amadefries

25. Juni 2026

Trifft den europäischen Geschmack

Zeekr | 0 Kommentare

Wenn man den Zeekr X sieht und den Zeekr 7X bereits kennt, fällt es schwer, Familieninsignien zu erkennen. Doch so wie sich manche menschlichen Geschwister halt partout so gar nicht ähneln wollen, so bleibt der Verwandschaftsgrad davon unbelastet. Als kompakter SUV denke ich beim Thema Verwandtschaft natürlich sofort an den Volvo EX30 – und liege […]

Wenn man den Zeekr X sieht und den Zeekr 7X bereits kennt, fällt es schwer, Familieninsignien zu erkennen. Doch so wie sich manche menschlichen Geschwister halt partout so gar nicht ähneln wollen, so bleibt der Verwandschaftsgrad davon unbelastet. Als kompakter SUV denke ich beim Thema Verwandtschaft natürlich sofort an den Volvo EX30 – und liege damit goldrichtig. Er steht wie auch der Smart #3 auf der SEA2-Plattform. Es überrascht also nicht, dass der Zeekr X Privilege AWD mit 428 PS und 69 kWh Batterie-Bruttokapazität exakt die Werte des stärksten EX30 erreicht. Der Brabus-Smart hat offenbar ein bisschen weniger Batteriestauraum und kommt auf nur 66 kWh Kapazität seiner NMC-Zellen.

Kompakt: Grössenmässig fällt der Zeekr X sehr ähnlich wie sein Bruder Volvo EX30 aus

Doch hier soll es ja um den „kleinen“ Zeekr gehen. Der begrüsst mich tatsächlich schon bei Annäherung an seiner B-Säule mit einem Smiley. Kann man übertrieben oder doof finden. Mir beschert es schon am frühen Morgen ein Lächeln. Da steige ich gerne ein. Drinnen geht’s in ähnlichem Stil weiter. Auf der Innenseite der Türen leuchtet nämlich die Skyline einer Stadt. Ob es Shanghai oder Göteborg ist, wird nicht kommuniziert. Das durch die perforierte Lederverkleidung scheinende Licht verleiht dem X jedenfalls genau jenes Premiumambiente, das die chinesische Marke anstrebt.

Hübsch: Das Interieur schaut nicht nur gut aus, es fasst sich auch ausnahmslos gut an

Wie bei Tesla weckt man den Antrieb mit einem Klick am Lenkstockhebel und braucht keinen Startknopf zu bemühen. Geräuschlos und sanft geht es los. Standardmässig ist man im Komfort-Modus unterwegs. Ideal für den kurzen Ausflug ins Engadin. Bei den Temperaturen im Frühsommer 2026 soll ein Sprung in den Silvaplanersee zumindest temporär Abkühlung bringen. Gesagt, geplant: Die Route via Flüela lässt sich auch via Spracheingabe aktivieren. Für den Hinweg reicht die Kapazität der NMC-Zellen locker aus. Anders als im 7X findet man hier eine 400 Volt-Architektur vor. Das maximale Ladetempo mit Gleichstrom liegt bei handelsüblichen 150 kW. Sympathisch ist, dass den Privilege man zuhause serienmässig mit 22 kW laden kann, während die schwächeren Versionen nur 11 kW Ladeleistung bieten.

Premium: Rahmenlose Seitenscheiben und leuchtender Markenschriftzug (nur im Stand) machen was her

Doch nun entfernen wir uns zunächst etwas vom trauten Heim, nehmen die A3 und schliesslich den Weg via Davos auf den Flüelapass unter die Räder. Auf der Autobahn zeigt sich der adaptive Tempomat von der besten Seite, regelt sicher und schnell. Am Berg wechsle ich in den Sport-Modus. Etwas irritierend, dass dann der One-Pedal-Drive nicht mehr bis zum Stillstand funktioniert. Dafür lebt der Zeekr X nun sein dynamisches Talent aus. In engen Kurven wird allzu optimistisches Herausbeschleunigen mit fröhlichen Heckschwenks beantwortet, die sogleich vom tadellos regelnden ESP eingefangen werden. Etwas überraschend kommt das lockere Hinterteil dann aber doch, denn abgesehen vom Antrieb gibt es keine Hinweise auf sportliche Talente.

Carspotter’s Liebling: nicht nur die Cobras, auch der Zeekr X wurde häufig geknipst. Hier auf der Flüela-Passhöhe.

