Seite wählen

amadefries

7. Juli 2023

Coupé or not Coupé

Skoda | 0 Kommentare

Ja, die alte Diskussion. Seit Mercedes 2004 seinen CLS als „viertüriges Coupé“ vorgestellt hat, flammt sie immer mal wieder auf. Einen grösseren Ausschlag gab es, als BMW den Begriff gar auf einen schwergewichtigen sportlichen Geländewagen mit Bürzel (namens X6) angewandt sehen wollte. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich gerade bei den SUV die […]

Ja, die alte Diskussion. Seit Mercedes 2004 seinen CLS als „viertüriges Coupé“ vorgestellt hat, flammt sie immer mal wieder auf. Einen grösseren Ausschlag gab es, als BMW den Begriff gar auf einen schwergewichtigen sportlichen Geländewagen mit Bürzel (namens X6) angewandt sehen wollte. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich gerade bei den SUV die konventionell geformten den Coupé-Versionen in den allermeisten Fällen vorziehe, was die Optik anbelangt. Höchstens bei Porsches Cayenne würde ich vielleicht das Flachheck vorziehen. Doch nun steht kein Porsche vor mir, sondern ein leuchtgrüner Skoda. Wobei die Farbe noch Anlass zu anderweitigen Diskussionen geben sollte, doch dazu später mehr.

Der Enyaq Coupé iV RS trägt das Sportabzeichen der Tschechen und stellt mit 300 Elektro-PS die Speerspitze des Modelprogramms dar. Sein 82 kWh-Akku ist in der Theorie (also nach WLTP) für knapp über 500 Kilometer gut. Was er im Alltag kann, haben wir getestet. Eins vorweg: Er kann Vieles.

BMW hat’s erfunden, inzwischen kommt kaum eine Marke ohne aus: Das SUV-Coupé

Bei Skoda-Modellen wirft man gerne ein Blick auf die cleveren Gimmicks, die inzwischen fix zu jedem Modell gehören. Doch beim Enyaq könnte man meinen, der Eiskratzer, den man sonst im Tankdeckel findet, sei vergessen gegangen. Nix da, er ist dabei, wie auch der Regenschirm in der Fahrertür. Der kleine grüne Plastikschaber findet sich hier in der Heckklappe. Die von Ford abgeguckten selbst ausfahrenden Türschoner gibt es hier leider nicht.

Familienbande: Von vorne klar als Skoda erkennbar.

Was soll’s, wichtig ist sowieso, was im Fahrersitz passiert. Dieser ist bequem, elektrisch verstellbar und im Testwagen mit hübschen Ziernähten in Leuchtgrün ausgeführt. Das bringt mich zurück zur Farbdiskussion. Mehr als einmal habe ich gehört, ich würde ja ein tolles gelbes Auto fahren. Ich entgegnete jeweils, dass es doch eher grün sei. Skoda selbst nennt die Farbe Mamba Grün. Womit das nun auch geklärt wäre. Doch beisst der Enyaq auch zu wie eine Giftschlange? Vielleicht eher wie eine, die kurz vor der Pension steht. Die 299 PS haben mit den 2255 kg Leergewicht keine Mühe, sportliche Fortbewegung schaut aber anders aus. Der Kick in den Rücken, wie ihn andere Elektroautos drauf haben, kann hier nicht erlebt werden.

Dafür haben ihn die Tschechen ganz ordentlich abgestimmt. Der Fahrwerkskompromiss ist gelungen und sogar eher auf der komfortableren Seite (trotz RS-Badge). Lenkung und Bremse reagieren angenehm sportlich, ohne übertriebene Bedienkräfte zu verlangen. Ich bin jeweils im RS-Modus gefahren, der das Fahrwerk auf sportlich stellt. Zudem habe ich die Rekuperation per Zug am linken Lenkradpadel aufs Maximum gestellt. Trotzdem sind öfters Bremseingriffe nötig. Der Übergang von Rekuperation zur Bremse ist nicht spürbar. Gut gemacht.

Walzen am Lenkrad erleichtern die Bedienung

Wenn man die Bedienung der Assistenzsysteme durchschaut hat, sind auch diese gut gemacht. Nur erschliesst sich nicht alles intuitiv. Das ist auch der sehr touchlastigen Bedienung geschuldet. Und ja, die vielgescholtenen Slider sind auch hier an Bord. Gegenüber anderen Produkten aus dem VW-Konzern hat der Enyaq aber einen grossen Vorteil: Am Lenkrad finden sich eine Walze zur Verstellung der Lautstärke. Dass wir ein solches Detail eines Tages so abfeiern würden, hätte man vor einigen Jahren noch nicht gedacht. Aber die Zeiten ändern sich halt.

Coupéheck? Fliessheck? Egal, das Publikum mag’s.

Und so kommt es auch, dass es heute zum guten Ton gehört, lichttechnisch aufzufallen. Das grüne Coupé schafft das problemlos, denn der hinter Plexiglas angedeutete Grill ist beleuchtet und zudem durch einen über die ganze Breite verlaufenden Lidstrich akzentuiert. Der Rest des Designs ist markentypisch. Nur die Coupélinie in der Silhouette kannte man so bei Skoda noch nicht. Das Design wirkt noch immer frisch, das Heck bleibt Geschmacksache. Wer’s lieber klassisch mag: Inzwischen gibt es den konventionellen Enyaq auch als RS.

Simply clever: Kaum ein Hersteller löst das Verstauen der Ladekabel so pragmatisch wie Skoda.

Doch auch im Coupé hat man hinten genügend Platz. Der Kofferraum ist mit 570 Liter ebenfalls mehr als ausreichend und er lässt sich flexibel erweitern. Die ganz alltäglichen Dinge erledigt man im flacheren RS bestimmt genauso gut. Die etwas bessere Aerodynamik könnte sich theoretisch beim Verbrauch auswirken. Der Unterschied dürfte im tiefen einstelligen Prozentbereich liegen. Im Test hat sich der Enyaq iV RS 20,2 kWh auf 100 Kilometer gegönnt, was einer errechneten Reichweite von 400 km entspricht. Auch hier zeigt er sich alltagstauglich.

Grün: Unauffällig geht definitiv anders

Nur wer wirklich „RS“ will, der wird wahrscheinlich eher etwas enttäuscht. Es handelt sich nicht um eine speziell dynamisches Fahrzeug. Einerseits rollt er etwas zu sehr, andererseits ist die Leistung eher etwas knapp bemessen. Nur kann man sich natürlich sowieso fragen, wie sinnvoll es ist, einen Familien-SUV besonders sportlich auszuprägen.

Die Preise für das Coupé, das es nur als RS gibt, starten bei 65’670 Franken für den Allrad mit 82 kWh-Batterie. Kommen so wie beim Testwagen noch die flotten 21-Zöller drauf und das empfehlenswerte Maxx-Paket (Adaptiv-Fahrwerk, 360° Kamera und andere Assistenzsysteme) mit rein, landet man bei einem Preis von 72’000 Franken. Klingt nach viel? Ein Mercedes CLS gibt’s erst ab 89’900 Franken…