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20. April 2026

Der Elektrojeep für die Familie

Jeep | 0 Kommentare

Der Aufschrei in der Jeep-Community war gross. Mit dem ersten Jeep Compass wagte man sich so richtig in die lange gemiedenen SUV-Gefilde. Inzwischen haben die Wrangler-Hardcore-Anhänger sich an die Verbreiterung des Sortiments gewöhnt. Oder gewöhnen müssen. Jeep hat nun sogar einen richtig coolen Elektro-SUV im Programm, den Avenger nämlich. Doch während der Avenger eher ein […]

Der Aufschrei in der Jeep-Community war gross. Mit dem ersten Jeep Compass wagte man sich so richtig in die lange gemiedenen SUV-Gefilde. Inzwischen haben die Wrangler-Hardcore-Anhänger sich an die Verbreiterung des Sortiments gewöhnt. Oder gewöhnen müssen. Jeep hat nun sogar einen richtig coolen Elektro-SUV im Programm, den Avenger nämlich. Doch während der Avenger eher ein Kleinwagen mit entsprechend eingeschränkter Reichweite ist, gähnte darüber die sortimentstechnische Leere. Das ist nun vorbei, der brandneue Jeep Compass steht vollelektrisch zum Test bereit. Dessen kleinerer Bruder Avenger hat neben seiner für manche etwas gar kompakten Grösse vor allem ein Problem: Als Elektroversion ist er relativ teuer. Unser Testauto kam auf 46’600 Franken. Der Compass kostet mit 213 PS und 74 kWh ab 45’990 Franken. Natürlich ist unser Testexemplar top ausgestattet und steht darum bei 52’890 Franken. Trotzdem ist die finanzielle Nähe erstaunlich.

In the City: In der Stadt fällt man mit einem leuchtenden SUV auf

Wo vermag der leuchtend grüne Zweiradler noch zu überraschen? Das finde ich im ausgedehnten Test mit dem Fünftürer heraus. Der Verzicht auf Allrad spielt in diese recht warmen Frühling keine Rolle. Selbst der Weg ins auf 1800 Meter über Meer gelegene Engadiner Hochtal ist komplett frei von Schnee und somit ideal für einen Langstreckenausflug. Also Ski und Co. in den Kofferraum und ab auf die Autobahn. Wie man es von einem 2026er-Jahrgang erwartet, sind für die Fahrt auf Schnellstrassen allerlei Assistenten an Bord. Besonders hilfreich ist jeweils der klassische adaptive Tempomat, der hier aber ab und zu daneben langt und manuelles Eingreifen nötig macht. Die Spurhalteassistenz macht ihre Sache gut, pendelt nicht wie andere Systeme innerhalb der eigenen Fahrspur hin und her. Auch die teilautomatischen Spurwechsel funktionieren mit etwas Übung recht gut.

Übung braucht es auch für die Bedienung des Sprachassistenten, der auf „hey Jeep!“ hört. Er kann nämlich die Sitzheizung einschalten, die Massage oder Lenkradheizung hingegen nicht. Die Massagesitze sind teil des Pack Premium, das auch noch die wohlklingenden Focal-Lautsprecher umfasst. Ausserdem kann das Gestühl vorne auch gekühlt werden. Die Vielfalt an Massageprogrammen könnte ein Hinweis darauf sein, wo man mit dem Compass am ehesten unterwegs ist. Im Pendlerverkehr oder als Soccer Dad bei der Feinverteilung der halben Juniorenfussballmannschaft. Da helfen solche Komfortfeatures durchaus.

In the Woods: Auf trockenen Naturstrassen ist man auch mit dem 4×2 souverän unterwegs

Eher weniger überzeugend ist das Fahrerlebnis am Pass. Die Lenkung ist indirekt ausgelegt, arm an Feedback und ausserdem zu leichtgängig. Dazu gesellt sich eine ziemlich ausgeprägte Neigung zum Aufschaukeln. Alles Dinge, die mich an den ersten in der Schweiz erhältlichen Jeep Cherokee erinnern, was die Sache aber leider auch nicht besser macht. Punkten kann die Neuerscheinung dagegen mit dem elektrischen Fahren. Hier stehen nicht nur 4 Stufen der Rekuperation zur Verfügung, ein physischer Knopf aktiviert sogar einen One-Pedal-Mode. Und er funktioniert erst noch sehr gut. Nur beim Übergang von Rekuperation zum zusätzlich manuell per Pedal eingeleiteten Bremsen braucht es recht viel Feingefühl.

