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11. März 2026

Anders ist besser?

DS | 0 Kommentare

… haben wir im Frühjahr 2019 etwas skeptisch gefragt, als wir einen DS7 näher unter die Lupe nahmen. Der Bericht kann hier immer noch nachgelesen werden. Heute berichten wir erneut über den DS7. Da der Fahrbericht nicht so begeistert ausfällt, berichten wir, berichte ich, persönlicher – und übernehme damit auch die Verantwortung. Der Titel des […]

… haben wir im Frühjahr 2019 etwas skeptisch gefragt, als wir einen DS7 näher unter die Lupe nahmen. Der Bericht kann hier immer noch nachgelesen werden.
Heute berichten wir erneut über den DS7. Da der Fahrbericht nicht so begeistert ausfällt, berichten wir, berichte ich, persönlicher – und übernehme damit auch die Verantwortung.
Der Titel des Berichtes von vor 7 Jahren ist heute zwar nach wie vor nicht falsch, er wäre aber treffender mit

Etwas enttäuschend

In meiner Tätigkeit als Flottenmanager einer grossen Aussendienstflotte, als Geschäftsführer des Flottenbesitzerverbandes, als Privatmann und als Motorjournalist bin ich eine Vielzahl verschiedenster Autos gefahren und habe sie beurteilt, möglichst fair und nach bestem Wissen und Gewissen. Ich habe auch eine Vielzahl an Autos besessen, oft nur wenige Monate, aber auch länger und bis zu zehn Jahren. Etwas zog sich durch diese grosse Palette: Ausser einigen «Brot-und-Butter-Autos» wie VW Käfer oder VW Golf wollte ich immer ein Auto, das nicht jeder hat. Darunter waren z.B. ein Infiniti M35h (Baujahr 2012), mein erster Hybrid, ein Auto, das mich heute noch begeistert, auch wenn die Firma Infiniti so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann und sie deshalb wohl auch aus Europa verschwunden ist.

Mit dem Jaguar I-Pace hatte ich dann für vier Jahre mein erstes vollelektrisches Auto. Der I-Pace war 2018 auf den Markt gekommen. Ich hatte damals das Vergnügen, dieses 400 PS-/ 700 Nm-Auto rund um den Nürburgring kennen zu lernen. 2020 ergab sich dann die Möglichkeit, so einen I-Pace in der besten Ausführung für vier Jahre zu fahren. Das war bei weitem das teuerste Auto, das ich je hatte (rund CHF 114’000).
Dann stellte sich die Frage nach dem Nachfolger. Am liebsten wieder vollelektrisch. Die Leasingangebote waren aber viel zu teuer (der Jaguar war eben günstig) oder das gewünschte Auto war noch nicht verfügbar (Motorjournalisten fahren neue Autos eben oft viele Monate, bevor sie am Markt eingeführt werden).
Als Kompromiss entschied ich mich für einen Plug-In-Hybriden und, weil es eben ein Auto sein sollte, das nicht jeder hat, kam ein DS in Frage. Dank meiner nach wie vor guten Beziehungen zu Citroën Suisse konnte ich einen 2-jährigen DS7 Crossback 1.6 E-Tense 4×4 Rivoli PHEV leasen für zwei Jahre. Dieser PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) hat einen 1600er Benzinmotor plus einen Elektromotor und leistet 300 PS. Das ist dann auch unter den DS7 ein Typ, den nicht jeder hat. Der Neupreis war 2022 mit über 70’000 Franken jenseits von Gut und Böse, aber ich leaste das Auto günstig, das gut 2-jährig war und gut 15’000 Km auf dem Zähler hatte. Im September 2024 wurde der DS7 mein Alltagsauto für zwei Jahre.

Über Citroën und wie es 2014 zu DS Automobiles kam, kann man im Bericht von 2019 nachlesen. Citroën hat oft Autos lanciert, die ihrer Zeit voraus waren. Mit DS sollte nun zusätzlich auch aussergewöhnlich Edles die Kunden erfreuen. Wie unsere und andere Fahrberichte über verschiedene DS-Modelle zeigen, ist das auch grossenteils gelungen.
Aber: Ein Auto als Journalist einen Tag lang zu bewegen oder später für zwei Wochen einem Test zu unterziehen, ist eben etwas anderes als so ein Auto als Alltagsauto und während Monaten und Jahren zu bewegen. Während man beim Kurztest durchaus objektiv berichten kann, wird der Langzeittest dann halt auch subjektiv geprägt. Und es erscheint dann nicht mehr alles so phantastisch, wie der Importeur oder das Werk meint.

