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27. September 2026

Noch lange nicht Feierabend

Cupra | 0 Kommentare

„Nach den 7000 Stück ist Feierabend.“ So oder so ähnlich klang es bei Erscheinen des ersten Cupra VZ5, der als einziger Nicht-Audi den legendären Fünfzylinder verwenden durfte. Mit dem Facelift des Spaniers kommt das Aggregat nun weitere 4000 Mal zum Zug. Im VW-Konzern hat man offenbar begriffen, dass die Kombination aus aggressiv gestyltem Sport-SUV und […]

„Nach den 7000 Stück ist Feierabend.“ So oder so ähnlich klang es bei Erscheinen des ersten Cupra VZ5, der als einziger Nicht-Audi den legendären Fünfzylinder verwenden durfte. Mit dem Facelift des Spaniers kommt das Aggregat nun weitere 4000 Mal zum Zug. Im VW-Konzern hat man offenbar begriffen, dass die Kombination aus aggressiv gestyltem Sport-SUV und kernig klingendem Power-Motor genügend Fans für eine weitere Auflage hat.

Diagnoal: An den schrägen Auspuffrohren erkennt man den VZ5 auch im Stand

Dabei findet sich im Formentor-Portfolio neben der 204 PS starken Basis auch der VZ, der es schon auf mehr als genügende 333 PS bringt. Warum also zum 390 Pferde starken VZ5 greifen? Eine rationale Begründung lässt sich wohl nur schwerlich finden. Auf der Suche nach Argumenten drücke ich doch einfach mal den Startknopf und… ah, da war doch was! Was heute vielen Menschen als Lärm erscheinen mag, klingt in den Ohren der Petrolheads nach Musik. Der ungewohnte Fünfzylinderklang wird noch etwas sonorer, als ich den Cupra-Button am Lenkrad betätige und damit in den Performance Mode wechsle.

Wer sich im Interieur umschaut, entdeckt zunächst natürlich die VW-Konzernteile wie den Touchscreen oder die Scheibenheber und den Getriebewählstummel. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich die kupferfarbenen Nähte und auch einige Logos, vor allem aber die 2000 Franken teuren Cup Bucket Sportschalensitze. Die sehen nicht nur sensationell aus, sie fühlen sich auch so an. Ob sie auch genügend Seitenhalt bieten? Finden wir heraus.

Sabelt: Tolle Sitze, die auch noch gut aussehen

Ab Start mahnt ein Hinweis, den Motor in der Warmlaufphase nicht über 4800 Touren zu drehen. Wer seinen Fünfer liebt, der wird sich bestimmt daran halten. Wir schliessen uns dem Motorschonprogramm an und stellen derweil den Sitz auf sportliche Gangart ein. Eine stimmige Sitzposition ist schnell gefunden, kurz noch mit dem Handgelenk oben auf dem Lenkradkranz getestet, ja so passt das. Schade, dass sich Cupra keine Alu-Paddel wie Alfa Romeo leistet (leisten darf?), denn die würden perfekt in den Formentor passen. Die verbauten Kunststoffteile entsprechen eher nicht einem Auto, das im Testwagentrimm dann über 70’000 Franken kostet.

Silhouette: Von der Seite sind die Unterschiede zum Vor-Facelift-Modell kaum zu erkennen

Doch jetzt es um andere Zahlen: Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe soll die 390 PS und 480 Newtonmeter so auf die 4 Räder loslassen, das im Idealfall schon nach 4,2 Sekunden Tempo 100 anliegt. Und so wie der 2,5-Liter loslegt, scheint die Beschleunigungsangabe durchaus glaubhaft. Das Ganze wird begleitet von einem Aufschrei der fünf Pötte, der sich zwischen angestrengt, aufmüpfig und aggressiv verorten lässt. Laut ist er aber definitiv. Freund:innen der gepflegten Sportwagen wissen aber sowieso: Längsdynamik kann jeder. Im Zeitalter des Elektroautos gilt dies umso mehr. Also soll der Formentor VZ5 am Pass beweisen, was sein Allrad mit Torque Vectoring so drauf hat.

Splitter: Carbonecken schneiden durch den Wind

Schnell zeigt sich, dass Performance der richtige Modus für die Passfahrt ist, in Cupra werden die Gänge gefühlt zu lange gehalten. Wie das DKG beim Heranbremsen vor Kurven jeweils zwei Stufen runterschaltet, ist eindrücklich. Wie das Fahrwerk den Wagen neutral hält, rechtfertigt den Status des Topmodells absolut. Nur ganz selten greife ich manuell ein, so gut ist der Automatikmodus. Ebenfalls mehr als gut: Die Sitze, die sich zuvor auf der Autobahnetappe schon als komfortabel gezeigt hatten. Am Berg geben sie sich haltstark und doch nicht zu einengend. Perfekt für den dynamischen Teil der Strecke zeigt sich die Lenkung. Das gute Gefühl bis ins Lenkrad ist für einen Allradler nicht selbstverständlich.

