Fast auf den Tag genau vor 5 Jahren hatte ich mein erstes Treffen mit dem Cupra Born. Damals natürlich in Barcelona. Schliesslich ist er nach einem Quartier in der katalanischen Metropole benannt. Unser Start war nicht ganz einfach: Der Naviscreen fiel aus, die Slider und Touchflächen waren schwer zu bedienen und die Bremse konnte nicht gänzlich überzeugen. Inzwischen hat der knackige Fünftürer nicht nur ein Facelift erfahren, seit einiger Zeit gibt es ihn auch mit stärkerem Motor an der Hinterachse. Der VZ leistet 326 PS und stellt das Spitzenmodell der Baureihe dar. Spitzenmässig entsprechend auch der Preis: 56’400 Franken sind am Testwagen angeschrieben, wobei er noch von einem Prime-Bonus profitiert, der ihn gesamthaft um über 5000 Franken günstiger macht.

Hübsch: Die aufpreispflichtigen Felgen stehen dem VZ so richtig gut
Ganz schön viel Geld für ein Auto, das grössenmässig in der Golf-Klasse anzusiedeln ist. Was kann der facegeliftete Spanier aus Zwickau dafür bieten? Tatsächlich vieles, das bei früheren Tests noch gestört hatte und nun korrigiert wurde. Allen voran: Der One-Pedal-Mode hält endlich Einzug. Beginnen wir direkt mit dieser Elektroautospezialität. Startet man im konventionellen D-Modus, steht die Rekuperation auf Automatik. Dann wird die Stärke der Bremswirkung an Verkehrslage und Strassensituation angepasst. Fährt man auf eine Kreuzung zu, wird stark rekuperiert, auf Geraden dagegen praktisch widerstandslos rollen gelassen. Wer das zu beliebig findet, kann an den Lenkradpaddeln drei unterschiedlich starke Varianten der Rekuperation einstellen.

Dreieck: Auch in der Nacht tiptop erkennbar
Und wer nun nur noch mit einem Pedal Gas beziehungsweise Strom geben und beim Lupfen jeweils mit Bremswirkung bis zum Stillstand kommen möchte, dreht den Getriebewählstummel auf den B-Modus. Während Tesla oder Polestar diese Funktion seit Jahren standardmässig draufhaben, hat man im Volkswagenkonzern lange mit seltsamen Ausflüchten argumentiert, warum man sie nicht einmal als Option anbot. Nun scheint der Widerstand gebrochen. Wollen wir bei seltsamen Entscheiden bleiben? Da war einmal der unbeleuchtete Klima- und Lautstärkeslider unterhalb des zentralen Multimediascreens. Voilà, der Bereich leuchtet nun und ist auch bei Nacht einigermassen problemlos zu bedienen. Am Lenkrad vertraute man vor dem Facelift auf Touchfelder, deren Bedienung alles andere als intuitiv war. Hier hat man den Weg zurück zu konventionellen Tasten gefunden. Herrlich.

One Pedal: Endlich lässt uns Cupra die Wahl zwischen verschiedensten Rekuperationsmodi
Fahren? Ja, fahren kann der Born VZ natürlich auch. Und das gar nicht schlecht. Im Gegenteil. Schub ist dank des starken Motors in allen Lebenslagen mehr als genug vorhanden. Der Heckantrieb führt nicht nur zu einem fast sportwagenmässigen Gefühl, er befreit die Lenkung von jeglichen Antriebseinflüssen. Die Progressiveinheit funktioniert wunderbar direkt, liefert anständig Feedback und trägt so zum Fahrspass bei. Gleiches gilt für die Verstelldämpfer, die via Performance- oder Cupra-Modus auf hart gestellt werden können. Ob es den Raumschiffsound, der dazu eingespielt wird, tatsächlich braucht? Wohl eher nicht. Praktisch, dass er sich auch ausschalten lässt. Eher nicht ausschalten sollte man das ESP. Der Drang dazu könnte aber bei Sportfahrer:innen durchaus entstehen.

Knackig: Das Heck wurde nur in Details verändert
Denn so viel Fahrspass der Cupra Born VZ bei fliessenden Kurvenkombinationen auch bieten kann, so nervig sind die ESP-Eingriffe bei etwas zu hohem Leistungseinsatz. Da wird man gefühlt auf turbolosen Dieselantrieb eingebremst. Das Sportgrinsen weicht einem enttäuschten und leicht desillusionierten Gesichtsausdruck. Kann so ein kompakter Elektrowagen gar nie wirklich sportlich sein? Kann er schon. Doch wird ihm bei leicht übertriebener Motivation ein konzeptbedingtes Problem zum Verhängnis. Der Heckantrieb mit der grossen und spontan abrufbaren Leistung könnte im Zusammenspiel mit dem zwei Tonnen schweren und nicht speziell flach bauenden Born zu ungewollten Pendelbewegungen führen. Diese würden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Strassengraben enden. Das will man nicht – will niemand. Allerdings habe ich den Vor-Facelift-VZ als etwas lebendiger in Erinnerung…