Das war nun eine recht lange Einleitung. Kommen wir nun zur Meinung über diesen 2022er 300 PS-Plug-in-Hybriden:

Der PHEV vereinigt zwei Welten, die des Verbrenners und die des «Elektrikers». Der PHEV verfügt über eine kleinere Batterie als ein vollelektrisches Auto. Man soll also Kurzstrecken, wie Einkaufen, Restaurantbesuch, Arztbesuch, usf. vollelektrisch fahren können, muss dafür keine mehrere Hundert Kilo schwere Batterie herumschleppen, hat aber für längere Fahrten einen Benzinmotor in Reserve. Der PHEV fährt immer elektrisch ab, kann aber auf Knopfdruck als Hybrid (das Auto entscheidet selber, ob elektrisch oder «benzinig») gefahren wird, kann als 4×4 zum Bergmeister werden und auf Stellung Sport auch noch die volle Leistung von Benzin und Elektrik abrufen. Bislang reichte die Batterie-Power für 40 bis 60 Km, moderne PHEVs haben Batterien, die für bis zu 100 Km reichen.

Der DS7, den DS Automobiles, resp. Citroën Suisse für mich gefunden hatte, war – wie gesagt, gut 2 Jahre alt, war 15’600 Km gelaufen, verfügte über einen 1598 ccm grossen Benzinmotor mit um die 220 PS, dazu einen Elektromotor, was eine Systemleistung von 300 PS ergab. Der stahlgraue (Gris Acier) Crossback E-Tense 4×4 verfügte über die Ausstattung Rivoli, nicht die Topversion, aber auch nicht das Basismodell.
Das schwarze Leder mit seinen Steppnähten sah edel aus, auch die Armaturen, Fensterheber etc. wirkten alles andere als billig. Mit knapp 4.60m Länge war der DS7 überschaubar, mit über 1.60m Höhe eher hoch und ohne/mit Aussenspiegeln rund 1.90m/2.10m eher breit. Der Kofferraum ist gut beladbar, der Deckel öffnet sich durch einen Kick unters Heck.
Der Schlüssel kann immer in der Tasche bleiben. Sobald man einen Türgriff umfasst, öffnet sich die Türe. Umgekehrt drückt man zum Abschliessen des Autos einfach auf den Türgriff.
Wenn man ein Auto nicht selber ausgesucht und konfiguriert hat, weiss man nie genau, was an Ausrüstung noch so alles eingebaut sein könnte. Noch ist der DS7 kein fahrbarer Bildschirm, sondern hat Bedienungsknöpfe. Das ist zwar sehr positiv, die Knöpfe sind aber recht verstreut und vom Fahrersitz aus teilweise nicht oder kaum sichtbar, teils bei den Knien unten.
So gibt es z.B. auch eine Frontscheibenheizung, aber auch da muss man wissen, wo man die findet.

Das Licht ist OK. Auch wenn es Matrix-LED-Licht schon lange gibt (der Opel Insignia hatte 2018 ein sehr gut funktionierendes), ist der DS7 mit Jahrgang 2022 erst mit einer Art Vorläufer ausgestattet. Es nennt sich Pixel-LED. Immerhin blendet es selbständig auf und ab.
Bedienungsanleitungen in Buchform gibt’s heutzutage kaum mehr, es würde ja ein «Telefonbuch» im Umfang. Bei den digitalen Bedienungsanleitungen kann man zwar auch Filmchen anschauen, das ist ja recht positiv, aber man muss wissen, wie DS Automobiles das Stichwort nennt, das man sucht, was einen manchmal zur Verzweiflung bringen kann. Allerdings nicht nur bei DS.

Gewundert haben wir uns, dass in einem DS die Lenkradheizung fehlt. Wenn man die in verschiedenen anderen Autos über Jahre genossen hat, vermisst man sie sehr. Auch ein HUD (Head-up-Display) fehlt. In wesentlich günstigeren Stellantis-Autos ist das Standard.

Im damals neu gekauften Opel Insignia hatte ich mir ab Werk eine Standheizung eingebaut. Der vollelektrische Jaguar I-Pace konnte, wie wohl alle BEVs (Battery Electric Vehicle) von aussen vorgeheizt werden, sodass man im Winter in ein wohlig warmes Auto einsteigen konnte. Von den enteisten Scheiben, wenn der Wagen draussen stand, gar nicht zu reden. Im Jaguar I-Pace hatte die Verbindung selbst aus über 1’000 Km Entfernung problemlos funktioniert.
Auch beim DS7 ist das Vorheizen möglich, nur: Oft klappte die Verbindung von der Wohnung in die Garage hinaus nicht. Das Display am Smartphone sagte fast immer: «Die Bestellung ist fehlgeschlagen». Wenn man dann zum Auto hinaus kam, brummte die Heizung aber oft trotzdem friedlich vor sich hin. Na gut, besser als umgekehrt.
Manchmal forderte der DS7 offenbar Lob und fragte in der App: «Gefällen Sie die Anwendung?» Auch wenn man versteht, was gemeint sein könnte, kann man das kaum als Deutsch bezeichnen. Offenbar hat’s bei DS Automobiles, Citroën oder Stellantis niemanden, der Deutsch kann. Wenn man als Antwort auf die Frage «Nein» anklickt, hängt sich das System auf und rien ne va plus. Erst ein Neustart des Natels löst die Sperre.

