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Published on Mai 22nd, 2018 | by Amadé Fries

Das Lampenfieber ist zurück

Ich gebe es ungern zu, aber es stimmt. Autos zu testen stumpft ab. Irgendwann erzeugen nicht einmal 500 und mehr PS eine Vorfreude auf das Fahren eines nigelnagelneuen Fahrzeugs. Und ich bin froh, dass ich heute verkünden kann, ein Gegenmittel gefunden zu haben. Mit dem Alfa Romeo 4C Spider in den Frühling 2018 zu starten versetzt mich nicht nur in eine freudige Erwartungshaltung, nein, es macht mich sogar ein wenig nervös. Und ich muss sagen, dass ich dieses Gefühl ein bisschen vermisst habe.

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Die blossen Leistungsdaten des 4C waren noch nie gut, um eine Quartettpartie zu entscheiden. 230 PS? lächerlich. 4 Zylinder? Kaum der Rede wert. Turbo? Hat heute doch jeder. Aber wenn ich ihn so anschaue, ist er einfach etwas ganz Besonderes. Ein Auto wie kein Anderes. Karbon ist hier nicht Deko, sondern Programm. Das sieht man, wenn man auf die etwas gar breite Schwelle blickt, die es beim Einsteigen irgendwie zu Überwinden gilt. Die Härte der Sitzgelegenheiten macht deutlich, worum es im 4C geht. Um das reine Fahren.

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Inzwischen haben wir so viele Starterknöpfe, in der Mittelkonsole, auf höhe des Naviscreens, links und rechts neben den Lenkrädern oder sogar darauf gedrückt, dass der gute alte Schlüsseldreh fast wie ein neues und deshalb erwähnenswertes Feature wirkt. Wie früher üblich, muss man ihn relativ lange in der gedrehten Stellung halten, um das Monster hinter den Fahrerohren zu wecken. Es donnert und rumort. Kein wirklich schöner Klang, aber der eines Motors, wie man ihn im Rennsport kennt. Dabei lief er einst im seligen 159 als TBi quasi ganz zivil.

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Wenn der kleine Italiener eines nicht ist, dann zivil. Er ist von der Sohle bis zum tiefliegenden Scheitel auf Krawall gebürstet, obwohl er auf Spoilerzierrat und andere Peinlichkeiten total verzichten kann.

Es gäbe für die aktuellen Temperaturbereiche ein Modus, der sich All Weather nennt. Aber… wenn es nicht gerade schneit, bewegt man sich wohl am liebsten im Dynamicmode und übernimmt das Schalten gleich selbst. Die Automatik und der etwas anständigere Naturalmodus sind ein Zugeständnis an jene Fahrer, die diesen Hosentaschensupercar tatsächlich im Alltag bewegen wollen. Für sie hat man sogar einen Tempomaten an Bord und auch eine Bluetoothschnittstelle fehlt nicht.

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Aber telefonieren sollte man in diesem Auto nicht. Erstens ist es dafür zu laut und zweitens fordert es von Dir die volle Konzentration und dies immer. Denn die servolose Lenkung ist nicht nur superpräzise und ebenso direkt, sie lässt sich auch von Spurrillen gerne zum ungewollten Einlenken verführen.

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Ein wenig habe ich mich auch verführen lassen. Und zwar zum offen fahren. Klar, ein Cabrio sollte man ohne Dach geniessen. Doch dieses hier ist ein wenig speziell. In einer Welt, in der man die meisten Mützen elektrisch und sogar während der Fahrt öffnen und schliessen kann, mutet die 4C-Variante doch sehr archaisch an. Während das Entfernen des Verdecks und auch das anschliessende Verstauen im Winzkofferraum hinter dem Motor ziemlich problemlos vonstatten geht, sollte man sich für die Montage des textilen Schutzes genügend Zeit nehmen. Im Idealfall ist man dazu nicht alleine und parkt den kleinenroten Freudenspender auf dem Platz hinter dem Restaurant und nicht vor der Gartenwirtschaft.

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Als nach mehr als 5 Minuten eine Dame stehenbleibt und mich freundlich fragt, ob sie mir helfen könne, wusste ich, dass ich wohl ziemlich unbeholfen aussehen musste. Vielleicht wäre das die ideale Flirtgelegenheit gewesen… Doch egal, am Schluss sitzt das Dach von mir alleine montiert wieder perfekt und die Fahrt kann weitergehen.

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Und das Fahren entschädigt für fast alles. Der 4C giert nach Kurven, frisst Geraden und lärmt dazu sein schamloses Gebrüll in die Welt hinaus, als wäre die Klimaerwärmung tatsächlich bloss eine Erfindung. Politisch korrekt sein überlässt er Anderen. Zack! haue ich den nächsten Gang rein und zisch! lässt der Turbo den aufgebauten Druck wieder ab. Ein Auto, wie gemacht für den sonntäglichen Ausflug. Nicht nur, weil es betörend schön ist – von den fragwürdigen Frontscheinwerfern schreibe ich jetzt mal nichts – nein, auch weil es eine Fahrmaschine im eigentlichen Sinne ist. Sie spendet auf jedem Kilometer, der frei gefahren werden kann einfach nur Freude. Dass der 4C dafür gerade einmal 8,7 Liter auf 100 Kilometer verlangt, spricht für ihn. „Echte“ Supercars kommen kaum mit dem Doppelten aus.

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Und wer am Ende des Tages die Pocket Rocket in die Tiefgarage stellt, findet wahrscheinlich auch noch das überlaute Motorengeräusch wohlklingend. Der 4C ist die Auto gewordene Liebesgeschichte. Dafür sind die aufgerufenen 80’000 CHF nicht zu viel, oder?

Danke Alfa Romeo 4C für Deine schon fast legendäre Unvernunft und vor allem Deine Fähigkeit, uns Autotestern doch noch ein bisschen nervös zu machen. Grazie.

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