amadefries

4. Oktober 2026

Geht er oder GT nicht?

Kia | 0 Kommentare

GT hat sich inzwischen zum Kürzel gemausert, das weit mehr als „Gran Turismo“ heisst. Manchmal steht es für einen Sportwagen (McLaren, Mercedes, Porsche), dann aber auch für eine sportlichen SUV (Alpine A390) oder auch für die heisseste Version eines Elektromodells (Kia 6 und 9). Nun haben die Koreaner aber entschieden, dass GT auch nur die […]

GT hat sich inzwischen zum Kürzel gemausert, das weit mehr als „Gran Turismo“ heisst. Manchmal steht es für einen Sportwagen (McLaren, Mercedes, Porsche), dann aber auch für eine sportlichen SUV (Alpine A390) oder auch für die heisseste Version eines Elektromodells (Kia 6 und 9). Nun haben die Koreaner aber entschieden, dass GT auch nur die Spitzenmotorisierung bezeichnen kann, ohne gleich mit PS-Exzessen zu locken. So geschehen beim Kia EV5 GT, der mit 306 PS weit weg von surrealen 650 beim EV6 GT ist.

Glashaus: Die Aussicht im Kia EV5 GT ist bestens

Schon bei der ersten Begegnung mit dem neuen Modell gefällt mir die dezente aber gut erkennbare Differenzierung des GT. Die leuchtend neongrünen Bremszangen kennen wir von den grösseren Modellen. Ansonsten ist da keine Aufschneiderei, keine überflüssigen Verbreiterungen oder Spoiler. Selbst das GT-Logo am Heck ist so dezent und klein, dass es übersehen werden dürfte. Als „langweilig aber gut“ betitelte ich Anfang Jahr den konventionellen EV5. Mal sehen, ob er mit mehr Power die Langweiligkeit abzulegen vermag.

Familie: Nur Experten düften die GT-Variante von den zivileren unterscheiden können, wenn die Bremszangen nicht zu sehen sind

Ich nehme auf den hübschen und vor allem deutlich stärker konturierten Sitzen Platz und blicke auf die Interieurlandschaft. Auch hier hat man punktuell die neongrüne Farbpistole angesetzt. An Sitzen, Lenkrad und Lüftungsdüsen finden sich entsprechende Akzente. Sofort wirkt der Innenraum spannender. Doch wie viel Spannung findet sich unter der Haube? Im engeren Sinne reden wir von 400-Volt-Technik, die ein maximales Ladetempo von 150 kW ermöglicht. Während die Frontantriebsversion auf 217 PS kommt und der seit Kurzem erhältliche Allradler immerhin 265 PS stemmt, liegen im ebenfalls allradgetriebenen GT eben die bereits erwähnten 306 PS an.

Designsprache: Aktuelle Kia sind gut erkennbar

Der EV5 kommt als ausgewachsener SUV auf deutlich über 2,2 Tonnen. Ein behändes Sportgerät darf man also kaum erwarten. Doch gefühlt begwegt sich die Sportvariante durchaus dynamischer. Und schon sind wir bei den Fahreindrücken. Hinterliess der Fröntler noch einen eher behäbigen und etwas freudlosen Eindruck, kommt der GT deutlich stimmiger daher. Das mag auch an den viel satteren Sitzen liegen. Hier gibt es zwar keine Massagefunktion, dafür lassen sich die Sitzflanken an die Körperseite heranrücken. Zu dieser klar besseren Sitzposition passt auch der Mittelstrich auf dem Lenkrad, der als weiterer Hinweis auf die sportlichen Talente dient. Die adaptive Dämpfung trägt aber gleichzeitig auch zu einem deutlich gesteigerten Komfort bei.

