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Spass ohne Reue

Infiniti M35h GT Premium

Geschrieben von Heiny Volkart.


Fahrbericht Infiniti M35h GT Premium

Spass ohne Reue

Wer Umweltschutz und Autofahren in einem Atemzug sagt, hat meistens irgendeine schwachbrüstige Spassbremse im Hinterkopf. Der Hybrid von Infiniti ist das pure Gegenteil.



Infiniti, «Inspired Performance», die Premium-/Luxusmarke von Nissan, ist seit 1989 vorwiegend in den USA und in Russland präsent, verstärkt aber seit rund zwei Jahren die Verkaufsanstrengungen auch in Europa. Der Hauptsitz für Europa befindet sich in Rolle am Genfersee. Dass auch die Schweiz interessant ist für Infiniti, zeigt sich am Ausbau der Verkaufszentren; nach Genf erhielt auch Zürich (Seebach) und Basel (Kaiseraugst) eines der auf der ganzen Welt gleich aussehenden Zentren. Dort stehen alle Modelle, vom Dinosaurier FX, über den Crossover EX, die «kleinen», aber nicht mehr ganz taufrischen G-Modelle (auch als Allradler, Coupé und Cabriolet erhältlich) bis zu den M-Modellen, die seit rund 1 ½ Jahren auch in der Schweiz erhältlich sind und jetzt in 34 Ländern angeboten werden. Um der aktuellen CO2-Hysterie begegnen zu können, können die meisten Modelle ausser den traditionellen 3.7 lt.-V6-Benzinern auch mit einem aus dem Renault-Regal stammenden 3-Liter-Diesel mit 238 PS geliefert werden.

Bereits beim Europa-Lancement des M war von einem Hybriden die Rede. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan führte dann zu einer Verzögerung im Programm, aber seit Mitte 2011 ist der M auch in einer Hybrid-Version erhältlich. Aber nicht nur als «Wir auch»-Alibi-Hybrid, sondern die M35h genannte Komfortlimousine hat sich «im Buch der Rekorde einen Platz als beschleunigungsstärkster Vollhybrid der Welt ersprintet».



Äusserlich unterscheidet sich die Hybridversion praktisch in nichts von den diesel- und benzinbefeuerten Versionen: Stattliche 4.95m lang, 1.50m hoch und 1.85m / 2.06m (ohne/mit Spiegel) breit und mit 2.90m Radstand ist der M eine stattliche Erscheinung, ja ein eigentlicher Trumm. Die A6, 5er BMW, die E-Benzen oder XF-Jaguar, mit denen sich die Infiniti M messen wollen, sind da zum Teil doch etwas feiner und leichter wirkend gezeichnet. Aber die M-Linie wirkt trotzdem sehr ausgewogen, die japanischen Designer verstehen ihr Handwerk. Adeyaka halt (Luxus, Eleganz, Klasse). Und das Interieur ist, wie bei Infiniti gewohnt, vom Feinsten, sowohl was Farbkombinationen als auch die Materialien anbelangt.

Der Hybrid
Statt des 3.7lt.-Säufers wählte man den etwas einfacher (bezüglich Ventilsteuerung) gebauten 3.5 lt.-V6, der 306 PS leistet und über ein Drehmoment von 350 Nm bei 5‘000 U/min verfügt. An und für sich schon eine Motorisierung, die Freude bereitet, aber noch kein Quantensprung. Darum hat man dem Benziner noch einen 68 PS (50 kW) starken Elektromotor zugesellt, was zu einer kombinierten Systemleistung von 364 PS (268 kW) führt. Und damit kann der M35h nun in lediglich 5,5 Sekunden von 0 auf 100 sprinten, 7 Zehntel schneller als der 3,7 lt.-Benziner, 1.4 Sekunden schneller als der V6-Diesel. Wow!
Die Lithium-Ionen-Batterie leistet 346V und hat eine Kapazität von nur 1.4 kWh. Von beiden Motoren geht die Leistung an die Hinterräder. Statt G (Benziner) oder E (Diesel) erfüllt der Hybrid die Schadstoffklasse C. Euro 5 ist selbstverständlich.



