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Auffallend unauffällig

Published on März 15th, 2013 | by zuendung

Auffallend unauffällig

Es erstaunt wie einst, als die Angebetete mit der Klassenleuchte davonzog: „Was, mit dem?!“ Nicht gerade vielen Männern in meinem Umkreis fällt mein Sorento auf. Sie reagieren mit Vorbehalt: „Ein Kia?“ Mit „ja, das sind die mit sieben Jahren Garantie“ versuche ich, das Eis zu brechen. Ganz anders das weibliche Geschlecht: Vorurteile sind den dreien, die mich unabhängig voneinander auf den in Aurora Black Pearl lackierten Koreaner ansprechen, wohl fremd. Mit „einen hübschen Wagen fährst Du da“ oder „so einen hätte ich auch gern“ überraschen sie mich ungefragt. Dass der Sorento über solche Verführkräfte verfügt, hätte ich nicht erwartet, öffnet mir aber die Augen: Ist es das funkelnde Schwarz, die grossen Räder oder der chromglänzende Grill, der die Ladies beeindruckt? Sie können es nicht näher beschreiben, nur dass er halt männlich und kräftig – und doch elegant wirke.

Der überarbeitete Sorento hat etwas Elegantes, ja etwas „Chic“ zugelegt. Im Vergleich zum bisherigen wirkt er erwachsener, hochwertiger und verfeinert. Das Fahrgefühl ist satt, er liegt gut auf der Strasse. Die elektrische Servolenkung braucht bei jeder Lenkbewegung zwar einen winzigen Anschubser, ehe die Unterstützung einsetzt. Doch daran hat man sich nach wenigen Kurven gewöhnt. Schnelle Kurven sucht man sowieso nicht, dem Sorento liegt eher das Gleiten. Kia preist ihn in den Verkaufsunterlagen denn auch als Pendlervehikel an: „…lässt den Puls der Stadt höher schlagen: Eleganter Pendler oder vielseitiger Familienbegleiter – der Sorento verleiht dem Leben in der Stadt neue Dynamik.“ Die Aussage wirkt auf grüne Seelen zwar wie saurer Regen, ist aus automobiltechnischer Sicht aber nicht verkehrt.

Staupassagen meistert der Allradler mühelos. Am Stauende verwandelt die Sechsgangautomatik die Dieselkraft in rassigen Vortrieb. Unter Volllast verrät der Motor sein Arbeitsprinzip deutlich hörbar. Autobahntempo ist schnell erreicht, Windgeräusche bleiben angenehm im Hintergrund. Auch für Zwischensprints, um etwa beim Spurwechsel in die Lücke zu passen, genügen die 197 PS und 421 Nm Drehmoment. A propos: Ein Totwinkelassistent warnt vor Objekten ausserhalb des Spiegelbereichs. Ein orangefarbenes Dreieck im Aussenspiegelgehäuse leuchtet bei Gefahr auf. Das ist im mehrspurigen Stossverkehr sehr praktisch. Auch praktisch ist der Spurhalteassistent, der beim Be- und Übefahren von Fahrbahnmarkierungen ein Alarmsignal abspielt. Dieses ist jedoch sehr dezent und wird bei etwas lauter eingestelltem Radio leicht überhört. Zuverlässiger wäre die Kommunikation mit dem Fahrer über vibrierende Sitzpolster, wie zum Teil bei französischen Fahrzeugen.


Die zentrale Sicherheitseinrichtung liegt in der hohen Sitzposition, dank der man das Verkehrsgeschehen im Auge behält. Wichtige Angaben wie die Geschwindigkeit lassen sich gut ablesen, obwohl nur drei der vier roten Zeiger echt sind: Die mittlere Anzeige ist ein Bildschirm, der die Tachonadel täuschend echt wiedergibt. Nicht ganz schlüssig gelöst ist, wo die Aktivität der einzelnen Sicherheitshelferchen angezeigt wird. Kontrolllämpchen gibt es teils direkt auf den Schaltern, teils auf dem Bildschirm. Einfach verständlich ist die Steuerung des Navigationssystems und des Unterhaltungszenters über den zentralen Touchscreen. Einsteigen, Bluetooth anwählen, und schon spielt der Sorento die iTunes-Sammlung ab und lässt einen freihändig telefonieren. Vom Lenkrad aus kann man die wichtigsten Funktionen fernbedienen, wobei die Knöpfe etwas zu nah am Lenkradkranz liegen. Lenker mit grösseren Händen – oder Einhandlenker – lösen oft ungewollt die Mutetaste oder einen Senderwechsel aus. Unverständlich scheint die Taste rechts im Lenkrad, mit der die elektrische Servolenkung in Sport-, Normal- oder Komfortmodus geschaltet wird. Eine der griffgünstigsten Positionen ist mit einer selten benutzten Funktion belegt, die kaum spürbare Unterschiede bewirkt. Ob man da einfach die Möglichkeiten des neuen Lenksystems zeigen will?

Weitere Annehmlichkeiten unseres Testwagens: Das Panoramaglasdach gibt die Sicht auf den Himmel auf fast der gesamten Dachlänge frei. Fällt zu viel Licht in den Innenraum, lässt sich ein elektrisches Stoffrollo vorziehen. Es wirkt, als hätte man den Dachhimmel eben rasch mit Stoff bespannt. Wie leise und elegant es geht, das Rollo vor- und zurückzufahren, begeistert (Beifahrer neigen dazu, es dauernd zu tun). Alle vier Sitze können elektrisch beheizt, die vorderen auch gekühlt werden. Parkmuffel können den Kia selbständig einparken lassen. Der Parkassistent funktioniert am linken und rechten Strassenrand und steuert die fast 4,7 Meter lange Fuhre in erstaunlich knappe Lücken. Wer es selbst tut, zirkelt den Viermalvier dank Rückfahrkamera und akustischer Entfernungsangabe in noch kleinere Lücken.

Wie vom koreanischen Hersteller gewohnt, begleitet einen der überarbeitete Sorento zuverlässig durchs Leben. Zumindest für sieben Jahre oder 150‘000 Kilometer, auf die der Hersteller Garantie aufs Auto und Mobilitätsgarntie gewährt. Unser Testwagen kostet 56‘030 Franken. Man erhält aussen LED Positionslichter und den eindrücklichen verchromten Kühlergrill, innen Leder und bis zu sieben Sitze. Klar, die Soundanlage lässt sich nicht in allen Facetten feineinstellen, es gibt den 2,2 Liter Diesel oder den 2,4 Liter Benziner und die Aufpreisliste ist beschränkt. Anhängelast: 2‘000kg (Handschalter: 2‘500kg). Entsprechend einfach ist es handkehrum für den Alltagsbenutzer, mit dem Sorento glücklich zu werden. Er erhält ein Fahrzeug, das ihn bedient – und nicht bedient werden muss. Vielleicht ist es wie im richtigen Leben: Die einen suchen den bestmöglichen Partner, andere sehen einen guten Partner als den besten. Oder – um auf die begeisterten Damen zurückzukommen – vielleicht ist es genau die Art von Auto, die die Menschen wollen. Ganz im Sinne des Sorentoprospekts schliesse ich mit der Botschaft: „Bereit für den Grossstadtdschungel!“
PS: Den Sorento gibt es übrigens auch mit Front- statt Allradantrieb.


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