Für die 2026er-Ausgabe hat man die Austragung des International Concours of Elegance auf Ende Januar vorverlegt. Somit ist für einen gut mit Eis bedeckten See gesorgt, der dem Event mitunter seinen Namen gibt: The I.C.E.. Wenn für einen Anlass der Begriff „klein aber fein“ bemüht werden kann, dann für diesen. Gerade einmal 50 Fahrzeuge bewerben sich um den Titel Best in Show. Daneben kämpfen sie in fünf Kategorien um den jeweiligen Klassensieg.
Inzwischen hat das I.C.E. eine Strahlkraft, mit der selbst das legendäre White Turf kaum noch mithalten kann. Influencer:innen treten in rauen Mengen auf, reissen sich um Selfies mit den vierrädrigen Preziosen. Wir bleiben stabil und richten den Blick auf die automobilen Highlights.
Koenigsegg CC Prototype
Bereits 1994 begann Christian Koenigsegg mit dem Bau des CC. Unter der Haube findet sich ein Audi 4,2 Liter V8. Ursprünglich sollte dieser dann auch im Produktionsmodell für Vortrieb sorgen. Doch weil Koenigsegg den Motor deutlich über dessen ursprüngliche Leistung tunen wollte, kam der Deal nicht zustande. Weil Motori Moderni bankrott ging, konnte auch deren 12-Zylinder-Boxer, der unter dem Subaru-Label in der Formel 1 startete, nicht verwendet werden. Schliesslich kam im CC8S ein Ford V8 zum Einsatz. Der kupferfarbene Protoype für den Supersportwagen wirkt auch 2025 noch spektakulär. Seine gleichzeitig nach aussen und oben öffnenden Türen passen perfekt zum Gruppe-C-ähnlichen Look. Dass die Rücklichter von einem Daihatsu Applause zu stammen scheinen, mag Puristen stören, gehört für uns aber zum Prototypen-Style dazu. Bereits hier fand das abnehmbare Dach Anwendung, das noch heute die Koenigsegg-Modelle prägt.

Der Beginn der Markengeschichte: Koenigsegg CC Prototype
Nissan R390 GT1
Ein LeMans-Sportwagen auf dem zugefrorenen See fahren zu sehen, ist an sich schon surreal genug. Wenn man aber liest, dass Erik Comas mit dem knallgelben Japaner auf öffentlichen Strassen angereist ist, wächst der Respekt für den Auftritt ins Uneremessliche. Der frühere Formel 1 Pilot (2 Jahre für Ligier, 2 Jahre für Larousse) hat für Nismo drei Mal bei Le Mans teilgenommen. Mit genau diesem Nissan R390 GT1. Der 3,5-Liter V8 bringt es mit zwei Turbos auf 560 PS. Von Nissan gab es nur ein einziges offiziellesvExemplar mit Strassenzulassung. Der R390 GT1 von Comas wurde dagegen nachträglich strassentauglich gemacht, wofür einige kleinere Änderungen vorgenommen werden mussten.

Auf öffentlichen Strassen angereist: Erik Comas im Nissan R390 GT1
Alfa Romeo 179
Wie lässt sich so ein LeMans-Renner noch toppen? Richtig, mit einem Formel 1 Auto. Der Alfa Romeo 179 trug für die Fahrt auf Schnee und Eis traktionsfördernde „Socken“ über seinen superbreiten Slickwalzen. Doch weil der inzwischen 83-jährige Arturo Merzario keine Rücksicht auf die etwas anderen Bedingungen nehmen wollte, flogen die Traktionshilfen in hohem Bogen auf die Strecke. Bekannt für seinen Cowboyhut war der Italiener in den 1970er-Jahren für Williams, Ferrari, Shadow, Wolf, Coppersucar und sein eigenes Team am Start der wichtigsten Rennserie der Welt. Der Alfa Romeo 179 verfügt über einen 60° V12, der 525 PS leistet. Er wurde 1980 von Bruno Giacomelli und Patrick Depailler bewegt.

Warf mit „Schneesocken um sich: Alfa Romeo 179
Talbot Lago T150C-SS Figoni & Falaschi Teardrop
Dass von diesem Fahrzeug innert drei Jahren gesamthaft nur 16 Exemplare hergestellt wurden, überrascht nicht. Denn die Marke war hochexklusiv. Die von Figoni et Falaschi eingekleideten sind für ihr organisch fliessendes „Tränendesign“ bekannt und werden jenseits der 10 Millionenmarke gehandelt. Auch wenn die Sicht auf die Strasse durch die aerodynamisch optimierten Frontscheibchen miserabel sei, konnte das französische Luxuscoupé die illustre Jury von seinen Qualitäten überzeugen. Der Talbot Lago T150C-SS holt sich nämlich wenig überraschend den Titel Best in Show. Genau jenes Exemplar aus dem Jahr 1937 aus der Sammlung (The Pearl Collection) von Fritz Burkard schaffte es 2022 schon unter die besten vier in Pebble Beach.

