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Abstinenztechnik

Published on Juni 27th, 2007 | by zuendung

Abstinenztechnik

*Erster Solaris Hybridbus in der Schweiz:* 20% weniger Diesel soll der in Polen gebaute Solaris Stadtbus einsparen. Und das bei mehr Leistung im Vergleich zum bisherigen Dieselantrieb. Und das mit einem amerikanischen Motor.

Umdenken ist angesagt, nicht aber für den Fahrer, der bleibt beim "Grüezi". Aber alles der Reihe nach, denn hier läuft nur der Hybrid parallel: Parallel bedeutet für den Solaris Hybridbus, dass der Dieselmotor beim Beschleunigen durch zwei ins Automatikgetriebe integrierte Elektromotoren unterstützt wird. In der Praxis funktioniert das spürbar, zu den 340 Diesel-PS kommt sattes Elektrodrehmoment hinzu. Rein elektrisches Fahren geht aber nicht, der Dieselmotor läuft in jeder Fahrsituation mit und treibt den Klimakompressor und andere Nebenaggregate an. Ob in Zukunft rein elektrisches Vorwärtskommen möglich ist, zum Beispiel beim Langsamfahren in historischen Stadtzentren, ist noch offen.


Parallelhybrid: Im Solaris Urbino 18 arbeitet ein Dieselmotor, den zwei Elektromotoren unterstützen. Das macht ihn leiser als herkömmliche Dieselbusse, und er spart 20% Treibstoff.

*Partikelfilter bringt Euro 4*
Der Antriebsstrang stammt aus dem Land mit üblicherweise eher durstigen Motoren: Amerika. Getriebehersteller Allison schafft es, zwei Elektromotoren mit einem aufwendigen, stufenlosen Automatikgetriebe zu kombinieren. Von aussen sieht die Einheit wie ein herkömmliches Automatikgetriebe aus. Einzig die Steuerung und die Stromspeicher tanzen aus der Reihe. Sie sind auf dem Dach untergebracht. Den Sechszylinder-Dieselmotor modernster Bauart nach Euro 4-Norm und mit Partikelfilter steuert Cummins bei. In den USA sind bereits 700 Busse mit dem Allison Hybrid-Antrieb im Einsatz und bewähren sich gut. Wie sich der eben ausgelieferte Solaris Urbino 18 Gelenkbus im Kanton Aargau aufführt, steht noch aus. Sicher ist, dass andere Schweizer Transportunternehmen gespannt auf die ersten Erfahrungen mit dem Hybrid-Erstling warten.


Wie bisher: Trotz ausgeklügelter Antriebstechnik sieht der Fahrerarbeitsplatz aus wie in anderen Bussen, die elektronische Steuerung regelt den Antrieb ohne Eingriffe des Fahrers.

*200'000 Franken teurer als Dieselbus*
720'000 Franken investiert die Eurobus Gruppe mit dem Hybridbus in den Lenzburger Regionalverkehr. Ein Haufen Geld, mit dem Eurobus ein Risiko eingeht. Walter Knecht jedoch, Verwaltungsratspräsident von Eurobus, fährt seit sieben Jahren einen Toyota Prius Hybrid und ist von der Technologie begeistert. Geschäftsführer Andreas Meier sieht den Hybrid-Einstieg als typisch für Eurobus: "Knecht und Eurobus sind seit 1952 Pioniere im Personentransport." Unterstützt wird der Pioniergeist durch einen finanziellen Beitrag des Departements Bau, Umwelt und Verkehr.


Mittelmotor: Aufgrund der Baulänge des Hybridantriebs eignet sich nicht wie üblich das Fahrzeugheck als Einbauort. Motor und Getriebe stehen seitlich zwischen vorderer und mittlerer Achse.

*Hybridgefühl für alle*
Der Solaris beschleunigt beinahe ruckfrei und bremst sehr sanft. Beim Bremsen arbeiten die Elektromotoren als Generatoren und fördern die Bremsenergie in den Stromspeicher. Beim Beschleunigen dann treibt die gespeicherte Energie die Elektromotoren an. Die Elektromotoren dienen auch als Starter und als Alternator. Doch davon merkt der Fahrer nichts, er wählt lediglich vorwärts oder rückwärts und bedient den Bus wie einen herkömmlichen rein dieselgetriebenen und braucht nicht speziell geschult zu werden – oder wie es Krysztof Olszewski, Inhaber und Geschäftsführer von Solaris deutet: "Der Fahrer braucht wie bisher nur 'grüezi' zu sagen." Der Dieselmotor dreht meist zwischen 1000 und 1300 Umdrehungen pro Minute, was das Geräuschniveau im Innenraum senkt.


Enthüllung: Mit einem Festakt wurde der Solaris Hybridbus in Lenzburg enthüllt. Wir hoffen er mag die hoch gesteckten Umweltschutzziele erfüllen.

*Heilt Hybrid alle Wunden?*
Glaubt man Politikerworten, sind die Klimaprobleme gelöst, sobald alle Fahrzeuge hybrid angetrieben werden. Klar, im innerstädtischen Einsatz im klassischen Stop and Go-Verkehr spart der Hybridantrieb Treibstoffe, da er die Bremsenergie zum Teil wieder in Vortrieb umsetzen kann. Fährt ein Hybridfahrzeug aber über Land oder gar auf Autobahnen, werden das höhere Gewicht und der höhere Widerstand zum Nachteil, der Verbrauch steigt rapide. Ein Hybrid-Antriebsstrang ist (noch) enorm teuer und verschlingt grosse Energiemengen in der Herstellung. Mechanik und Elektronik sind aufwendig und möglicherweie anfällig. Zudem sind Lebensdauer und Umweltverträglichkeit der Stromspeicher unklar. Ob der neue Solaris im aargauischen Lenzburg die hohen Erwartungen erfüllt, wird sich zeigen. Wir bleiben auf jeden Fall dran und berichten weiter über neue Antriebssysteme.


Geschenkpackung: Für 720'000 Franken nicht gerade geschenkt, der Aufpreis für den Hybridantrieb beträgt 200'000 Franken.


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