Dynamik: Leuchtet es hier grün zwischen den Felgen, ist Fahrspass an Bord

Im Menü „My Drive“ lässt sich dann der Sound sogar auf verbrennerisch wechseln – zum Glück nur im Innenraum. Der Sinn solcher Ideen findet sich wohl primär in der Differenzierung von den anderen Modellvarianten. Dazu gehört auch die Simulation von Schaltrucken, die man in ähnlicher Form von den N-Modellen der Konzernschwester Hyundai kennt. Im Alltag sind die vollständig flach fallenden Rücksitzlehnen wohl weitaus wichtiger. Überhaupt sind Null Abstriche bei der Praxistauglichkeit zu machen. Auch der kleine Frunk bleibt erhalten und nimmt weiterhin das Ladekabelpaket auf. Wer auf Reisen einmal darauf angewiesen sein sollte, wird froh sein, es nicht unter den Koffern und Reisetaschen aus dem Kofferraumboden herauswürgen zu müssen.

Starmap: Auch als GT trägt der Kia EV5 die typische Lichtsignatur

Den allerletzten Kilometer würge ich derweil nicht aus dem Akku heraus. Der Testverbrauch von 19 kWh auf 100 Kilometer verspricht eine Reichweite von über 420 Kilometer. Mit dem Eco-Modus liesse sie sich wohl weiter strecken, doch wer will in der Sportvariante schon Eco fahren? Eben. Doch als Soccer-Dad ist nicht jede Fahrt eine Passfahrt, aber natürlich immer eine Spassfahrt. Und so schätzen es die kleinen Fussballgirls, auch auf den Hintersitzen eine Sitzheizung bedienen zu dürfen. Nützen tut sie ihnen aufgrund der Sitzerhöhungen, auf denen sie wegen ihrer Körpergrösse noch Platz nehmen müssen freilich nichts. Bei bestem Frühherbstwetter aber sowieso nicht von Belang.

Übersichtlich: Hier steuert man gerne

Geschätzt wird dafür der Kofferraum, der trotz relativ bescheidenem Standardvolumen (560 Liter) durch die günstige Form bestens beladen lässt. Hier fänden locker die Bälle fürs ganze Team Platz. Doch für den kurzen Trip ans Auswärts-Turnier braucht es kaum mehr denn die leuchten pinken Fussballschuhe. Das bringt mich zurück zur Farbpalette von Kia. Diese hält neben Schwarz und Weiss auch noch helle Töne (Frost Blue, Ivory Silver) bereit, die mich an Concept Cars der 1990er Jahre erinnern. Mit Magma Red und Dark Ocean Blue haben es aber auch zwei kräftigere Farben in die Auswahl geschafft. Dem GT ist übrigens keine von ihnen exklusiv vorbehalten.

SUV: Die Silhouette fällt fast schon klassisch aus

Exklusiv wird ihn dagegen vielleicht der Preis machen. Während der Allrad-GT-Line bei 55’450 (aktueller Bonus von 3500 bereits abgezogen) Franken beginnt, startet der „echte“ GT bei 61’450 Franken. Neben der Mehrleistung und den dezenten optischen Erkennungszeichen sprechen durchaus noch andere Punkte für ihn. Die grössten Pro-Argumente sind für mich die adaptiven Dämpfer und die Sportsitze. Beide tragen massiv dazu bei, dass man auf einmal Lust hat, den EV5 wirklich zu fahren, anstatt ihn als blosses Fortbewegungsmittel zu sehen. Dazu kommt, dass man sich im aufgepeppten Interieur deutlich wohler fühlt.

Breites Angebot: Wer den Platz des EV5 nicht braucht, könnte sich den EV3 GT (rechts) anschauen

Und so finden die Koreaner, die wie üblich satte 7 Jahre Garantie bieten, für ihren Elektro-SUV eine neue Ausrichtung. Während der konventionelle EV5 den etwas hausbackenen Pragmatiker gibt, hält der GT sein Sport-Versprechen und macht im Alltag auch mal Lust, die kurvigere Landstrasse zu nehmen. Dazu brauchte es gar keine 650 PS, sondern gezielte Eingriffe an den richtigen Stellen.

Hält, passt und schaut gut aus: Sitz im Kia EV5 GT

Und auch im Konkurrenzumfeld dürfte er gut platziert sein. Ein VW ID.4 GTX kommt mit vergleichbarer Ausstattung rund 8000 Franken teurer. Somit ist klar: Er geht, und zwar richtig gut.