Die „Schweizer“ Version des ID.Buzz liess etwas auf sich warten. Denn erst mit Erscheinen des GTX kam der Allradantrieb ins Angebot, die ihn für das Winterhalbjahr bei uns noch attraktiver macht. Dazu ist nun auch die um 25 Zentimeter gestretchte Version mit langem Radstand erhältlich, die serienmässig mit 6 Sitzen kommt. Für 100 Franken zusätzlich erhält man in der zweiten Reihe den Mittelsitz und damit 7 Plätze. In genau jener Konfiguration steht uns der GTX in einer wunderbaren Zweifarbenlackierung zur Verfügung. Monosilber / Kirschrot nennt sich die Kombi, in der Volkswagen den GTX vorgestellt hat.

Kennzeichen GTX: Der schwarze Lufteinlass und die aussen stehenden zusätzlichen Tagfahrleuchten
Abgesehen von der modellspezifischen Farbgebung, ist die schnellste Version des ID.Buzz fast nicht von seinen zivileren Brüdern zu unterscheiden. So ist der vordere Stossfänger mit einem schwarz abgesetzten Grill in der Mitte versehen. Schaut tatsächlich etwas sportlicher aus, fällt aber eigentlich nicht gross auf. Traut sich VW nicht mehr oder wünscht sich die Kundschaft gar nicht mehr Differenzierung? Am Ende egal, denn auch mit Doppelmotor dürfte aus dem Kleinbus kein Sportwagen werden.
Damit zu den technischen Daten: 340 PS Leistung und 86 kWh Nettoakkukapazität sollten für rasantes Vorwärtskommen und ausreichende Reichweite sorgen. Doch im Testzeitraum ist es ziemlich kalt, was bestimmt Auswirkungen auf den Verbrauch hat. Bevor jedoch die theoretische Reichweite berechnet werden kann, freue ich mich auf eine ausgedehnte Testfahrt mit dem stylishen 7-Plätzer.

Massig: Der fast quadratische ID.Buzz ist optisch kein Leichtgewicht
Ich steige zum Fahrersitz hinauf und erinnere mich an den letzten Test. Schon damals hat mir das Gefühl am Steuer des ID.Buzz gefallen. Der Massagesitz lässt sich elektrisch verstellen. Eine passende Sitzposition ist schnell gefunden. Auch die Spiegel sind rasch so eingestellt, dass sich der recht quadratische Bus gut übersehen lässt. Mein Blick fällt dabei auf das Panel, von dem aus man auch die Fensterheber bedient. Noch immer wird für die hinteren Fenster ein Touch auf das Umschaltfeld „Rear“ nötig. Bei neuen VW wird man auf diese Lösung wieder verzichten. Wohl auch, weil damit nur ein einziger Schalter eingespart werden kann.

Buzzfahrer: Hier fühlt man sich trotz Touchslider wohl
Auch sonst wurde beim GTX wenig gespart. Die Ausstattung ist vollständig. Das heisst, dass auch Nettigkeiten wie die vollelektrischen Schiebetüren mit integrieren elektrischen Schiebefenstern oder das auf Knopfdruck opak schaltbare Panoramadach mit dabei sind. Für den ersten Fahreindruck sind all diese Goodies jedoch nicht massgebend. Also drehe ich den Schaltstummel an der Lenksäule nach vorne. Wie inzwischen gewohnt, geht es geräuschlos von dannen. Trotz der etwas grösseren Aussenmasse fühle ich mich sofort wohl mit dem Sportbuzz. Auf der Autobahneinfahrt das erste Mal Vollstrom. Und ja, da geht schon deutlich mehr als mit dem Basis-Elektrobus.

By night: Am LILU in Luzern fällt der ID.Buzz auch neben der Venus noch auf
Dann beim Verlassen der Autobahn der erste kleine Schreckmoment: Das Bremsen oder besser gesagt der Übergang von der Rekuperation zum Bremsen ist alles andere als harmonisch. Ich achte mich in der Folge verstärkt auf das Verhalten beim Verzögern. Auf der Landstrasse gefällt die verhältnismässig direkte Lenkauslegung und die sportlich komfortable Abstimmung des Fahrwerks. Ein sehr guter Kompromiss, der den VW-Ingenieur:innen da gelungen ist. Die gute Übersicht durch die grossen Fensterflächen hilft, die Fuhre auch bei etwas ernsthafterem Tempo souverän zu platzieren.
Nachwievor eher schwierig platziert sind die Touchregler am Lenkrad. Gut, dass der Weg bei neueren VW-Modellen da in eine neue (eigentlich alte) Richtung führt. Die Einstellung des Abstandstempomaten wird ebenfalls am Lenkrad vorgenommen. Wählt man dort den Travel Assist, kann über den Tippblinker ein assistierter Spurwechsel vorgenommen werden. Anders als unlängst im ID.7 hat das beim ID.Buzz GTX nicht so überzeugend funktioniert. Häufig stand die Funktion trotz guter Sicht und klaren Markierungen nicht zur Verfügung. Wenn sie aktivierbar war, fiel die Ausführung des Spurwechsels eher zögerlich aus. Ein Glück, dass diese nicht ganz so überzeugende Performance vor den Kameras halt macht.

