komme und um danach nicht gleich mit leerem Benzintank stehen zu bleiben. Die Sonne hilft mir übrigens dabei: Der Test-Prius hat das optionale Solardach, das die Strahlkraft der Sonne zum Befüllen der Batterie nutzt.

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Innen betätige den bekannten Gangknubbel, um den Eco-Pionier in Bewegung zu setzen. Lautlos rollt er los. Bis 130 Stundenkilometer soll er ganz ohne Zuhilfenahme des Verbrenneraggregats erreichen können. Als ich auf die Autobahn einbiege, will ich genau das ausprobieren. Doch auch wenn der PlugIn bis jetzt rein elektrisch vorwärts kam, für die hier gefragte rasante Beschleunigung greift er auf die altbewährte Methode zurück: Der Verbrenner springt an. Möglich, dass dies vermieden werden könnte, würde man mit federleichtem Gasfuss auf die Autobahn einfahren. Doch damit macht man sich kaum Freunde. Tatsächlich schaltet sich der Ottomotor später wieder aus und ich rolle mit 125 Tacho-km/h auf der linken Spur an den Lastwagen vorbei.

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Ein edles Gefühl, diese rein elektrische Fortbewegung, zumal sich Windgeräusche ebenso in Grenzen halten wie das Poltern der Räder. Laut Toyota wurde gerade auch im akustischen Bereich weiter verbessert, was der normale Prius bereits gut kann. Und auch Fans von Supersportwagen kommen auf ihre Kosten: Die Heckklappe ist aus Carbon gefertigt. Jedes Mal, wenn man das Ladekabel rausholt, ergibt sich ein Blick auf den edlen Stoff.

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Carbon? Das muss teuer sein. Richtig. So einen PlugIn-Prius gibt’s nicht für lau. 43’000 Franken werden für den Testwagen aufgerufen. Da erstaunt es, dass Parkpiepser durch gänzliche Abwesenheit glänzen. Dafür gibt es Rückfahrkamera, Aufmerksamkeits- und Spurhalteassistent mit an Bord. Navi und damit ein grosser Touchscreen gehören heute sowieso schon zum guten Ton. Für letzteren hat man auch denkbar einfach Anschlussmöglichkeiten für Handies geschaffen. Laden kann man selbige zudem denkbar einfach in einer perfekt gelegenen induktiven Lademulde, dort wo sich normalerweise der Ganghebel befindet. Sehr zeitgemäss.

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Überhaupt ist der Toyota Prius PlugIn Hybrid ein Typ für den Alltag. Bequeme Sitze, leichtgängige Lenkung, grosse Fensterflächen und gutes Entertainment machen den Aufenhalt angenehmer. Schön wäre gewesen, man hätte für die Regelung der Lautstärke einen Drehkopf aus der alten Welt rüber gerettet, denn die Touchscreenlösung scheint mir dafür denkbar ungünstig.

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Wie günstig der Strom zum Aufladen ist, hat mich überrascht. Vielerorts kann man gratis „Auftanken“. Und wer seine Freunde beim Besuch nett fragt, darf bestimmt auch was aus deren Garage abzapfen. Nach einer Strecke, die normalerweise bald einen Tankstopp angebracht wäre dann der Test aufs Exempel: Wie viel Benzin hat der PlugIn nun verbraucht? Abgesehen von zwei etwas längeren Fahrten habe ich versucht, ihn bei jeder Gelegenheit aufzuladen. Auf den 550 km verbrauchte er so im Schnitt noch 2,48 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Ein umso akzeptablerer Wert, wenn man den Gratisstrom bedenkt, der jeweils in die Batterie floss. Natürlich wird sich das in den kommenden Jahren ändern, wenn viel mehr Fahrzeuge an die Steckdose müssen.

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Überhaupt scheint mir die Lösung mit dem PlugIn-Hybridantrieb eine ideale für die Übergangszeit zum reinen Elektroantrieb zu sein. Diese Übergangszeit dürfte noch zehn Jahre dauern. Bis dahin sollten die durchaus erreichbaren 60 Kilometer an elektrischer Reichweite im Alltag ausreichen, um die meisten Strecken ganz ohne Benzinverbrauch zu absolvieren. Die bei reinen Elektroautos doch stets präsente Range Anxiety fällt weg, wenn noch ein voller Tank mit fossilem Brennstoff an Bord ist.

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Beim Prius PlugIn Hybrid kommt dazu, dass er ein typischer Toyota ist. Reinsitzen, D einlegen und einfach losfahren. Sportliche Allüren hat er selbst im Powermodus keine. Man hat in diesem dermassen entspannten Auto aber auch gar nicht erst Lust, wie ein Hobbyrennfahrer um die Kurve zu fliegen. Viel eher erfreut man sich an den Grafiken, die anzeigen, dass man gerade Strom vom Dach bezieht. Übrigens hat sich Toyota doch noch einen kleinen Fehler erlaubt, diesen aber sofort wieder korrigiert: Weil der Knopf für die Beifahrersitzheizung hinter der Mittelkonsole und somit für den Fahrer unsichtbar liegt, musste neben jenem für die Fahrersitzheizung eine Kontrollleuchte angebracht werden. Für diese Art von Perfektionismus muss man die Japaner einfach lieben.

Überhaupt ist der Toyota Prius PlugIn Hybrid ein Auto zum gern haben. Ok, seine Optik mag polarisieren. Abgesehen davon ist er nicht nur ein ungemein praktisches Alltagsgefährt, sondern eines, das mit wohl überlegten Detaillösungen zu erfreuen mag. So versteckt sich in den schmalen Frontleuchten modernste Lichttechnik, die das nächtliche Umfeld hell erleuchtet und dabei alle anderen Autos ausspart. Genial. Wer sich den doch relativ teuren Spass gönnt, erhält also nicht nur ein ökologisch reines Gewissen, sondern eine durchdachte Maschine, die man einfach mögen muss.


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