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2. Dezember 2025

Der Fels

Skoda | 0 Kommentare

Nein, Elroq ist nicht Spanisch und bedeutet ziemlich sicher nicht „der Fels“. Aber so ein bisschen hört es sich schon danach an, oder? So ein Name würde dann aber sowieso besser ins Portfolio eines spanischen Herstellers wie Cupra passen. Aber die Tschechen haben sich die Bezeichnung unter den Nagel gerissen und wenn man sich den […]

Nein, Elroq ist nicht Spanisch und bedeutet ziemlich sicher nicht „der Fels“. Aber so ein bisschen hört es sich schon danach an, oder? So ein Name würde dann aber sowieso besser ins Portfolio eines spanischen Herstellers wie Cupra passen. Aber die Tschechen haben sich die Bezeichnung unter den Nagel gerissen und wenn man sich den Elroq so anschaut, ist er bestimmt gekommen, um zu bleiben.

Zeitgeist: Die Hauptscheinwerfer unterhalb der charakteristischeren Tagfahrsignatur anzubringen, hat sich durchgesetzt.

Denn wo der Enyaq vielleicht mit seinen Dimensionen etwas aneckt, was sich auch im Preis niederschlägt, scheint der kleinere SUV so etwas wie die goldene Mitte zu treffen. Mit 4,48 Meter ist er fast 20 Zentimeter kürzer als sein grösserer Bruder und hält auch 10 Zentimeter Abstand zum ID.4 von VW. In der Höhe übertrifft er mit 1,65 Meter beide um 2 – 3 Zentimeter. Da Breite und Radstand quasi Gleichstand herrscht, wird schnell ein Bild daraus: Beim Elroq wurde der Innenraum maximiert.

Tatsächlich empfängt mich ein grosszügiges Cockpit, das in der Variante Lodge zweifarbig daherkommt. Die hellen Bereiche wirken freundlich und sorgen für ein noch besseres Raumgefühl. Tatsächlich sind alle fünf Plätze bequem, der Kofferraum von 470 Liter ebenfalls gut bemessen. Dazu kommen so viele Netze, dass man meint, ein Grosswildjäger habe sein Arbeitsgerät vergessen. Doch das ist schlicht Skodas Reaktion auf Kundenbedürfnisse. Nichts nervt mehr, als umherfliegende Gepäckstücke – oder Ladekabel. Für letztere haben die cleveren Ingenieure einen sinnvollen Ort gefunden: Unterhalb der Hutablage findet man die Stromleiter bei Bedarf auch bei beladenem Fahrzeug jederzeit schnell.

Shotcut: Von der Seite wird die gegenüber dem Enyaq reduzierte Länge deutlich sichtbar.

Mit wenig Beladung aber voller Ladung stromere ich los. Anders als bei VW oder Cupra hat man sich für die platzraubendere Lösung des Fahrstufenschalters auf der Mittelkonsole entschieden. Hier schiebe ich nun auf D. Die Rekuperation geht sofort auf A (für Automatik), lässt sich aber per Zug am Lenkradpaddel nach Belieben regeln. Ich fahre den Elroq, als würde ich ihn schon seit Jahren kennen. Typisch Skoda, dass man sich sofort wie zu Hause fühlt, auch wenn man die Marke noch gar nicht kannte. Die Bedienung ist simpel und intuitiv, was auch mit der nicht zu touchlastigen Auslegung derselben zu tun hat. Am Lenkrad gibt es sogar noch haptische Tasten und (Trommelwirbel!) Walzen, um die Lautstärke zu regeln. Für den Tempomat ist ein zusätzlicher Lenkstockhebel verantwortlich, was für einen Skoda-(oder Audi-)Kenner ebenfalls kein Neuland bedeutet.

Ergonomisch: Skoda hat sich aus dem VW-Baukasten einen gut funktionierenden Arbeitsplatz gebaut.

Besonders erwähnenswert ist das grosse HeadUp-Display, das im Navigationsmodus die Richtungspfeile im AR-Style ins Blickfeld einspielt, so dass falsch zu fahren fast zu einem Ding der Unmöglichkeit wird. Nicht ganz so gut wie im ID.7, aber immer noch recht ok: Die assistierten Spurwechsel. Generelle funktioniert die Assistenz, so wie sie soll. Nämlich hilfreich und zurückhaltend. Nur beim Rückwärtsfahren stören die allzu vielen und farbigen Linien, so dass man die Linien der Parkplätze daneben kaum noch erkennen kann.

