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6. Februar 2026

Italianità in Reinkultur

Fiat | 0 Kommentare

Italianità kann Fiat. Wenig überraschend. Espresso, Crodino, Antipasti, Pizza, Tiramisù. Dazwischen: Der 500 Torino Hybrid. Die Italiener haben dem ursprünglich als reines Elektroauto gebauten neuen 500 tatsächlich das kleine Firefly-Aggregat eingepflanzt. Somit hält wieder ein Verbrenner im Retrokultflitzer. Wobei, Flitzer ist dann vielleicht doch ein zu dynamisch konnotierter Begriff. Unter der Motorhaube finden sich auch […]

Italianità kann Fiat. Wenig überraschend. Espresso, Crodino, Antipasti, Pizza, Tiramisù. Dazwischen: Der 500 Torino Hybrid. Die Italiener haben dem ursprünglich als reines Elektroauto gebauten neuen 500 tatsächlich das kleine Firefly-Aggregat eingepflanzt. Somit hält wieder ein Verbrenner im Retrokultflitzer. Wobei, Flitzer ist dann vielleicht doch ein zu dynamisch konnotierter Begriff. Unter der Motorhaube finden sich auch nach längerem Suchen gerade einmal 65 Pferdestärken. Der Mildhybrid-Sauger erreicht schon früh sein maximales Drehmoment, wobei dies bei ebenfalls sehr übersichtlichen 92 Newtonmeter liegt. Ein Glück, dass er in dieser Version nur 1070 Kilo zu schleppen hat.

Muss sein: Pizza beim Fiat 500 Media Drive

Wir entern den hübschen Innenraum. Da ragt frech eine Schaltkugel aus der Mitte. Ja, hier wird noch klassisch von Hand geschaltet. Sympathisch aber inzwischen doch ein bisschen aus der Zeit gefallen. Kommt dazu, dass die Schaltwege relativ lang ausfallen. Zum Start kurven wir aus dem in Nebel gehüllten Attisholzareal in die nahe Altstadt von Solothurn.

Kontrast: Der goldgelbe Effektlack wirkt gerade an grauen Tagen wie ein Stimmungsaufheller

Schnell wird klar, ein Sprinter kann und will dieser 500 nicht sein. Aus dem Stand noch völlig locker in Fahrt zu bringen, stockt die Beschleunigung alsbald und aus mehr Geräusch wird nicht automatisch mehr Geschwindigkeit. Klartext: Von 0 auf 100 km/h braucht er in dieser Konfiguration über 16 Sekunden. Das sind 7 Sekunden mehr als bei der Elektroversion. Das ist viel, richtig viel. Doch wie oft fährt man in der Stadt mit 100? Genau, hoffentlich nie.

Cityflitzer: Der Hybrid fühlt sich bei Stadttempo am wohlsten

Und genau für die Stadt ist der 500 Torino Hybrid ausgelegt. In der historischen Altstadt von Solothurn angekommen reiben wir uns zuerst einmal die Augen. Kein Fahrverbot? Keine Zufahrtsbeschränkung? Man darf einfach so in den malerischen Teil der Stadt einfahren? Ja, darf man. Einzig die Post bewegt sich mit ihren (natürlich ebenfalls gelben) Autos zu dieser Zeit durch die teils engen Gassen übers Kopfsteinpflaster.

Torino: Da im Mirafiori-Werk gebaut, darf der 500 der Launchedition ganz legal einen italienischen Stadtnamen tragen

Natürlich ist der 500 nicht mehr ganz taufrisch, wird ja als Elektroversion bereits seit 2020 gebaut. Doch sein Design ist klar moderner als jenes des seit 2007 gebauten Evergreens. Dieser wurde in Tychy (Polen) hergestellt. Nach dem Namensfiasko bei Alfas Junior erscheint es fast ein wenig trotzig, dass Fiat die Launch-Edition des neuen Hybridmodells Torino nennt. Doch es ist wahr, er wird im Mirafiori-Werk in Turin gebaut. Daher findet sich der Turm des Museo Nazionale del Cinema mit seiner charakteristischen Form als Markenzeichen für ebenjene Torino-Version. Ab Frühling 2026 wird übrigens die Icon-Ausstattung die limitierte Torino Edition ersetzen.

Bekannt: Das Gesicht des neuesten Fiat 500 kennen wir schon seit 6 Jahren.

Gerade in der ruhigen Altstadt wirkt das Verbrennergeräusch inzwischen fremd. Dafür passt die Optik umso besser hierher. Der 500 erobert mit seinem knuffigen Gesichtsausdruck weiterhin die Herzen. Da macht auch der Hybrid keine Ausnahme. Der startet schon bei 19’990 Franken, während es die Launch-Variante Torino für 21’990 gibt. Zuoberst in der Preisliste findet sich La Prima ab 23’490 Franken. Beim Torino kann sich die Interessent:in nur noch für eine Farbe entscheiden, ansonsten gibt es keine Kreuzchen mehr zu setzen. Wer eine Rückfahrkamera oder ein anderes Muster auf seinen Sitzen möchte, muss zu La Prima greifen. Das gilt aktuell auch noch für die Frischluftfreunde. Später sollen allerdings sowohl Faltdachcabrio wie auch der 3+1-Türer mit zusätzlicher kleiner Einstiegshilfe auf der Beifahrerseite in anderen Ausstattungsvarianten erhältlich sein.

Industrial Charme: Auch im Attisholzareal fühlt sich der Fiat 500 Hybrid wohl

Nun steuern wir den kleinen Italiener zurück zum Attisholzareal, wo schon der Apéro in Form eines Crodino winkt. Tatsächlich ist Fiat mit dem Hersteller des alkoholfreien Getränks eine Kollaboration eingegangen, die man 2026 bei einigen „PopUp“-Auftritten in der Schweiz wird erleben können. Und so schliesst sich ein Kreis: Denn wie der hybridisierte Fiat 500 ist auch Crodino nicht neu. Und wie den Stadtflitzer gibt es den Apéro in der Variante goldgelb. Beide machen Lust auf mehr als eine Prise Italianità. Wer auf dynamische Beschleunigung verzichten kann und primär den coolen Look und Komfort in Kleinwagenform sucht, für den passt der Torino durchaus. Trotz Schaltgetriebe und akustisch nicht gerade zurückhaltendem Antrieb. Und dann sind da ja noch die maximal 5000 Franken, die man bei der Hybridversion gegenüber dem vollelektrischen 500 spart. Wie viel das wohl in Crodino-Fläschchen ist?