Elektrisch: Der Antrieb, gegen Aufpreis auch beide Schiebetüren und die darin laufenden Schiebefenster
Mit etwas zu viel Motivation wage ich mich ins National Parking Luzern. Denn mit 1,93 Meter Höhe passt der ID.Buzz im Prinzip nicht in das auf 1,9 Meter beschränkte Parkhaus. Doch, siehe da, ohne jegliche Probleme finde ich einen passenden Parkplatz, den ich dank Kamerahelferlein auch perfekt treffe. Da steht manch kleineres Auto viel schiefer in der Lücke. Dass die Spiegel für ein Fahrzeug dieser Grösse nicht besonders gross ausfallen, ist nun von Vorteil.

Hoch: Mit 193 Zentimeter passt doch noch in einige Parkhäuser
Kein Vorteil ist die bereits erwähnte Ansteuerung der Fensterheber. Versehentlich öffne ich an der Schranke nämlich das hintere Schiebefenster. Das wäre kein Problem, wenn es sich einfach wieder schliessen liesse. Doch es springt immer wieder von selbst auf, was auf eine Fehlfunktion der Einklemmsensorik zurückzuführen sein dürfte. Dieses Phänomen lässt sich replizieren. Das gilt auch für das mässige Funktionieren des Spurwechselassistenten und die unharmonische Bremsabstimmung.

Sportbuzz: Am nicht zu kleinen Logo und der zackigeren Beschleunigung erkennbar
Doch zurück zu sonnigeren Themen. Kindern lieben den ID.Buzz sowieso. Wenn er noch mit den elektrischen Schiebetüren kommt, sind sie definitiv hin und weg. Am liebsten würden sie den GTX direkt adoptieren. Die kleinen Tischchen, die Tablethalter in den Rückenlehne und die separate Klimasteuerung für den Fond liefern dem Nachwuchs weitere Argumente. Tatsächlich ist der silberrote Testwagen trotz einiger Unzulänglichkeiten einfach ein sympathischer Geselle. Und wenn er Dich mit seinen grossen runden Augen anschaut, lässt sich ein Grinsen kaum vermeiden.
Natürlich könnte einem das Lachen mit Blick auf die Preisliste vergehen. Während der GTX mit langem Radstand bei 80’000 Franken beginnt, steht jener hier mit Verwöhnausstattung zu einem Preis von fast 95’500 Franken. Zudem verschwindet die Zahl 30 nicht aus dem kleinen Tachodisplay. Sie steht für den Durchschnittsverbrauch in Kilowattstunden. Die Reichweite liegt bei diesen Bedingungen also unter 300 Kilometer. Weiterhin nicht ganz würdig zeigen sich die Kunststoffe im Innenraum. Da findet sich für ein Auto dieser Preisklasse noch deutlich zu viel hartes Plastik.

Laaang: An der verlängerten hinteren Schiebetüre erkennt man die Langversion
Am Ende stellt sich die Frage, ob man diesen unglaublich sympathischen und coolen Bus, sorry: Buzz bei sich in der Garage stehen haben will oder nicht. Es gibt einige Gründe dagegen. Zum Beispiel die unharmonische Bremse, gewisse Bedienunarten oder die nicht gerade riesige Reichweite. Doch die schiere Freude, mit dem ID.Buzz GTX unterwegs zu sein und in die fröhlichen Gesichter zu schauen, die ihn betrachten, wäre es schon wert – ein Auto gewordener Stimmungsaufheller. Dazu gesellt sich der passende Antriebsstrang, die lautlose Fortbewegung und… ach, vergessen wir die rationalen Argumente. Er ist kein typischer VW, hat seine Fehler und begeistert trotzdem oder gerade deshalb. Am Ende entscheidet also das Herz. Mit Z.
