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3. Juli 2026

Liebling der Kinder

Kia | 0 Kommentare

Der Kia PV5 dürfte von ziemlich vielen autointeressierten Familien mit riesiger Vorfreude erwartet werden. Doch bevor es losgeht gleich zwei ordentliche Dämpfer: 1. Aktuell gibt es die Passenger-Variante des PV5 nur mit 5 Plätzen. 2. Von diesen fünf verfügen nur zwei über Isofix-Verankerungen. Ist der brandneue Bus trotzdem einer zum Träumen? Finden wir natürlich gerne […]

Der Kia PV5 dürfte von ziemlich vielen autointeressierten Familien mit riesiger Vorfreude erwartet werden. Doch bevor es losgeht gleich zwei ordentliche Dämpfer: 1. Aktuell gibt es die Passenger-Variante des PV5 nur mit 5 Plätzen. 2. Von diesen fünf verfügen nur zwei über Isofix-Verankerungen. Ist der brandneue Bus trotzdem einer zum Träumen? Finden wir natürlich gerne raus.

Frontlader: Strom führt man dem PV5 über den Anschluss hinter der mittigen Klappe vorne zu

Zunächst mal zur Technik. Den PV5 gibt es in der Passenger-Version mit 51,5 kWh und 71,2 kWh Akku, wobei der kleinere mit 122 PS und der grössere mit 163 PS an der Vorderachse kommt. Geladen wird wie üblich mit 11 kW DC und immerhin bis zu 150 kW mit Gleichstrom. Damit ist der Van gerüstet, auch Langstrecken flott genug zu bewältigen. Für den typischen Ladehub von 10 auf 80% SOC gibt Kia 30 Minuten an.

That’s it: Weiter lässt sich das Seitenfenster nicht versenken

So, und jetzt eingestiegen in den koreanischen Neuling. Das geht überraschend einfach, da knapp über dem Fahrzeugboden eine Stufe eingelassen wurde. Das typische, fast LKW-mässige Hinaufwuchten entfällt also glücklicherweise. Auch sonst erinnert hier gar nicht so viel an einen Lastesel. Das Lenkrad steht nicht zu flach, das Innendesign ist an jenes der PW-Kia angelehnt. Hauptunterschied ist hier der grosse Touchscreen, der leider nicht durch eine Tastenleiste ergänzt wird. Praktisch sämtliche Einstellungen wollen per Fingertipp auf dem Bildschirm eingegeben werden. Das spart dem Hersteller Teile und somit Kosten, geht aber leider zulasten der Ergonomie.

Eigenständig: Wer hat gesagt, dass ein Transporter nicht cool aussehen darf?

Aus den EV-Modellen bekannt sind Lenkrad und Fahrstufenhebel an der Lenksäule. Ich drehe nach vorne und schon geht die Fahrt mit dem H1L2 los. Wie im Nutzfahrzeugbereich üblich, gibt es den PV5 in verschiedenen Längen und Höhen. L2 ist die Standardlänge und misst 4,69 Meter. Mit den 1,92 Meter von H1 kommt man noch in die meisten öffentlichen Parkhäuser, was sowohl für Familien wie auch für Handwerker wichtig sein dürfte. Schon nach wenigen Metern Fahrt merke ich, wie die tief angesetzte Fensterlinie für gute Übersichtlichkeit sorgt. Die A-Säule fällt zwar relativ dick aus, was aber mit einem kleinen Dreiecksfenster abgemildert wird. Der Testwagen verfügt über die höchste Ausstattung „Elite“ und hilft mir mit der 360°-Kameraansicht zusätzlich beim Manövrieren.

Schrankwand: Hinten sind die Möglichkeiten der Designer:innen bei dieser Fahrzeuggattung limitiert

Zur Elite gehöre ich auf der Autobahn mit 163 PS und der Stirnfläche eines Einfamilienhauses natürlich nicht. Aber dafür liegt die Höchstgeschwindigkeit in Reichweite: Der Fünfplätzer ist bei 140 km/h abgeregelt. Auch bei Autobahntempo ist der Geräuschkomfort überraschend gut. Wie ich auch generell ziemlich bequem von A nach B komme. Die Abstimmung des Fahrwerks ist gelungen, ohne zu übertriebenem Schwanken zu neigen, federt der PV5 die allermeisten Unebenheiten souverän weg. Zum Thema Souveränität passt der Wendekreis. Mit nur 11 Meter ist er für ein Fahrzeug dieser Gattung überraschend wendig.

Starmap: Die Kia-typische Tagfahrlichtsignatur wird durch die Hauptscheinwerfer unten ergänzt

Damit gelingt auch die Parkplatzsuche in der Luzerner Innenstadt problemlos. Immer vorausgesetzt, man findet überhaupt eine der immer seltener werdenden Parkgelegenheiten. Selten ist momentan auch noch die Sichtung eines Kia PV5 auf der Strasse. Und tatsächlich bemerke ich, wie einzelnen Passanten die neuartige Erscheinung auffällt. Ein paar Jugendliche zeigen gar auf den Elektrovan. Noch ist das Genre nur sehr spärlich besetzt. Das Stellantis-Trio Fiat Ulysse, Citroën ë-Spacetourer und Peugeot Traveller ist immer mindestens 20 Zentimeter länger. Der Ford Transit Custom dürfte bei vielen Interessierten schon wegen der Breite von über 2 Meter ausscheiden.