Racing? Der Diffusor lässt jedenfalls davon träumen
Den sportlichsten Kompakt-Cupra dürften trotzdem noch einige Petrolheads wollen. Denn auch als Elektriker bringt er ein bisschen von jener Emotionalität mit, die von den Hartgesottenen im neuen Zeitalter gerne als „verloren gegangen“ bezeichnet wird. Dazu tragen auch die CupBucket-Sitze bei, die neben ihren sichtbaren Vorzügen auch eine haltstarke Sitzposition mitbringen. Natürlich sind sie wie das Lenkrad beheizt und elektrisch verstellbar. Und auch die versammelte Assistenz ist an Bord.

Dark Forest oder doch eher Spanisch Racing Green?
Die hat ihr Können bei meinem Test sogar eindrücklich demonstriert. Als ich bei leichtem Herbstnebel in normalem Tempo auf der Autobahn unterwegs war, warnte sie mich plötzlich: „Achtung, Stau voraus“. Da der Verkehr nicht sonderlich dicht war, wunderte mich die Ansage, doch innerlich machte ich mich auf ein plötzlich vor mir auftauchendes Stauende gefasst. Und siehe da: Warnblinker und Bremsleuchten en masse vor mir. Die Warnung, gut 1,5 Kilometer vor der stehenden Kolonne, hat mich wunderbar auf mein Bremsmanöver vorbereitet. So stelle ich mir nützliche moderne Assistenz vor. Nicht ständig piepend und blinkend, sondern genau dann zur Stelle, wenn es Sinn ergibt.

Gekommen um zu bleiben: Das Cupra-Logo kennt man inzwischen
Einen weniger guten Eindruck hinterlässt der Multimediabereich. Trotz diversen Versuchen lässt sich Apple CarPlay zu Beginn nicht verbinden. Bei einer späteren Fahrt klappt es dann plötzlich, nur um am Tag danach wieder verunmöglicht zu sein. Einmal schaltet sich der Screen gar nicht erst richtig ein, bleibt beim Startbildschirm hängen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ein Sennheiser-Audiosystem verbaut ist, denn das Logo verschwand bis zum Neustart nicht mehr. Doch das hätte sich auch mit Blick auf die Boxenabdeckung herausfinden lassen.

Leuchtet ein: So erkennt man die Marke auch in der Nacht
Werfen wir von aussen einen Blick auf den Facelift-Born. Das Gesicht steht dieses Mal tatsächlich im Fokus. Denn hier grüsst nun die markenweit eingeführte Sharknose. Der Spitz der Schnauze ragt dabei etwas über den Rest der Front hinaus, so wie das bei einem Hai eben auch der Fall ist. Abgesehen vom Tavascan (noch zu neu) und dem Ateca (zu alt) tragen nun alle Cupra diese Frontgestaltung. Ansonsten wurde wenig verändert, wenn man von den Dreiecken vorne und hinten in den Leuchten absieht. Klar, der Born war auch schon zuvor attraktiv gestylt und stellte so etwas wie die hübschere Alternative zum etwas gar langweiligen ID.3 dar.

Blinkt: Bei Richtungswechseln wird das Tagfahrlicht orange
Manchmal ist Langeweile etwas Gutes. Hier zum Beispiel dann, wenn man ganz konventionell über vier langweilige Tasten die vier Scheibenheber ansteuert. Klingt trivial, war es aber nicht. Vor dem Facelift musste über einen Touchbereich zuerst der Fond angewählt werden, um dann per Tastendruck die Scheiben zu versenken. Das bringt mich zu den hinteren Sitzen, wo man genügend Platz vorfindet. Auch im Kofferraum bringt man einiges unter, wobei er mit 385 Litern Volumen nicht riesig ist. Der Cupra Born VZ kann definitiv Alltag, mit einer Alltagsreichweite von rund 450 Kilometern sind auch grössere Distanzen problemlos machbar. Per Schnellladung sollen binnen 30 Minuten 80 % SOC erreicht sein. Neu beherrscht er zudem V2L (Vehicle to Load), könnte also beispielsweise einen E-Bike-Akku aufladen.

Stopp! Die Trommelbremsen an der Hinterachse reichen für gute Bremswerte
Das Facelift ist also gelungen, der Cupra Born VZ bereitet immer noch viel Fahrspass, sieht auch wieder frisch aus und bietet tolle Sitze. Dass die Software auch in der aktuellsten Variante noch ihre Tücken hat, stimmt aber schon nachdenklich. Hier ist zu hoffen, dass bei Volkswagen bald der Effekt des Engagements bei Rivian zum Tragen kommt. Und warum heisst die Aussenfarbe eigentlich Dark Forest? Spanish Racing Green wäre passender.