Der DS7 mit Jahrgang 2022 hatte noch die kleine Batterie, ca. 12 kWh. Neuere Modelle haben rund 14 kWh-Batterien. Gemäss WLTP (resp. Werksangabe) sollte der Strom für gut 60 Km reichen. Man denkt also, dass man unter realen Bedingungen gegen 50 Km sollte fahren können. Der Verbrauch gemäss Techn. Daten sollte gut 17 kWh auf 100 Km betragen. Das wäre akzeptabel, das Auto wiegt doch fast 2 Tonnen (warum eigentlich, mit der doch kleinen Batterie?). Der schwere und starke Jaguar hatte 19 kWh verbraucht, im Winter 25 kWh, aber nie mehr.
Mein DS7, der vor der Ablieferung an mich noch eine neue Antriebsbatterie erhalten hatte, zeigte bei kühlem oder kaltem Wetter 24, 26 und selten mal 28 Km Reichweite. Ich würde das als schlechten Witz bezeichnen. Auf 100 Km umgerechnet ergab das im günstigen Fall 37 kWh, es konnten aber auch bis 50 kWh auf 100 Km sein. Da man den DS7 als PHEV nicht schnellladen kann (DC), sondern nur AC, muss man also nach rund 25 Km wieder für über 4 Stunden an die Steckdose. So bringt elektrisch fahren natürlich nichts, weder von den Umständen noch von den Kosten her. Im Sommer, wenn man das Auto nach einer Fahrt, also warm, an die Wallbox hängte, konnten auch mal über 40 km Reichweite herauskommen. Fazit: Ungenügend, ärgerlich.
Die mangelnde Reichweite ist die grösste Enttäuschung. Über fehlende Ausrüstung in einem luxuriösen Auto kann man letztlich hinwegsehen, nicht aber über die fehlende Reichweite und die daraus resultierenden Kosten. «Dank» des hohen Gewichtes fährt der DS7 aber auch im reinen Benzinbetrieb nicht gerade sparsam. (6 Liter und mehr, manchmal auch 8 Liter).

Es ist ja ein gutes Auto, es ist gutaussehend, auch wenn diverse Modelle anderer Marken ganz ähnlich sind. Man sitzt gut, die Sitze sind nicht nur schön, sie geben auch guten Halt. Der Kofferraum ist gross und gut beladbar.
Die 20-Zöller-Reifen laufen erstaunlich gesittet ab.
Weder Vor- noch Nachteil sind die Lichtspiele. Beim Einschalten des Lichts drehen sich die «Kugeln» in den Scheinwerfern rundum und auf und ab … Kinder, die gerade zuschauen beim Vorbeigehen, haben die grösste Freude daran.

Die Nachteile darf man ruhig auch erwähnen.
Die Bedienung des Tempomats erfolgt blind; man sieht ihn nicht, man fühlt ihn nur. Wenn mal jemand anderes fährt, muss er das ohne Tempomat tun, auf die Schnelle kann man das niemandem beibringen.
Die Vorklimatisierung ist unzuverlässig; man weiss nie, hat’s funktioniert oder nicht.
Die elektrische Reichweite ist völlig ungenügend. Selbst wenn man nur 20 Km weit will; man kommt nicht mehr elektrisch heim.
One-Pedal-Driving ist leider auch nicht möglich. Der DS7 hat zwar am Schalthebel die Stellung B, womit er spürbar rekuperiert. So auf ein Kolonnenende zufahren, dass man nicht oder kaum mehr bremsen muss, ist aber leider nicht möglich. Hab ich beim Jaguar doch geschätzt.
Der Benzintank ist recht klein (nur 43 Liter). Auf längeren Strecken, man fährt ja nur 25 Km elektrisch und dann nur noch mit Benzin, muss man Tankstopps einlegen. Genf retour ohne zu tanken liegt also nicht drin.
Schnellladen ist nicht möglich. Auf der Autobahn mit leerer Batterie schnell für einen Kaffee an einen Schnelllader und dann wieder Strom zu haben, ist also nicht möglich. Da man normalerweise mit 0 Km heimkommt, dauert es dann gut 4 Stunden, bis die11,x kWh wieder in der Batterie sind. Mühsam.
Der Preis von gegen 75’000 Franken war sowohl 2022 als auch heute zu hoch. Heute ist er je nach Zusatzausstattung etwas weniger teuer (vielleicht um 65’000).

Alles in allem: Ein gutes Auto, ohne Zweifel. Für die Luxusversion, mit der sich DS Automobiles gegenüber Citroën abheben will, fehlt es aber nicht nur an Luxus, sondern sogar an Alltagsausrüstungen.
Der Euphorie, die man von DS-Fahrern in Foren liest, kann ich mich nicht anschliessen. Der Grund mag darin liegen, dass man wohl begeistert(er) sein kann, wenn man «von unten», also von einem einfach ausgestatteten Normalauto herkommt, als wenn man von einem wirklichen BEV-Luxusauto her etwas verwöhnt ist. Man erwartet dann von einem DS mehr, als er liefern kann.