Doch zurück in den südkoreanischen Newcomer, der auch tatsächlich in Asien gebaut wird. Dass es ihn momentan nur als Fünfplätzer gibt, führt zu einem enorm grossen Kofferraum von mindestens 1330 Liter. Dazu kommen Staufächer unter dem Boden. Auch im Cockpit finden sich diverse zusätzliche Ablagemöglichkeiten neben Handschuhfach und Türtaschen. Eine Schublade lässt sich aus der Mittelkonsole ziehen und links neben dem Tacho gibt es ebenfalls Platz. Nur bei offenen Türen sind die beiden Fächer unter den Sitzen zugänglich. Auch das Handy findet seinen eigenen Platz. Der induktive Ladeplatz ist quer zur Fahrtrichtung eingebaut, womit der Gang zwischen den Vordersitzen frei bleibt.

Platz: Beim Fünfplätzer versteckt sich hinter dieser Klappe ein enormer Laderaum

Praktisch, wie der ganze PV5. Gibt man noch 1500 Franken extra für das Elite Pack Passenger aus, sind sogar elektrische Schiebetüren und belüftete Vordersitze dabei. Beheizbar sind die Sitze natürlich sowieso – auch hinten. Die Platzverhältnisse im Fond sind mehr als fürstlich. Tischchen an den Rückenlehnen der Vordersitze würden nichts bringen, da man zu weit entfernt von ihnen sässe. So die Reklamationen von der Rückbank. Dafür ist die Freude über die auf Knopfdruck elektrisch aufschiebenden Türen natürlich gross. Und auch das kleine manuelle Schiebefenster wird geschätzt, wenn man dessen Bedienung einmal begriffen hat.

Simpel: Hier finden sich auch Neuling schnell zurecht

Die Bedienung des Multimediasystems gestaltet sich derweil simpel, wenn man mit Touchscreens und Apple CarPlay vertraut ist. Auch die Lenkradtasten sind leicht bedienbar. Ob man die Drive-Modes (Taste mittig im Lenkrad) in so einem Auto überhaupt braucht? Wohl eher weniger. Ich fahre meist im Standard-Modus und fühle mich damit sehr wohl. Wer etwas zügiger losfahren will, erntet kurz durchdrehende Räder, dann aber direkt den erwünschten Elektrovortrieb. So fahre ich so dynamisch wie die gestresstesten Paketauslieferer, einfach ganz ohne deren Lärm.

Kann man? Man kann.

Ein paar Worte zum Design: Wer Kia die letzten Jahre etwas beobachtet hat, kennt das gestalterische Selbstbewusstsein inzwischen gut. Dass selbst ein Van richtig cool ausschauen kann, beweist man mit dem PV5 überzeugend. Die hochgelegten Tagfahrlichter erinnern an die PW-Modelle. Wie inzwischen üblich geworden, finde sich die Hauptscheinwerfer tief und fast unsichtbar knapp oberhalb des Stossfängerbereichs. Ebenso markant wurde die Seitenlinie mit der tief angesetzten Fensterkante gestaltet. Dadurch verschwindet die Scheibe zwar deutlich nicht in der Türe, doch der Design- und Sichtgewinn überwiegt. Schön, dass man sich für echte Bügeltürgriffe entschieden hat. Hinten ist die Gestaltungsfreiheit durch die möglichst breite Klappenöffnung naturgemäss eingeschränkt. Die Ladeklappe findet sich übrigens zentral an der Front. Nur in der Elite-Ausstattung sind die 16-Zöller aus Aluminium. Ihr Design fügt sich nahtlos in den coolen Look ein.

Riesig: Der Platz auf der Rückbank fast schon verschwenderisch

Im Test hat sich der in Lakehouse Gray lackierte Kia PV5 Passenger Elite ziemlich genau 20 kWh auf 100 Kilometer genehmigt. Die Reichweite liegt also bei 350 Kilometer, was als absolut ausreichend bezeichnet werden kann. Ob der Kindertraum auch tatsächlich in Reichweite liegt? Unser Testwagen hatte neben der Topausstattungslinie noch die sinnvolle Wärmepumpe (900.-), die erwähnte eher grünliche Farbe (810.-) und das Elite Pack mit den elektrischen Schiebetüren (1500.-) an Bord und kam so auf einen Gesamtpreis von 53’660 Franken. Da sind Annehmlichkeiten wie Abstandstempomat, Volllichtautomatik, diverse Assistenzsysteme, Keyless und auch das HeadUp-Display aber ebenfalls mit dabei.

Stimmig: Egal aus welcher Perspektive, der Kia PV5 gefällt

Ich kann mir daher gut vorstellen, dass der PV5 tatsächlich bei vielen Familien ganz oben auf der Wunschliste steht. Das dürfte sich noch weiter steigern, wenn die 7-sitzige Version folgt. Doch auch mir selbst hat der Test viel Freude bereitet, weil der Kasten einfach ein guter Kumpel ist, den Du trotz seines umfassenden Raumangebots überall parkieren kannst. Dazu sieht er auch noch gut aus. Und selbst, wenn es mal schnell gehen soll, macht er mit seiner gelungenen Abstimmung ebenfalls Spass.