Nun hat Infiniti mit dem Modelljahrgang 2012 die Effizienz des «Rekordhybriden» sogar noch gesteigert und die «Kraftstoffeffizienz verbessert». Mit Hilfe einer optimierten Batteriesteuerung sinkt der CO2-Ausstoss auf nun 159 g/km. Nun sei der bisher schon bei Unternehmen beliebte M35h ebenso mitreissend wie vernünftig, eine «gern gesehene Kombination», wie die Infiniti-Presseabteilung meint dazu. In einem von unabhängiger Stelle durchgeführten Verbrauchstest ergab sich für den M35h ein Wert von 6.49 Liter, sogar 6% weniger als die offizielle Verbrauchsangabe. Die lautet neu: 9 Liter innerorts, 5.6 Liter ausserorts und 6.9 Liter kombiniert, was 1 bis 2 Dezi weniger ist als noch beim 11er Modell.
Nicht zu vergessen, dass wir von einem fast 5 Meter langen und 1870 Kg schweren Auto reden. Der Hybrid hat übrigens 2 Kupplungen, eine zwischen dem V6-Benziner und dem Elektromotor, womit der V6 komplett abgekoppelt wird, wenn das Auto sich im Elektrofahrbetrieb (EV) oder Energierückgewinnungs-Modus befindet. Die zweite Kupplung sitzt auf der andern Seite des Elektromotors und ersetzt den Drehmomentwandler. Dadurch wird das 7-Stufen-Automatikgetriebe sozusagen zum automatisierten Schaltgetriebe, was bis zu 10% Benzin spart gegenüber dem Modell mit herkömmlicher Wandlerautomatik. Der Wechsel der Gänge erfolgt völlig ruckfrei und die Beschleunigung ist sehr geschmeidig.

Nicht nur das Getriebe und die Kraftübertragung sind sehr innovativ, auch alle andern Komponenten beweisen, dass da Profis am Werk waren, die etwas studiert haben und keinen Aufwand gescheut haben und man nicht einfach «auch einen Hybriden» haben wollte.

Alles dabei
Wie gewohnt von Infiniti, ist von Haus aus schon alles dabei. Ledersitze (beheiz- und belüftbar), handpolierte Innenverkleidung, Bi-Xenon, Kurvenlicht, einfach alles, was man so braucht und noch viel mehr.
Auch die gewohnten Assistenten stehen zur Verfügung, also Toter Winkel-Warnsystem, Auffahrwarnsystem, Abstandsradar, Spurverlassens- und Spurhalteassistent, 30 GB-HDD-Navi, Klimaautomatik, Infosystem, und so fort, bis zum Schiebedach.



Der Fahrbericht
Wie gewohnt bleibt der Schlüssel in der Tasche; die Fahrertür öffnet man mit Fingerdruck auf das Knöpfchen an der Türfalle. Nach Drücken der Fussbremse und des Engine-Start-Knopfes fährt der Sitz nach vorn und das Lenkrad nach unten auf die zuletzt gespeicherte Position. Lenkrad und Sitze lassen sich elektrisch in allen Richtungen verstellen und die Positionen für verschiedene Fahrer speichern. In kaltem Zustand ist nun der V6 angelaufen, bei warmem Motor fährt man oft als EV (Electric Vehicle) langsam aus dem Parkplatz. Fussgänger werden dabei von einem feinen Bip bip bip gewarnt.
Je nach Druck aufs Gaspedal hört man den V6 leise brummeln. Manch eine(r) hätte den 306 PS starken V6 gerne etwas lauter, aber der M35h macht ganz auf Komfort und ist sehr diskret. Die Laufruhe ist tatsächlich frappant.
Am grossen Monitor kann der Energiefluss beobachtet werden. Kaum geht man vom Gas, lädt der Schub die Batterie, geht man wieder leicht aufs Gas, fährt man elektrisch. Wenn es sogar leicht abwärts geht, kann man so relativ lange, mehrere Kilometer, fast rein elektrisch fahren. Im Alltag aber sind die Batteriezellen viel zu schnell leer. Schade, denn elektrisch fahren mit diesem grossen Auto macht echt Spass.
Man kann allerdings nicht nur umher schleichen mit dem M35h. Selbst rein elektrisch lässt sich der M35h bis auf 100 Km/h beschleunigen, das braucht ein feines Gasfüsschen. Mit 90 Km/h sind wir während des Tests jedenfalls mit viel Spass effektiv rein elektrisch gefahren.