Kanister: Das hier etwas gestreckte X in den Leuchten nimmt Anleihen bei der hier unnötigen Benzinreserve

Feingefühl symbolisiert Hawaii Green nun wirklich nicht. Die Farbe haut so richtig rein, steht dem Jeep Compass aber auch echt klasse. Das schwarz abgesetzte Dach schaut ebenfalls gut aus. Und der typische Jeep-Grill mit beleuchtetem oberen Rand sorgt für eine moderne Front bei guter Wiedererkennbarkeit. Darunter findet man die je nach Luftbedarf geöffneten Lamellen. Von der Seite wirkt der Neue deutlich länger, das Wachstum zum Vorgänger beträgt stattliche 13 Zentimeter. Am Heck überrascht eine schwarze Blende, in welche die Heckleuchten in angedeuteter X-Grafik eingearbeitet sind. Auch hier zieht sich ein Streifen über die ganze Breite, wie das 2026 fast schon designmässige Pflicht zu sein scheint. Insgesamt ein sehr stimmiger Look, der bei einer dezenteren Farbe nicht weiter auffällt.

Rot: Der Selec-Train-Schalter ist zwar auffällig, wird aber eher selten gebraucht

Im Interieur fällt sofort der rot gerahmte Selec-Terrain-Schalter auf. Dahinter verbergen sich die verschiedenen Programme, die dem in Süditalien gebauten US-Amerikaner ein bisschen Offroad-Credibility einbringen soll. Ich habe den Testwagen nur auf befestigtem Untergrund bewegt. Der Drehschalter zur Wahl der Fahrstufe ist bereits kurz nach dem Druck auf den Startknopf ready, was gegenüber den kleineren Stellantis-Geschwistern ein sehr wohltuender Fortschritt ist. Damit sich im Innenraum möglichst wenig bewegt, sind die meisten Ablagen mit gummierten Matten ausgestattet. Das passt zum Geländeanspruch, macht die Fächer aber auch wesentlich praktischer. Selbst die flache Ablage vor dem Beifahrersitz hält Dinge tatsächlich so fest, das man sie auch nutzen mag. Ärgerlich ist dagegen die Gestaltung des Türzuziehgriffs, der eben kein Griff, sondern nur eine relativ untiefe Mulde ist. Warum man sich hier nicht zu einem thematisch passenden Bügel hat durchringen können, bleibt das Geheimnis der Interior Designer.

Schwarz: Die durchgehende Blende am Heck ist ein neues Element beim Jeep Compass der dritten Generation

Der Jeep Compass ist auch für grössere Ausflüge bereit. 550 Liter Kofferraumvolumen hinter der elektrisch aufschwingenden Klappe sind ok, die dreigeteilt umlegbaren Rücksitzlehnen sehr praktisch. Unter dem Boden finden zudem die Kabel eine Unterkunft. Wer sie lieber unter der Fronthaube verstauen möchte, wird enttäuscht, einen Frunk gibt es nicht. Fünf Personen finden gut Platz, wobei der hintere Mittelsitz nicht ganz so komfortabel ist.

Markengesicht: Auch bei den elektrischen Modellen setzt Jeep auf bekannte Designmerkmale

Komfortabel dagegen: Die Navigation inklusive Ladeplanung unterwegs. Im Engadin angekommen verbleiben nämlich noch 23% SOC. Der Halt in St. Moritz ist zu kurz, um dort wirklich „aufzutanken“, schliesslich sollen hier nur die leckersten Pralinés weit und breit besorgt werden. Doch das Navi weiss Bescheid, nein, nicht beim Thema Edelschokolade, sondern eben bei der Einplanung der Ladestopps. Die Fahrt zurück über den Pass bis hinunter nach Thusis liegt noch locker drin. Und tatsächlich, ich komme mit 18% SOC beim Schnelllader an. Das Ladetempo des Jeep ist mit bis zu 160 kW nicht superschnell, aber ausreichend. In einer guten halben Stunde sind dann auch die angepeilten 80% erreicht.

Schnell: Auf weiteren Strecken wird man dank gutem Ladetempo nicht ausgebremst

Wie viele Verkäufe Jeep mit dem Compass anpeilt, ist mir nicht bekannt. Doch die Chancen stehen nicht schlecht. Er schaut nicht nur gut aus, er fährt auch so, wenn man mit dem etwas schaukeligen Verhalten kein Problem hat. Der Verbrauch hat sich im Test bei 20,5 kWh eingependelt. Die Reichweite beträgt also um die 350 Kilometer, womit auch den Sommerferien in der Toskana nichts im Wege stehen würde. Die Ausstattung ist beim Testwagen sehr reichhaltig, was den Preis wie erwähnt auf 52’890 Franken anhebt.

Hawaii Green: Die markante Farbe schaut auch in der Engadiner Bergwelt gut aus

Wer auf den Allradler wartet, wird noch im Laufe des Jahres zwischen einem PlugIn-Hybriden und einer zweimotorigen Elektrovariante wählen können. Das dürfte dann auch auch keinen Hardcore-Jeep-Fan mehr schocken.