Die Sitze sind bequem, aber nicht sonderlich haltstark. Das Interieur wurde bewusst edel und elegant gehalten, nicht unbedingt auf Dynamik getrimmt. Die eher gefühllose Lenkung hilft trotz direkter Auslegung auch nicht unbedingt. Ich gehe also in etwas zackigeres Gleiten über. Diese GT-artige Fortbewegung verträgt sich dann weit besser mit dem Wesen des X. Zudem ist sie auch beifahrerfreundlicher. Die kompakten Ausmasse fallen auch am Pass nicht negativ auf. Die 1,83 Meter Breite sind heute üblich. Doch mit 4,43 Meter Länge findet man auch einen der seltenen Längsparkplätze in der Stadt.

Eigenständig: Seitlich betrachtet zeigt sich die mutige Formgebung besonders eindrücklich

Im 25-gradigen Engadin angekommen, zieht der Zeekr X die Blicke der Carspotter auf sich. Die stehen eigentlich für das Cobra-Treffen und die vielen Sportwagen auf der Durchreise bereit. Erstaunlich, dass einem grauen (Tech Grey für CHF 1000.-) kompakter Elektro-SUV für 48’000 Franken
so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Aber auch bei einigermassen neutraler Betrachtung muss ich zugeben: Er schaut richtig gut aus. Kantiger als sein grosser Bruder könnte er auch eher polarisieren. Das auffälligste Feature schränkt die Aussicht der Fondpassagiere etwas ein: Die Fensterlinie knickt in der Mitte des Seitenfenster markant nach oben, um die Blechfallte im Bereich der Türen zu verlängern. Die Tagfahrsignatur mit jeweils zwei Streifen wird um die unten liegenden Hauptscheinwerfer ergänzt. Radläufe, Seitenschweller, Kühlergrill und die Heckschürze sind ebenso schwarz abgesetzt wie das Dach. Das massige Heck wird durch die schmalen Heckleuchten und den im Stand leuchtenden Zeekr-Schriftzug dominiert.

Skyline: Details wie die durchscheinende Stadt machen den X zusätzlich attraktiv

Bei Elektroautos kommt man nicht umhin, die Öffnung der Türen zu thematisieren. Auch bei Zeekr X haben sich die Ingenieure wieder etwas Neues einfallen lassen. Aussen klappen bei Annäherung kleine Klappen nach innen, die dann den Weg zu den Öffnern freigeben. Ob der aerodynamische Gewinn dieser Lösung wirklich so gross ist? In der Praxis funktionierten sie jederzeit tadellos, doch das tun normale Bügelgriffe ja auch. Innen wurde eine eher unpraktische Lösung gewählt, die zudem nicht intuitiv ist. Ein roségoldener Schalter, der relativ weit vorne liegt, will gedrückt werden. Daraufhin muss man die Tür aufstossen.

Uncool: Der hübsche Schalter zur Türöffnung liegt zu weit vorne und ist wie die Scheibenheber ergonomisch eher fragwürdig

Ob der X die Tür für die hier noch recht unbekannte Marke Zeekr aufstossen wird? Tatsächlich traue ich das vor allem dem 7X zu, der als Technikfeuerwerk zum sehr fairen Preis extrem viel bietet und dabei auch noch mehrheitsfähig aussieht. Der kleinere Bruder stellt aber gerade für Menschen mit nicht sonderlich grossem Platzbedarf die attraktivere, weil deutlich kompaktere Alternative dar. Dabei sind auch die Rücksitze nicht unbequem, nur sitzt man halt relativ tief mit angewickelten Beinen. Vorne gibt’s dagegen sogar belüftete Sitze, was im Sommer 2026 sehr willkommen ist. Auf dem nicht immer bekannten Weg kommt das HeadUp-Display sehr gelegen, weil dort die Navigationspfeile im AR-Stil eingeblendet werden.

Typisch: Frei stehende Spiegel und grosse Räder kennt man auch von den Verwandten

Auf der Smiley-B-Säule wird gleich nach Ladebeginn der Akkustand und die Restzeit eingeblendet. Ein weiteres Mal erfreut mich dieses kleine runde Aussendisplay. Hier dürfen andere Hersteller gerne kopieren. Ebenso bei Ladetempo, denn von 0 auf 100% SOC soll es in rasanten 4 Stunden gehen. Für den Stammtisch der alten weissen Männer vielleicht noch wesentlicher: Von 0 auf 100 km/h fliegt er in 3,7 Sekunden. Ihnen und allen anderen Elektrozweifelnden sei gesagt, dass der Allradler 17,5 kWh auf 100 Kilometer verstromt und somit etwas mehr als 400 Kilometer Reichweite schafft.

Schlau: In der B-Säule begrüsst ein Smiley – während der Ladung informiert das Display kompetent