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15. März 2026

Der Toyota Urban Cruiser ist zurück

Toyota | 0 Kommentare

Vor genau 16 Jahren haben wir den ersten Toyota Urban Cruiser getestet. Jetzt ist er zurück. Und es hat sich Vieles geändert, in der Welt aber auch beim Urban Cruiser. Zuallererst fallen die massiv gewachsenen Masse auf. Der Neue erstreckt sich auf 4,29 Meter und ist damit über 35 Zentimeter länger. Dann ist da natürlich […]

Vor genau 16 Jahren haben wir den ersten Toyota Urban Cruiser getestet. Jetzt ist er zurück. Und es hat sich Vieles geändert, in der Welt aber auch beim Urban Cruiser. Zuallererst fallen die massiv gewachsenen Masse auf. Der Neue erstreckt sich auf 4,29 Meter und ist damit über 35 Zentimeter länger. Dann ist da natürlich der elektrische Antrieb. Und er kommt aus Indien. Indien? Ja, denn er ist im Prinzip ein eineiiger Zwilling des Suzuki e-Vitara, der ebenfalls im Werk auf dem Subkontinent ensteht.

Made in India: Der Toyota Urban Cruiser ist der Zwilling des Suzuki e-Vitara

Der Testwagen kommt in der Topausstattung Premium und verfügt über Allradantrieb. Damit ist auch automatisch das grössere Batteriepack mit 61 statt 49 kWh verbaut. Konfiguriert man den Urban Cruiser auf der Website, steht dort beim 4×4 „Elektromotor 135 kW“, was nicht ganz falsch aber halt auch nicht richtig ist. Denn als Allradler verfügt der kleine SUV selbstverständlich über zwei Motoren. Vorne wirken 174 PS, während der hintere Motor 65 PS leistet. Die Systemleistung liegt dann bei 184 PS, was wiederum tatsächlich den 135 kW entspricht. So weit alles unklar? Dann starten wir den Motor, sorry, die Motoren.

Dafür drückt man hier tatsächlich noch einen „oldschool“ Startknopf. Wer jetzt direkt den Schaltknubbel auf D dreht und Gas gibt, wird jäh eingebremst. Ohne geschlossenen Fahrergurt löst sich die automatische angezogene Handbremse nicht. Also die sowieso nicht so schlaue Startreihenfolge leicht anpassen und schon flutscht es. Sitze und Spiegel (beide elektrisch) sind schnell passend eingestellt, auch die Position des Lenkrads stimmt. Man sitzt weit vorne in der Kabine, was nicht nur viel Platz für die Rückbank, sondern auch eine gute Übersicht im Verkehr mit sich bringt.

Arbeitsplatz: Übersichtlich und gut gegliedert findet man sich schnell zurecht

Überhaupt gewöhne ich mich schnell an den UC. Alles geht leicht von der Hand. Leistung ist immer genug da, die Bedienkräfte sind tief, die Assistenten halten sich einigermassen im Hintergrund. Selbst der Tempowarner ist so leise, dass ich ihn nur wegen der kleinen Stocker in der Musikwiedergabe überhaupt wahrnehme. Mein iPhone liegt quer in der Ladeschale, GoogleMaps wird via CarPlay in den Screen eingespielt. Erst als eines Morgens der Winter sein März-Comeback gibt, fallen mir erste Schrullen des brandneuen Modells auf.

Rugged: Die Kunststoffbeplankung betont den Look und schützt vor Blechschäden

Die Sitzheizung hat ebensowenig eine eigene Taste erhalten wie die Lenkradheizung. Also quäle ich mich entweder via Klimaeinstellung auf dem Touchscreen durch die nötigen Schritte oder ich versuche es mit der Sprachsteuerung. Tatsächlich funktioniert letzteres für diesen Vorgang akzeptabel. Trotzdem wäre mir ein simpler Knopf lieber. Immerhin haben andere Klimaeinstellungen, wie die Temperatur, Lüftertempo oder Umluft den Kahlschlag überlebt. Selbst ein Volumenrädchen findet sich hier noch. Schöne alte Welt.