Auf Bergstrecken mit Haarnadelkurven kommt dann der andere Charakter des M35h zum Vorschein. Da arbeiten beim Beschleunigen beide Motoren zusammen und die Batterie wird vor allem beim Bremsen vor den Kurven geladen. Die 5.5 Sekunden von 0 auf 100 sind zwar kurz, wir haben’s nicht gemessen, aber glauben es jetzt einfach mal. Jedenfalls hört man dann auch endlich den 3,5 Liter-V6 mal arbeiten. Das Fahrgestell macht einen sicheren Eindruck, in schnellen Kurven wird der Trumm plötzlich ganz lebendig und macht Spass, wenn man auch der grossen Masse wegen schneller und feiner reagieren muss als bei einem leichten Sportwagen.
Die Sitze sind bequem und bieten genügend Halt. Die vielen Knöpfe sind gut erreichbar und weniger verwirrlich, als man zu Beginn glaubt, denn sie sind alle gut und verständlich angeschrieben. Das würde man sich bei andern Premiumherstellern oft auch wünschen.

Auf der Autobahn fährt man natürlich entspannt und sparsam mit dem Abstandsradar und Lanekeeping. Im Lauf der Zeit sinkt der Durchschnittsverbrauch Zehntel um Zehntel. Aber mit den montierten Winterreifen und Schweizer Verkehrsverhältnissen waren nicht weniger als 7.6 Liter Benzin erreichbar (inkl. die vorherige Bergfahrt!). Hey, mit einem fast 5 Meter langen und rund 1,9 Tonnen schweren Auto mit 365 PS!

Ja und wo sind denn die Nachteile? Beim M37 ist der Kofferraum standesgemässe 500 Liter gross. Beim Diesel (M30d) sind es noch akzeptable 450 Liter. Beim Hybriden bleiben leider nur noch 350 Liter übrig. Die Ladekante ist hoch und das Ladegut verschwindet dann in einem tiefen Loch.
Das Mehrgewicht des M35h gegenüber dem M30d ist relativ bescheiden, keine 30 Kg. Aber die Batterien sind halt dafür relativ klein und reichen nicht sehr weit, auch wenn sie bei jedem Vom-Gas-Gehen oder Bremsen nachgeladen werden. Hauptzweck des M35h ist auch nicht, primär elektrisch zu fahren, sondern eine stark motorisierte Komfortlimousine mit wenig Treibstoff bewegen zu können. Auf geraden Autobahnstrecken, mit nicht mehr als 100 und im Sog anderer Autos kann man kilometerlang fast «segeln», praktisch ohne Benzinmotor. Mit dem M35h lernt man «ökolomisch» (ökologisch und ökonomisch) zu fahren.
Natürlich ist auch im M35h das aus den andern Infiniti bekannte Navi eingebaut. Das ist aber heute nicht mehr Stand der Technik. Da bieten andere Hersteller doch mittlerweile bessere Systeme, die nicht nur den Weg weisen, sondern u.A. auch Staus melden und auch gerade die verlorene Zeit melden (TomTom Go Live zum Beispiel). Das Bessere ist halt der Feind des Guten, das gilt auch für Infiniti.



Die Preise
In der günstigsten Version (GT) kostet der M35h 85‘900 Franken, 4‘200 Franken mehr als der 320 PS starke M37, aber nur 1‘700 Franken mehr als der Diesel M30d.
Für den GT Premium (alles debii, Infiniti) sind 94‘535 Franken fällig (gleiche Preisdifferenzen zu Benziner und Diesel). Das ist zwar meistens ein 5-stelliger Betrag weniger als vergleichbare andere Premiumautos, vor allem unter Berücksichtigung der vollständigen Ausrüstung. Wer Angst hat vor einem allfällig schlechteren Wiederverkaufswert, der least das Auto. Infiniti macht da recht günstige Angebote (via Renault Finance). Und was die Garantien betrifft: 3 Jahre und 100‘000 Km Gratiswartung/-Reparaturen versprechen Sicherheit und günstige Kilometerpreise.
Eigentlich unverständlich, warum Infiniti im 2011 gerade mal 173 Autos verkauft hat, wovon nur 23 M. Der M und speziell der M35h ist ein Geheimtipp. Knapp ein Drittel (30%) aller verkauften M sollen Hybriden sein, gut die Hälfte (55%) Diesel M30d, der Rest (nur noch ca. 15%) Benziner M37)

Heiny Volkart, VOLKARTpress


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