Simply clever: Das Ladekabel (gelb) hängt an der Unterseite der Hutablage

Schwer zu erkennen, ob es sich um einen Elroq handelt? Verglichen mit dem Enyaq und von vorn betrachtet tatsächlich, ja. Denn mit dem kleineren SUV wurde die neuen Skoda-Markenformensprache „Modern Solid“ eingeführt, die sofort ins Facelift des grösseren Bruders übernommen wurde. Seitlich fällt dagegen der deutlich kürzere Überhang hinten sofort auf. Hinten wurde beim Kleinen das Kennzeichen zwischen den sehr ähnlich geformten Leuchten platziert, während es beim Enyaq im Stossfänger sitzt. Bei beiden Tschechen wurde ein Design gewählt, das zwar nicht polarisiert, deswegen aber kaum als langweilig bezeichnet werden kann.

Grau statt Blau: Links wird man wahrscheinlich häufiger sehen. Schade eigentlich.

Und das gilt eigentlich für das ganze Fahrzeug. Es fährt, es bremst, es hat Platz, es funktioniert und hält viele schlaue Detaillösungen bereit. Langweilig ist anders. Öffnet man die Türe, schaltet die Ambientebleuchtung in jenem Bereich auf Rot, um von hinten nahenden Verkehr besser vorzuwarnen. Bei drohender Langeweile, könnte auch Laura Abhilfe schaffen. Die Assistentin lässt sich mit „ok, Laura“ aktivieren. Die Witze sind eher von der ganz trockenen Art: Was hat vier Beine und kann fliegen? Zwei Vögel. Haha. Aber ich gehe davon aus, dass andere Aufgaben mit ebenso humorloser Gründlichkeit ausgeführt würden.

Ein Sonderlob verdienen die Gurte. Nicht nur, weil sie sich nach dem Losfahren sanft anziehen, sondern weil man sie in dieser Ausstattungslinie leuchtend rot gestaltet hat. Ein Farbklecks, der jeden Morgen wieder Freude bereitet. Im Stil des Hauses sind die Isofix-Halterungen perfekt erreichbar und in den Vordertüren findet sich der fast schon kultige Schirm. Auch Ablagen gibt’s genug. Wer nur bis maximal 4 Personen transportiert, kann hinten im Fussraum zwischen den Sitzen eine weitere Ablage positionieren. Wird der Platz für Füsse gebraucht, nimmt man die Konsole einfach raus.

Platz da: Auch die hinteren Plätze sind geräumig, die Konsole am Boden ist mit einem Handgriff ausbaubar.

Und sollte man tatsächlich einmal allein unterwegs sein, lässt sich das DCC auch auf Sport stellen. Sonderlich hart oder sportlich ist die Abstimmung auch dann nicht, Restkomfort bleibt definitiv ein Thema. Das ist auch gut so. Der Hecktriebler hat zwar 286 PS, bersonders schnell fühlt er sich aber nicht an. Der Heckantrieb hat aber einen entscheidenden Vorteil: Der Wendekreis fällt mit 9,3 Metern extrem klein aus (mit Allrad: 10,8 Meter). Gerade in der Stadt ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Modern Solid: Die Bezeichnung des neuen Skoda-Stils passt ganz gut zum Elroq.

Nicht unterschätzen darf man auch die Preise der einstigen Günstig-Volkswagen namens Skoda. Der Testwagen schlägt mit 52’260 Franken zu Buche, wobei er Mehrausstattung für über 10’000 Franken an Bord hat. Dafür ist dann auch so ziemlich alles verbaut, was man sich wünschen kann. Eine Besonderheit sollte man beachten: Obwohl er die Zahl 85 zur Einordnung trägt, hat dieses Modell nur 77 kWh an Batterikapazität zu bieten. Doch auch diese reichen für eine mehr denn alltagstaugliche Reichweite von um die 400 Kilometer. Am Ende ist nicht nur das Design solide und modern, das Gesamtpaket überzeugt, auch wenn es seinen Preis hat. Wer ab und an über echte Felsen oder zumindest im Schnee unterwegs sein möchte, greift zur Allradversion. Die verschlingt allerdings nochmals 2000 Franken mehr.