Generisch: Ohne Toyota-Zeichen eher schwierig als solcher zu erkennen

Doch auch die neue Welt hat natürlich ihre Vorzüge. So der geräuschlose Vortrieb und das völlig emissionsfreie Fahren. Hier könnte Toyota noch etwas mehr Features bieten. Denn für die Rekuperation bieten sich lediglich zwei Einstellungen, wobei auch die stärkere weder sonderlich stark ist, noch One-Pedal-Driving unterstützt. Die Fahrmodi decken mit Sport und Eco neben dem Standard die üblichen Begriffe ab. Wer hinter Sport jedoch einen für die Kurvenhatz motivierten Antrieb vermutet, wird enttäuscht. Die Unterschiede sind absolut minimal, was in der Praxis dazu führt, dass man die Modi gar nicht nutzt.

Kompakt: Mit 4,29 Meter passt der Urban Cruiser locker in städtische Parklücken

Ähnlich könnt es sich mit der Ablage unter der Mittelkonsole verhalten. Es ist mir ein Rätsel, weshalb viele Hersteller dort einen an sich praktischen Bereich freimachen, der aber während der Fahrt praktisch unerreichbar bleibt. Ein von oben zu bedienendes Fach wäre deutlich praxisnäher. Mit der aktuellen Lösung gelange ich jeweils via Beifahrerseiten-Verrenkung an meine Sonnenbrille. Praktischer sind da die Türtaschen, die auch grössere Trinkflaschen sicher aufnehmen. Generell ist das Interieur praktisch und selbsterklärend, wenn auch nicht speziell beeindruckend oder einladend. Es stellt sich mir die Frage, wie wichtig das für die Kundschaft überhaupt sein könnte. Diesen Gedanken im Kopf trete ich nach draussen.

Warum? Das Fach unter der Mittelkonsole ist während der Fahrt kaum zu erreichen

Hier zeigt sich mir ein ähnliches Bild. Der Toyota Urban Cruiser ist bestimmt kein Auto, bei dem die Handykameras der auf den Bus wartenden Teenies gezückt werden. Aber er ist eines, der sie sicher ins etwas weiter entfernte Kampfsporttraining bringt. Hinten zieht sich die abgedunkelte Heckleuchteneinheit über die ganze Breite. Die dunkel abgesetzten Kunststoff-Stossfänger sieht man heute selten. Sie dürften so manchen Parkrempler deutlich vergünstigen. Denn auch seitlich hat man sich für diese „rugged“ Optik entschieden. An der Front besteht das Familiengesicht primär aus einer in Wagenfarbe gehaltenen Blende, die sich über den schwarzen Grill und die Leuchteinheiten zieht. Alles in allem ein ziemlich generischer Look, der ohne Markenzeichen schwer zuzuordnen wäre.

2026: Der Toyota Urban Cruiser ist ein moderner SUV mit vielen praktischen Eigenschaften geworden

Doch auch hier die Frage: Wie wichtig ist das der Kundschaft? Sie erhält für 40k einen voll ausgestatteten kleinen SUV, der völlig unaggressiv dasteht und trotzdem Allrad und mehr als genug Leistung an Bord hat. Mit dem grösseren Akkupaket steigt die Reichweite auf Erstauto-taugliche 300 km. Lediglich Fernfahrten im Winter müssen mit etwas mehr Planung angegangen werden, da der Verbrauch dann gegen 22 kWh tendiert.

Wer übrigens plant, den Urban Cruiser entgegen seines Namens auch abseits der befestigten Wege zu verwenden, kann auf eine Hill-Descent-Control zurückgreifen. Weiter gibt es einen Trail-Mode, den ich aber nicht getestet habe. Die grünen Helly-Hansen-Jacken (und ihre Träger:innen) wurden aber auf jeden Fall nicht ganz vergessen. Zumindest das hat er mit dem Toyota Urban Cruiser von 2010 gemein.