Verdienter Best in Show: Talbot Lago T150C SS Figoni & Falaschi
Citroën ZX Rally Raid
Ein weiteres französisches Fahrzeug, das am ICE die Aufmerksamkeit auf sich zog. Anders als Audi Quattro oder Lancia Delta S4 gab es vom ZX keine Strassenvariante. Vielleicht ist er deshalb fast gänzlich unbekannt, obwohl er die damals noch zurecht Paris – Dakar genannte Rallye gleich mehrfach gewinnen konnte. Der Reihenvierer bringt es auf 300 PS, was bei knapp 1600 Kilo Leergewicht für flüssige Fortbewegung sorgen dürfte. Quer eingebaut sitzt er tief in der Mitte des gelben Franzosen. Dahinter sind gleich zwei Ersatzräder montiert. Mit Allrad und Sperrdifferenzialen ausgerüstet, kann er auch auf Schnee und Eis brillieren.

Mehr als einmal im „Schiebebetrieb“ unterwegs: Citroën ZX Rally Raid
Pontiac Vivant
Schon auf den ersten Blick ist die Inspiration für das blaue Concept Car aus dem Jahr 1963 eindeutig. Die drei Berlinettas Aerodinamica Technica (oder kurz B.A.T.), die von Franco Scaglione gezeichnet und bei Bertone gebaut wurden. Ansonsten gibt es aber keine Verwandschaft zu Alfa Romeo. Die Technik ist nicht italienisch feinsinnig, sondern US-amerikanisch simpel: Ein 370 cubic inch (6,1 Liter) grosser V8 bringt nicht nur Vortrieb, sondern auch ordentlich Sound aus den hinter den Vorderrädern austretenden Auspuffrohren. Der Klang konnte auch den von Bang & Olufsen gestifteten Preis für den „Best of Sound“ Award am ICE abräumen. Fast noch eindrucksvoller als die akustische Präsenz des vor bald zehn Jahren perfekt restaurierten Prototyps, sind die über das ganze Auto laufenden und nach hinten innen gedrehten Finnen. Sie sind die Hingucker an diesem ansonsten sehr schlicht gezeichneten Barchetta.

Schlicht und laut: Pontiac Vivant
Rimac Nevera
Nicht am Wettbewerb teilnehmend, konnte man den Rimac Nevera mit seinen 2000 Elektro-PS trotzdem auf der bald als Pferderennbahn genutzten Strecke bewundern. Kein geringerer als Bugatti- und Rimac-CEO himself, Mate Rimac, steuerte den Hypersportwagen völlig geräuschlos und mit viel Verve über das kalte Weiss.

Driften auf Eis? Das lässt sich Bugatti-CEO Mate Rimac nicht nehmen
Fiat Panda 4×4
Da steht er inmitten millionenteurer Luxusautos, einzigartiger Prototypen und beeindruckenden Rennautos… doch er bleibt cool. Der Fiat Panda 4×4 wird als Schleppfahrzeug und Parkeinweiser eingesetzt. Ohne Murren erledigt die tolle Kiste ihren Dienst und sieht dabei einfach immer stylish aus. Einmal mehr zeigt sich, Coolness und Stil sind keine Frage von Geld oder Herkunft, sondern von Attitüde.

Sieger der Herzen: Fiat Panda 4×4
Das Fazit ist klar, das I.C.E. hat sich endgültig in die Agenda der Petrolheads eingebrannt. Was man hier zu sehen bekommt, ist gerade auch in dieser Jahreszeit einzigartig. Offenbar hat man auch auf der anderen Seite des grossen Teiches Wind davon bekommen. Dass ausgerechnet an jenem Wochenende drei Tesla Cybertruck Prototypen für Europa herumkurvten, kann kaum ein Zufall sein. Auch sonst gab es für Carspotter viel zu sehen: Diverse Porsche 911 Dakar, Kimera EVO37, Bugatti Chiron, Maserati MC12 und viele mehr haben wir in und um St. Moritz gesichtet. Auch diese „Randerscheinungen“ und die immer unterhaltsame Anreise über den Julier lassen nur einen Schluss zu: We’ll be back!
Hier noch einige Impressionen:







