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7. November 2025

Hier ist er: Der Elektrokombi!

VW | 0 Kommentare

Noch dürfen die sportlichen Modelle bei VW nicht GTI heissen, wenn sie elektrisch sind. Das soll sich gerüchtehalber bald ändern. Vorest gilt aber noch GTX als Sportkürzel. Alles andere als kurz ist dann aber aber der Testwagen. Der ID.7 ist als Tourer mit genau 4961 Millimeter exakt gleich lang wie die Fliessheckvariante. Variant darf das […]

Noch dürfen die sportlichen Modelle bei VW nicht GTI heissen, wenn sie elektrisch sind. Das soll sich gerüchtehalber bald ändern. Vorest gilt aber noch GTX als Sportkürzel. Alles andere als kurz ist dann aber aber der Testwagen. Der ID.7 ist als Tourer mit genau 4961 Millimeter exakt gleich lang wie die Fliessheckvariante. Variant darf das Elektroauto also auch nicht heissen. Sei’s drum, das Paket ist auf jeden Fall verlockend: 5 Plätze, viel Raum und Leistung satt.

340 PS schickt der dunkelrote Kombi an alle vier Räder. Als Allradkombi ist er für die Schweiz also wie gemacht. Wobei der aufgerufene Preis dann die Freude doch etwas dämpfen dürfte. Wie er vor mir steht, kostet der VW ID.7 GTX Tourer nämlich gesalzene 85’607 Franken. Doch wie ich aus einem frühereren Test mit dem „konventionellen“ ID.7 weiss, ist dieser halt auch ein richtig gutes Auto. Also eingestiegen und ab damit.

Muss wohl sein: Durchgehendes Leuchtenband an der Front, ansonsten relativ unauffällig.

An die Lenkstockschaltung habe ich mich bei Elektroautos inzwischen gewöhnt. Weil sie durch ihre Platzierung Raum auf der Mittelkonsole schafft, ist sie mir sympathischer als die dort liegenden Schaltknuppel, wie man sie z.B. im Stellantis-Konzern verwendet. Lautlos rolle ich los. Ein Blick auf das kleine Display hinter dem Lenkrad überrascht mich positiv: 538 Kilometer Reichweite werden bei 100% SOC prognostiziert. Das wäre mehr als genug. Mal sehen, wie viel tatsächlich aus der 85 kWh fassenden Batterie rauszuholen ist.

Grosszügig: Platz gibt es mehr als genug und zwar auf allen 5 Plätzen und auch im Kofferraum.

Alles rausgeholt hat man bei den Sitzen. Neben Heizung und Kühlung gibt’s vorne auch eine sehr gute und durchaus intensive Massagefunktion. Herrlich auf weiten Strecken. Da sehe ich selbst über die noch immer präsenten Slider unterhalb des grossen Screens hinweg – jedenfalls fast. Temperatur und Volumen stellt man auf den mittlerweile beleuchteten Leisten also weiterhin per Fingerwisch ein. Oder aber man versucht’s mit IDA, der on-Board-Sprachassistentin. Doch, ich nehm’s gleich vorweg, da ist die Erfolgsquote per Slider dann doch noch höher.

Nun soll aber nicht geslidet, sondern eben gefahren werden. Denn das kann der ID.7 GTX wirklich gut. Die Fahrwerksabstimmung des adaptiven DCC ist gelungen. Wenn auch angemerkt werden darf, dass hierfür der Term GTI dann wirklich etwas verfehlt wäre. Dieser grosse Stationswagen (so steht es ja auch im Fahrzeugausweis) verwöhnt primär mit Fahrkomfort für alle Mitfahrenden. Das Vergnügen der Person vorne links kommt dann erst an zweiter Stelle. Selbst im Sportmodus bleibt die Besatzung verschont von allzu harrschen Schütteleien. Auch die Lenkung passt in dieses Konzept, bleibt frei von übersportlichen Ambitionen. Präzise den Befehlen folgend, übertreibt sie es mit Feedback nicht gerade. Trotzdem oder gerade deshalb: Diese Abstimmung ist für die grosse Reise wie gemacht.

GTX: Das Abzeichen markiert die Topversion, hat mit Sport eher weniger zu tun.

Das lässt sich auch über den Schub sagen. Mit 340 PS ist man selbstredend jederzeit gut motorisiert. Beschleunigungsorgien mit Nackenschmerzen erlebt man in VWs Elektrosportkombi dann aber doch keine. Das würde auch nicht zum Wesen des Autos passen, das eher zum Cruisen und zum sporadischen Anpassen der Ambientebeleuchtung animiert. Letztere lässt sich in drei Ebenen separat in der Farbe ausgestalten. Viel Spielraum für Spielereien also. Alles andere denn Spielerei ist die Lichttechnik, die im Testwagen verbaut ist. Immer serienmässig ist nämlich das sogenannte IQ-Light, das leuchtstarke Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer beinhaltet. Damit wird die Nacht tatsächlich fast zum Tag. Die Ausleuchtung wird ständig an den Gegebenheiten angepasst, wobei neben anderen Fahrzeugen auch Personen ausgeblendet werden. Wer einmal damit gefahren ist, fühlt sich danach in einem konventionell leuchtenden Fahrzeug bei Nacht direkt im Dunkeln.

Rot: Warum eigentlich nicht mehr so farbenfrohe Kombis?

Nicht im Dunkeln tappen wollen wir natürlich in Sachen Verbrauch. Im Test wurden 19,8 kWh auf 100 km gemessen, wobei die Temperatur jeweils bei knapp unter 10° C lag. Somit wären selbst bei diesen suboptimalen Bedingungen an die 430 Kilometer Reichweite drin. Natürlich sind das 100 weniger als zu Beginn versprochen, trotzdem aber locker alltagstauglich auch bei winterlichen Bedingungen. Überhaupt macht der grosse VW-Kombi sehr Vieles richtig.

Bei der Optik mag man geteilter Meinung sein. Das ID-Design wurde hier in die Länge gezogen. Vorne wie hinten leuchten die Bänder über die volle Breite – inklusive Logos. Seitlich fällt die gewellte Linie auf, die sich von der Front bis zum Heck zieht. Die versenkten Türgriffe sind elektrotypisch. Die schwarzen GTX-Schriftzüge passen zum ebenfalls schwarzen Dach und den Schwellern. Trotzdem fehlt vielleicht etwas das Exklusive, das man bei dieser Preisregion erwarten dürfte. Der Zweifarbenlook steht ihm gut, wenn auch nur wenige Mutige zur Aussenfarbe Kings Red greifen dürften. Innen hat mich der rote Strich der Interieurausstattung Soul-Rot eher irritiert, weil mit der Ambientebeleuchtung schon genügend Farben um die Wette leuchten.

Übersichtlich: Der Arbeitsplatz ist aufgeräumt, insbesondere das HeadUp-Display verdient Lob.

Gut funktioniert hat einmal mehr die Assistenzelektronik. Der begleitete Spurwechsel fühlt sich sehr natürlich an, die AR-Navipfeile im grossen HeadUp-Display sind hilfreich und generell hält man sich mit Gepiepse zurück. Auf dem grossen Screen findet man sich relativ schnell zurecht. Die On-Board-Navigation ist so gut umgesetzt, dass man sie tatsächlich lieber nutzt als das Google-Pendant via Apple CarPlay. Speziell: Die induktive Ladematte will über einen Touchbefehl aktiviert werden.

Weinkenner: Auch vor dem Gourmetrestaurant ist so ein ID.7 GTX nicht verkehrt.

Am Ende ist der VW ID.7 GTX Tourer ein überaus souverän motorisierter Elektrokombi, der für 5 Personen Platz bietet und auch ausreichend Kofferraum bereithält. Er macht eine gute, wenn auch nicht überattraktive Figur. Vor dem Gourmetrestaurant parkt man jedenfalls ebenso selbstverständlich wie vor der örtlichen IKEA-Filiale. Die Reichweite stimmt ebenso wie Fahrwerksabstimmung. Bedienungsmässig bleiben die Slider und Touchflächen am Lenkrad gewöhnungsbedürftig, der Rest funktioniert aber sehr intuitiv und logisch. Mit über 85’000 Franken bleibt er schlicht ziemlich teuer.