Hüftschwung: Besonders bei den Mattlacken kommt er zur Geltung

Selbstverständlich sind heute gewisse Assistenten. Der Formentor VZ5 Prime Edition hat schon alle erhältlichen serienmässig an Bord. Hier ist insbesondere der Travel Assist hervorzuheben, der auch assistierte Spurwechsel souverän im Griff hat. Die automatische Übernahme des Tempolimits als Tempomateinstellung hat mit einer Ausnahme gut funktioniert. Nur schade, dass es auf der Autobahn eine Tempo 40-Tafel war, die erkannt wurde und zu einem entsprechend rüden Tempoverlust führte. Ansonsten ist nur der Fensterheberschalter negativ aufgefallen, der manchmal trotz gegenteiliger Aufforderung die Scheibe hinunterfahren liess. Eine Macke, die schon ein früherer Cupra-Testwagen aufwies.

Sharknose: Sieht er mit der neuen Schnauze besser aus?

 

Doch wer solche Kleinigkeiten auf der Kontraseite auflisten muss, der hat wohl einen ziemlich ausgereiften Probanden vor sich. Mit dem Facelift wurde selbiger zudem moderner. Ob er ohne den zentralen Grill und dafür nun mit Sharknose besser aussieht, liegt im Auge der Betrachter:in. Mir gefällt die neue Front nach anfänglicher Skepsis inzwischen richtig gut. Sie passt auch zu den Dreiecken, die sich vorne wie hinten in den Leuchten finden. Die Cupra HD Scheinwerfer haben einige Tricks drauf. So können sie bei nächtlichen Spurwechseln die neue Spur zusätzlich ausleuchten. Nichts, was man zwingend brauchen würde, nett sind solche Technikspielereien aber auf jeden Fall. In die gleiche Kategorie gehört der Driftmodus, den ich auf öffentlichen Strassen selbstverständlich nicht ausprobiere.

Cockpit: Hier fährt man gerne

Mehr als nett ist die mattbronzene Lackierung. Sie harmoniert erstaunlich gut mit den kupferfarbenen Akzenten, wie man sie von der spanischen Sportmarke inzwischen kennt. Den knackigen Hüftschwung über dem hinteren Radhaus hat sich die Faceliftversion behalten. Vorne gibt es kleine Splitterecken in Carbon, hinten einen Diffusor im gleichen Edelwerkstoff. Das VZ5-Logo könnte man auch weglassen, denn nur hier gibt es die diagonal angeordneten Auspuffendrohre. Fans erkennen sofort, ob es sich um die heisseste Version handelt. Der VZ hat nebeinander liegende Endrohre, in der Basis sind sie gar ganz versteckt.

Wie so oft ist an der Kasse die Zeit der Nettigkeiten dann vorbei. Das beginnt mit einem Testwagenpreis von knapp 73’000 Franken und endet an der Tanksäule, wo gerne Mal um die 9,5 Liter auf 100 Kilometer nachgefüllt werden müssen. Da der Formentor VZ 98er-Benzin bevorzugt (95 geht auch), wird es noch etwas teurer.

Leuchtet: Das Cupra-Logo erkennt man auch in der Nacht

Zum Feierabend beziehungsweise der Vollständigkeit halber: Ja, der Formentor VZ5 kann auch Alltag. Das geduckte Dach sorgt auf den hinteren Plätzen für etwas eingeschränkte Platzverhältnisse. Die 400 Liter Kofferraum sind für ein Auto mit 4,5 Meter Aussenlänge nicht riesig, reichen aber durchaus für einen Wochenendtrip. Das Kamerasystem garantiert trotz unübersichtlicher Karosserie problemloses Manövrieren. Apple CarPlay ist so tief ins System integriert, dass Navigationshinweis von Google Maps neben dem Tachodisplay eingeblendet werden können. Und bevor dann endgültig Feierabend ist, lohnt sich möglicherweise die Investition von 600 Franken in die auf 5 Jahre oder 150’000 Kilometer erweiterte Herstellergarantie.

Weitere Impressionen:

Kupfer: Die Markenfarbe findet sich an zahlreichen Orten

Dreieck: Die Lichtsignatur erschliesst sich erst bei genauerem Hinsehen

Klingt gut: Das Sennheiser-Lautsprechersystem

Sportlich: Ohne grosse Felgen geht es bei einem schnelle SUV nicht

Projektion: Auch beim Öffnen der Türe gibt sich das Spitzenmodell individuell

Durchblick: Auch aus dem Fond passt die Aussicht